Good bye, Tony

London - Zum Ende einer zehnjährigen Ära hat Tony Blair bei der Queen seinen Rücktritt eingereicht und den Weg für den neuen Premierminister Gordon Brown freigemacht. Es war ein bewegender Abschied - vor allem im Londoner Unterhaus.

Es gab keinen Handkuss, keinen Kniefall und auch keinen Champagner. Der formelle Rücktritt von Tony Blair vor Königin Elizabeth II. war eine sachliche Angelegenheit. Gemocht hat die Queen den Politiker angeblich nie so richtig. Nach knapp 25 Minuten war alles vorbei, und der Ex-Premier fuhr in seinen nordenglischen Wahlkreis County Durham. Vor staunenden Reisenden bestieg er wie tausende andere auch am Bahnhof King‘s Cross einen Zug in Richtung Norden. Es wurde erwartet, dass er dort den Verzicht auf sein Unterhausmandat erklärt, um eine neue Aufgabe als internationaler Nahost-Beauftragter anzutreten.

Im Unterhaus nahm Blair am Vormittag sichtlich bewegt Abschied von den Abgeordneten. Im Rahmen der wöchentlichen Fragestunde sagte er, dass es ihm Leid tue, welch großen Gefahren britische Soldaten im Irak und in Afghanistan ausgesetzt seien. "Ich wünsche allen - ob Freund oder Feind - Lebewohl", sagte Blair zum Schluss. "Und das ist es dann. Das Ende." Die Abgeordneten erhoben sich und spendeten dem scheidenden Premier kräftigen Applaus. Einige, unter ihnen auch Außenministerin Margaret Beckett, kämpften mit den Tränen.

Der Parteichef der Konservativen, David Cameron, würdigte die Leistungen Blairs und nannte dabei den Friedensprozess in Nordirland sowie die Entwicklungspolitik. Er wünsche Blair bei seinen bevorstehenden Aufgaben alles Gute. Anschließend fuhr Blair zum letzten Mal zum Amtssitz des Premierministers in Downing Street 10, wo seine persönliche Habe in Umzugswagen gepackt wurde.

Blair hat nach Angaben des irischen Regierungschefs Bertie Ahern bereits eine Berufung zum neuen internationalen Nahost-Beauftragten angenommen. Er habe mit Blair telefoniert, "und dies ist genau das, was er tun wird", sagte Ahern am Mittwoch in Dublin. Die offizielle Ernennung Blairs durch das Nahost-Quartett aus EU, UN, den USA und Russland kam wenige Stunden später. Ob es in der arabischen Welt dann wirklich heißen wird "Salem Aleikum, Tony" (Friede sei mit dir), das bleibt freilich abzuwarten. Wie sehr das Vermächtnis von Tony Blair vom Blutvergießen im Irak überschattet ist, machte seine Abfahrt aus der Downing Street deutlich: Demonstranten - unter ihnen Angehörige von im Irak gefallenen Soldaten - riefen dem scheidenden Premier "Mistkerl" hinterher.

US-Präsident George W. Bush hat Blair gegen den Vorwurf in Schutz genommen, er habe sich wie der "Pudel" des amerikanischen Staatschefs benommen. "Ich habe gehört, dass er "Bush‘s Pudel" genannt wurde. Er ist größer als das", erklärte der Präsident. Ihn als "Pudel" zu bezeichnen, sei einfach albern. Derartige Vorhaltungen seien "nur Hintergrundgeräusche, eine Ablenkung von den wirklich großen Dingen".

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