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Der ehemalige Staatspräsident der Sowjetunion Michail Gorbatschow warnt vor neuer Aufrüstung.

Michail Gorbatschow im Time Magazine

„Es sieht alles so aus, als würde sich die Welt für Krieg vorbereiten“

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Moskau - Mehr Soldaten, mehr Waffen, mehr Kriege? Michail Gorbatschow, der ehemalige Staatspräsident der Sowjetunion, warnt die Staatschef der Welt. Er zeichnet ein düsteres Bild.

Wenn jemand wissen muss, wie gefährlich Atomwaffen sind, dann er: Der russische Politiker und Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow kam 1985 mitten im Kalten Krieg an die Macht als Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion. Mit Reformen wie Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung) trug er dazu bei, dass der Eiserne Vorhang zwischen Ost und West fiel. Und das ohne Gewalt.

Genau vor der warnt der 85-Jährige jetzt im US-Magazin Time in einem Appell an die Staatsoberhäupter der Welt – vor allem jene im UN-Sicherheitsrat. Die Politiker scheinen angesichts der Probleme der Welt „verwirrt und verzweifelt zu sein“, schreibt Gorbatschow. Dabei sei kein Problem dringlicher als die Militarisierung und das neue Wettrüsten.

Immer mehr Waffen würden nach Europa gebracht und sowohl von Russland als auch der NATO dort stationiert. „Während Staatshaushalte kämpfen, um die grundlegenden sozialen Bedürfnisse der Menschen zu finanzieren, wachsen die Militärausgaben. Geld ist leicht zu finden für anspruchsvolle Waffen, deren zerstörerische Macht mit der der Massenvernichtungswaffen vergleichbar ist“, schreibt Gorbatschow. Politiker und politische Kommentatoren klängen immer kämpferischer, ihre Militärdoktrinen wären immer gefährlicher, so der ehemalige Staatspräsident der Sowjetunion: „Es sieht aus, als ob die Welt sich auf den Krieg vorbereitet.“

„Atomwaffen dürfen nur einem Zweck dienen: Krieg zu verhindern“

Er weißt darauf hin, wie im November 1985 USA und Sowjetunion erklärten, dass ein Atomkrieg nicht gewonnen werden könne. Er erinnert sich an ein Treffen des Politbüros, in der sich die Sowjetpolitiker in einem einig waren: „Atomwaffen dürfen nur einem Zweck dienen: Krieg zu verhindern.“ Daraus folgte danach die Abrüstung. Bis jetzt.

„Heute jedoch scheint die nukleare Bedrohung wieder real zu sein. Die Beziehungen zwischen den Großmächten gehen seit einigen Jahren von schlecht zu noch schlechter über“, schreibt Gorbatschow. Heute wird Nuklearpolitik in 140 Zeichen über Twitter gemacht.

Gorbatschow ruft die Nuklearstaaten wieder zu Verhandlungen auf. Der UN-Sicherheitsrat solle eine Resolution verabschieden, durch die Atomkriege verboten werden. Denn, so schreibt Michail Gorbatschow: „In der modernen Welt müssen Kriege geächtet werden, denn keines der globalen Probleme, mit denen wir konfrontiert sind, kann durch Krieg - weder Armut noch Umwelt, Migration, Bevölkerungswachstum oder Ressourcenknappheit - gelöst werden.“ 

Er erinnert an ein Zitat des ehemaligen US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt. Der hat einmal gesagt: „Eine der Hauptfreiheiten der Menschen ist die Freiheit von Angst.“ Heute würden Millionen von Menschen die Last der Angst tragen. Deswegen sei jetzt die Zeit zu handeln, so Gorbatschow.

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