+
Bundeswehrsoldaten bei Kundus im Jahr 2011: War der deutsche Abzug verfrüht?

Nach Taliban-Offensive

Gouverneur: Bundeswehr-Abzug aus Kundus war verfrüht

Kundus - Zwei Jahre nach dem Bundeswehr-Abzug aus Kundus haben die Taliban die Stadt in dieser Woche vorübergehend eingenommen. Der amtierende Provinzgouverneur Daneschi sagt, der Abzug sei zu früh gewesen. Die Deutschen hätten die Menschen in Kundus alleine gelassen.

Nach der Taliban-Offensive in Kundus hat der amtierende Gouverneur der Provinz den Abzug der Bundeswehr aus der Region vor zwei Jahren als verfrüht kritisiert.

"Wir haben den Deutschen mehrfach gesagt, dass wir sehr besorgt über ihren Abzug sind", sagte Gouverneur Hamdullah Daneschi der Deutschen Presse-Agentur per Telefon. "Wir wussten, dass wir die Lage nicht alleine würden kontrollieren können. Aber sie haben uns alleine gelassen. Die Entscheidung, aus Kundus abzuziehen, war verfrüht." Die Taliban hatten Kundus-Stadt am Montag eingenommen. Am Donnerstag hatten Regierungstruppen die Taliban wieder vertrieben.

Mit Blick auf die Deutschen sagte Daneschi: "Wir machen sie nicht für den Fall von Kundus verantwortlich, aber wir sind enttäuscht darüber, dass sie uns alleine gelassen haben. Wir brauchten sie hier, aber sie sind gegangen." Der Gouverneur fügte hinzu: "Wir würden uns sehr wünschen, dass die Deutschen zurückkommen." Die Bundeswehr war vor zwei Jahren aus Kundus abgezogen. Kundus war die erste Provinzhauptstadt, die seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001 von den Aufständischen erobert wurde.

Daneschi erhob Vorwürfe gegen die Zentralregierung von Präsident Aschraf Ghani in Kabul. "Warum hat die Regierung nicht aufgepasst, als wir unsere Sorgen ausgedrückt haben?" Daneschi hatte bereits im April davor gewarnt, die gesamte Provinz Kundus könne von den Taliban erobert werden. Ghani hatte den bisherigen Gouverneur von Kundus, Mohammad Omar Safi, während der Gefechte um die Stadt seines Amtes enthoben. Zugleich hatte er Daneschi per Dekret zum amtierenden Gouverneur ernannt. Daneschi war davor zwölf Jahre lang stellvertretender Gouverneur der Provinz Kundus gewesen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Miss Türkei verliert Titel wegen anstößigem Tweet
Die Siegerin der Miss-Türkei-Wahl ist ihre Krone wegen einer als anstößig gewerteten Twitter-Botschaft wieder los. Itir Esen verlor ihren Titel nur einen Tag nach dem …
Miss Türkei verliert Titel wegen anstößigem Tweet
US-Präsident Trump will offenbar Neufassung von Einreisebeschränkungen verkünden
US-Präsident Donald Trump will offenbar an diesem Wochenende eine neue Version seiner Einreiserestriktionen verkünden, berichten US-Medien am Freitag.
US-Präsident Trump will offenbar Neufassung von Einreisebeschränkungen verkünden
Umfrage: Jeder Zweite wünscht sich neuen Kanzler
Jeder Zweite in Deutschland wünscht sich einer Umfrage kurz vor der Bundestagswahl zufolge ein Ende der Kanzlerschaft Angela Merkels.
Umfrage: Jeder Zweite wünscht sich neuen Kanzler
Katalanen wollen sich vom Unabhängigkeitsreferendum nicht abbringen lassen
Auch durch den massiven Einsatz der spanischen Sicherheitskräfte wollen sich die Katalanen nicht von dem Unabhängigkeitsreferendum am 1. Oktober abbringen lassen.
Katalanen wollen sich vom Unabhängigkeitsreferendum nicht abbringen lassen

Kommentare