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Bei ähnlich gelagerten Fällen in anderen Parteien reagiert die CSU häufig mit ritueller Empörung, insbesondere bei den Pädophilie-Vorwürfen gegen die Grünen.

Unerfreuliche Woche für Partei

Sex, Drugs und CSU - zwei Fälle in drei Tagen

München - Für eine Partei von Recht und Ordnung ist es eine ziemlich unerfreuliche Woche: Innerhalb von drei Tagen muss die CSU zwei Kriminalfälle in Sachen Sex und Drogen verkraften.

CSU-Chef Horst Seehofer hat in den 36 Jahren seiner politischen Laufbahn in Bonn, Berlin und München schon viel erlebt, wie er Parteifreunden und Journalisten gern erzählt. Doch am Donnerstag macht Seehofer eine neue Erfahrung: Er muss den Sturz zweier Parteifreunde kommentieren, gegen die wegen Sex- und Drogenvorwürfen ermittelt wird.

Der Nürnberger Landtagsabgeordnete und Bauernfunktionär Michael Brückner kaufte Sex mit einer Sechzehnjährigen. Und der Münchner Handwerkspräsident und „Wiesn-Stadtrat“ Georg Schlagbauer räumt am Donnerstag seinen Stuhl - kurz bevor bekannt wird, dass die Münchner Staatsanwaltschaft den Metzgermeister wegen Drogen im Visier hat.

"Sehr ernst" und "sehr ärgerlich"

Seehofer war schon nach dem ersten Fall bedrückt, nach dem zweiten ist er konsterniert: „Das ist wieder eine äußerst betrübliche Nachricht“, seufzt der Ministerpräsident am Rande der Landtagssitzung. Die Sache sei „sehr ernst“ und „sehr ärgerlich“.

Die Parteifreunde reagieren ähnlich: „Grauslig“, meint ein Kabinettsmitglied. Die zwei Fälle innerhalb von drei Tagen bedeuten nicht, dass die CSU krimineller wäre als andere Parteien. In der Statistik gibt es für derlei Ereignisse den Begriff der „zufälligen Häufung“.

Bei den Ermittlungsverfahren gegen bayerische Politiker in den vergangenen Jahren ist die CSU nicht überrepräsentiert. So gab es im Landtag seit Beginn der Wahlperiode drei Ermittlungsverfahren gegen CSU-Abgeordnete und zwei gegen Freie Wähler, obwohl die Regierungspartei mehr als fünfmal so viele Abgeordnete stellt. Zudem ging es um ganz unterschiedlich gelagerte Fälle, nicht um Sex und Drogen.

Rituelle Empörung bei ähnlichen Fällen in anderen Parteien

Das ist in der derzeitigen Situation aber nur ein schwacher Trost für Seehofer und seine Parteifreunde. Seit Jahrzehnten tritt die CSU als Partei von Recht und Ordnung auf - mit Sex, Drugs und Rock'n'Roll hatten die Christsozialen nie etwas am Hut. Bei ähnlich gelagerten Fällen in anderen Parteien reagiert die CSU häufig mit ritueller Empörung, insbesondere bei den Pädophilie-Vorwürfen gegen die Grünen.

Zudem sind die unerfreulichen Nachrichten für die CSU mit den zwei Rücktritten nicht beendet. Denn die Ermittlungsverfahren sind noch lange nicht abgeschlossen. Dass die zwei Fälle wieder eingestellt und Brückner und Schlagbauer am Ende entlastet werden, ist nach derzeitigem Stand nicht zu erwarten.

Flucht in den Galgenhumor

Der eine - Brückner - hat die Vorwürfe in einer kurzen Stellungnahme eingeräumt und erklärt, dass er sich schäme. Der andere - Schlagbauer - hat sich selbst bei der Staatsanwaltschaft angezeigt, möglicherweise um einer Veröffentlichung durch andere zuvorzukommen.

Insofern werden beide Fälle in den kommenden Monaten immer wieder in Medien und sozialen Netzwerken auftauchen. Ein bedrückter CSU-Mann flüchtet sich am Donnerstag in Galgenhumor: „Hoffentlich gehen uns nicht die Nachrücker aus.“

dpa

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