Friedrich Merz im Anzug, blickt an Kamera vorbei
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Friedrich Merz will nach der Greenpeace-Aktion in der Allianz-Arena die Gemeinnützigkeit überprüfen lassen.

Auch CDU gerät in die Kritik

Nach EM-Eklat: Merz und CSU sägen an Greenpeace-Gemeinnützigkeit - Grüne hegen bösen Verdacht

  • Kathrin Reikowski
    VonKathrin Reikowski
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Der Greenpeace-Fallschirmspringer erreicht den Wahlkampf: Friedrich Merz will schwerwiegende Konsequenzen. Die Grünen hegen einen bösen Verdacht.

Berlin - Einen Tag nach der missglückten Greenpeace-Aktion in der Münchner Allianz-Arena fordert Friedrich Merz (CDU), Greenpeace genauer unter die Lupe zu nehmen. „Nach dem Vorfall von gestern mit einer ernsthaften Gefährdung der Stadionbesucher wird es Zeit, die Gemeinnützigkeit von Greenpeace zu überprüfen. Den beiden Verletzten wünsche ich baldige Genesung!“, schrieb er am Mittwoch auf Twitter.

Am Dienstagabend war ein Greenpeace-Aktivist in der Münchner Allianz-Arena gelandet - wo gerade das EM-Spiel* Deutschland gegen Frankreich starten sollte. Weil der Gashebel seines Motors beim Überfliegen des Stadions kaputt ging, musste er notlanden – dabei wurden zwei Menschen verletzt. Wird einer Organisation die Gemeinnützigkeit aberkannt, kann sie keine Spendenbescheinigungen mehr ausstellen und verliert damit Zuwendungen, auf die sie angewiesen ist.

Greenpeace-Fallschirmspringer bei der Fußball-EM: Grüne verurteilen die Aktion als „fehlgeleitet“

CSU-Generalsekretär Markus Blume forderte ebenfalls Konsequenzen ein. „Greenpeace nimmt billigend die Gefährdung von Menschenleben in Kauf“, rügte er auf Twitter. „Für uns ist klar: Wer mutwillig Menschenleben gefährdet, dem gehört die Gemeinnützigkeit entzogen!“

Greenpeace gibt sich selbstkritisch und hat sich über die sozialen Netzwerke bei den beiden Verletzten entschuldigt. Auch die Grünen, die der Organisation politisch näher stehen, üben Kritik. So verurteilte die dritte Münchner Bürgermeisterin Katrin Habenschaden, die am Dienstag im Stadion war, die Aktion als „gefährlich.“

„Die Greenpeace Aktion war fehlgeleitet, muss aufgearbeitet werden. Den Verletzten wünsche ich baldige Genesung“, schreibt auch der Obmann der Grünen im Bundestag, Dieter Janecek. Doch damit ist für ihn die Debatte noch nicht zu Ende. Denn es ist Wahlkampf - und Merz Äußerung‘ erregte offenbar seinen Argwohn.

Nach Greenpeace-Aktion: Grüne hegen Verdacht gegen Friedrich Merz

„Dass die Union diesen Vorfall nutzt, um die Debatte zur Aberkennung der Gemeinnützigkeit nach Gutdünken zu führen, ist unwürdig für eine Partei, die behauptet, Rechtsstaatspartei zu sein“, schrieb er weiter. Grünen-Parteikollegin Manuela Rottmann geht auf Twitter noch weiter: „Die Debatte um die Gemeinnützigkeit zielt auf etwas ganz anderes: Eine kritische Öko-NGO aus der öffentlichen Debatte drängen“, schreibt sie. Und ergänzt: „Während die INSM weiter Anzeigen zahlt.“ Die INSM ist die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft GmbH, eine Lobbyorganisation von Arbeitgeberverbänden. Sie war zuletzt mit einer umstrittenen Kampagne gegen Grüne-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock in den Fokus geraten.

Greenpeace hatte sich in der Vergangenheit schon öfter mit der CDU angelegt. Im November 2019 stahlen zum Beispiel Aktivisten das C aus der Parteizentrale in Berlin, dadurch stand nur noch DU über dem Eingang. In den Streit mischt sich jetzt eine dritte Partei ein: Marco Bülow, zur PARTEI gewechselter Ex-SPD-Abgeordneter schreibt: „Nach den Korruptionsfällen in der Union wird es Zeit der #cdu #csu die Gemeinnützigkeit zu entziehen - Spenden an die Union dürften nicht mehr erlaubt sein, geschweige denn bei der Steuer geltend gemacht werden.“ (kat) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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