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Georg Anastasiadis

Kommentar

Von der heiligen Greta zur „Atom-Greta“ - Die unbequeme Wahrheit einer jungen Aktivisten-Ikone

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Greta Thunberg ist die Ikone der Klimabewegung und der Grünen. Für die ist Gretas Plädoyer für die Atomkraft ein Schlag ins Kontor. Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

Und plötzlich ist die heilige Greta der Grünen nur noch die „Atom-Greta“. Seit die 16-jährige Klimaaktivistin auf Facebook geschrieben hat, dass die Nutzung der Kernenergie Teil der „kohlenstofffreien Energielösung“ sein könnte, wird die Anführerin der „Fridays-for-Future“-Bewegung mit Kritik und Häme überschüttet – auch von einigen ihrer bisherigen Fans, neudeutsch Followern. Doch Gretas Heimatland macht vor, wie es geht: Im Atomland Schweden sinken die CO2-Emissionen massiv. Anders als in Deutschland, das zwar einen festen Glauben, aber keinen Plan hat und seit Jahren sämtliche Klimaziele verfehlt.

Greta Thunbergs unbequeme Wahrheit

Aus allem aussteigen, und das gleichzeitig, geht  nicht: Die Wahrheit, die Greta ausgesprochen hat, ist ebenso schlicht wie unbequem – so unbequem, dass sie sie auf ihren Schülerdemos bisher lieber für sich behalten hat. Auch ihren brisanten Facebook-Eintrag hat sie, erschrocken über den Proteststurm, nachträglich entschärft. Und doch hält sie mit ihrer kindlichen Unvorsicht Deutschlands vereinigten grünen Illusionisten den Spiegel vor. Wie sehr das schmerzt, verraten die zwischen Entsetzen und Ungläubigkeit schwankenden Reaktionen aus der Partei, die den Teenager kürzlich noch für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen hatte. Eine „Prophetin“ gar sah die Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt in der Schülerin Greta Thunberg. Ihr sollten, das war der Plan, die jungen Leute hinterherlaufen, am besten bis in die Wahlkabinen hinein. So machen die Grünen die Schulen zu ihrer politischen Vorfeldorganisation: indem sie sich ungeniert einer Jugendlichen bedienen. Das gilt, in umgekehrter Weise, auch für die AfD, die mit gewohntem Drama gleich Mahnwachen für die Schulpflicht aufstellte.

Womöglich aber haben sie alle die Schüler unterschätzt. Denn auch wenn ihr Protest manchmal etwas wohlfeil oder naiv anmutet, wollen sich die meisten von ihnen das Denken nicht verbieten lassen. Auch nicht von denen, die sie gern für ihre Zwecke einspannen würden.

Lesen Sie auch: „Fridays for Future“ - Luisa Neubauer (22) ist die deutsche Greta Thunberg oder Böhmermann verklagt Merkel - die hat hoffentlich daraus oder Wegen "Fridays for Future"-Protesten - Münchner Gymnasium will Eltern mit Bußgeld belegen

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