+
EVP-Fraktionsvorsitzender Manfred Weber.

Umstrittene Aussage

Griechenland ohne IWF weiter unterstützen? CSU-Mann erntet heftige Kritik 

Brüssel - Der CSU-Europapolitiker Manfred Weber hat in den eigenen Reihen massive Kritik ausgelöst mit dem Vorstoß, die Finanzhilfen für Griechenland auch ohne den IWF fortzusetzen.

"Europa kann jetzt auf eigenen Füßen stehen", sagte Weber der Süddeutschen Zeitung vom Donnerstag. Damit brach der EU-Abgeordnete mit dem bisherigen Kurs der Union in der Frage.

Die Euro-Partner hatten sich mit dem hoch verschuldeten Griechenland Mitte 2015 auf ein drittes Hilfsprogramm von bis zu 86 Milliarden Euro geeinigt. Der IWF hatte sich an den ersten beiden Programmen beteiligt. Bislang zögert der Währungsfonds aber mit seiner erneuten Zusage, weil er die griechische Schuldenlast nicht für langfristig tragbar hält und deutlichere Schuldenerleichterungen fordert.

Die Union besteht bisher auf einer Beteiligung des IWF, lehnte einen Schuldenerlass für Griechenland aber ab. Weber sagte nun: "Wenn der IWF auf einem Schuldenschnitt besteht, sollte man ihn ziehen lassen." Der CSU-Politiker gilt als einflussreich in der Union. Er ist Vorsitzender der konservativen EVP-Fraktion im Europäischen Parlament.

Söder nennt Äußerungen „unglücklich“

Mit seinem Vorstoß sorgte er in den eigenen Reihen aber für Unruhe - Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) nannte Webers Äußerungen "unglücklich". "Ohne eine Beteiligung des IWF kann es keine weiteren Hilfen für Griechenland geben", sagte Söder dem "Münchner Merkur" (Freitagsausgabe). "Ohne den IWF wird es für Deutschland teurer werden. Eine Entlassung des IWF aus der Verantwortung würde zudem unsere Glaubwürdigkeit bei den Bürgern massiv beschädigen."

Viele Abgeordnete der Union hatten 2015 ihre Zustimmung zum laufenden dritten Programm wegen Bedenken gegen die Rettungsversuche von der Zusage der Bundesregierung abhängig gemacht, dass der IWF sich im Verlauf des Programms beteiligen werde. "Der Internationale Währungsfonds muss an Bord bleiben", bekräftigte Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) nun im "Focus". "Sonst können wir keine weiteren Hilfen genehmigen."

Weitere führende Unionspolitiker sprachen sich ebenfalls gegen das Szenario aus, die Milliardenhilfen für Griechenland ohne den Internationalen Währungsfonds fortzusetzen. "Weder in der Fraktion noch im Bundesfinanzministerium hat sich die Haltung geändert", sagte der haushaltspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Eckhard Rehberg (CDU), dem "Handelsblatt". "Für uns ist der Bundestagsbeschluss zum Griechenland-Programm bindend." Darin sei eindeutig festgelegt, dass die Beteiligung des IWF für die Eurogruppe unabdingbar sei.

IWF soll an Bord bleiben

"Für uns war und ist wichtig, dass der IWF an Bord bleibt", erklärte Unionsfraktionsvize Ralph Brinkhaus (CDU). "Sollte er sich nicht mehr beteiligen, würde das dem jetzigen Programm die Grundlage entziehen und der Bundestag müsste sich neu mit dem Thema befassen." Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte bereits deutlich gemacht, dass er das laufende Hilfsprogramm für beendet betrachtet, wenn der Währungsfonds seine Beteiligung verweigert.

"In der Union herrscht Kakophonie, wie es mit Hilfspaketen für Griechenland weitergehen soll", kritisierte die Grünen-Politikerin Franziska Brantner. "Wer den IWF auch weiterhin mit an Bord haben will, muss dann konsequenterweise auch einen Schuldenschnitt für Griechenland befürworten."

AFP

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Krawalle bei Demonstration in Athen
Jedes Jahr gedenken die Griechen an den Widerstand ihrer Jugend gegen eine Diktatur vor mehr als 40 Jahren. Alles verläuft friedlich - bis sich der schwarze Block von …
Krawalle bei Demonstration in Athen
Einigung bis Sonntagabend, oder Jamaika-Sondierung ist gescheitert
Die Entscheidung über eine Jamaika-Koalition fällt an diesem Wochenende. Sollte bis Sonntagabend keine Einigung zwischen CDU, CSU, FDP und Grünen, bedeutet das das Ende …
Einigung bis Sonntagabend, oder Jamaika-Sondierung ist gescheitert
CSU machte vor zehn Jahren fatalen Fehler - und dieser könnte sich jetzt wiederholen
Der Machtkampf in der CSU sollte ruhen, solange Seehofer über Jamaika sondiert - doch seine Rivalen geben keine Ruhe. CSU-Vize Weber warnt davor, einen Fehler zu …
CSU machte vor zehn Jahren fatalen Fehler - und dieser könnte sich jetzt wiederholen
Tauber: Bei diesen Themen „noch mal hart miteinander ins Gericht gehen“
Die Jamaika-Sondierungsgespräche gehen am Freitag in eine weitere Runde. Einzelgespräche sollen helfen, um bis Sonntag fertig zu werden. Im News-Ticker bekommen Sie alle …
Tauber: Bei diesen Themen „noch mal hart miteinander ins Gericht gehen“

Kommentare