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Griechenlands Premierminister Alexis Tsipras legt am 16. August 2016 einen Kranz für die zivilen Opfer im griechischen Kommeno nieder.

Wegen Nazi-Gräueln

Wird Deutschland bald von Griechenland verklagt?

Kommeno - Ministerpräsident Tsipras erneuert die Entschädigungsforderung an Deutschland - zur Not will er sogar vor Gericht ziehen. Eine "nationale Strategie" gäbe es schon mal.

Jetzt macht Griechenland also ernst. Seit einiger Zeit schon fordert Griechenland Entschädigungszahlungen von Deutschland für die verübten Kriegsverbrechen und -schäden während des zweiten Weltkriegs. Man werde bis zum Schluss dafür kämpfen, so Tsipras am Dienstag.

Bei einer Gedenkveranstaltung zu Ehren der 317 zivilen Opfer eines Wehrmachtsmassakers in der griechischen Ortschaft Kommeno am 16. August 1943 sagte Ministerpräsident Alexis Tsipras am Dienstag, er werde zur Erfüllung der Forderungen "alles Notwendige" unternehmen - "auf diplomatischer und falls nötig auf gerichtlicher Ebene". Erstmals gebe es dafür eine "nationale Strategie", fügte Tsipras hinzu.

Knapp 270 Milliarden Euro für Griechenland?

Der Regierungschef erinnerte in diesem Zusammenhang an den Bericht einer im vergangenen Jahr gebildeten Parlamentskommission zu den Reparationsforderungen, der dem Parlament Ende Juli übergeben worden war. Darin wird die Höhe der fälligen Reparationsforderungen auf 269,5 Milliarden Euro beziffert.

Während der Besatzung Hitler-Deutschlands von April 1941 bis September 1944 verloren rund 300.000 griechische Staatsangehörige ihr Leben. Die Nazis verübten zahlreiche Massaker wie in Kommeno, etwa in Lyngiades, Distomo, Kalavryta, Kandanos oder Viannos. Außerdem nahm die Besatzungsmacht 1942 bei der griechischen Zentralbank einen Zwangskredit auf, der damals auf knapp 500 Millionen Reichsmark beziffert wurde und heute mit Zinsen einige Milliarden Euro wert wäre.

Deutschland weist die Forderungen zurück

Deutschland hat die griechischen Forderungen stets abgewiesen. Zur Begründung hieß es unter anderem, der Zwangskredit falle unter das Londoner Schuldenabkommen von 1953, das Deutschland von allen Reparationen und Kompensationen freispricht. Dagegen verweist Athen darauf, dass der Besatzungskredit und die Forderung nach Reparationen zu trennen seien. In deutschen Politikerkreisen gibt es allerdings auch vereinzelten Zuspruch für Griechenlands Forderungen.

Wie Die Welt berichtet, könnte es sich gar umgekehrt verhalten. Rein rechnerisch habe Griechenland aufgrund von Zins und Zinseszins, je nachdem wie sehr man ins Detail gehen möchte, eine knappe bis dutzende Millionen Euro Schulden bei Deutschland. Vor allem, wenn man die verschiedenen Rettungspakete für Griechenland dazu rechnen würde. 

AFP/dpa/mt

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