Interne Gespräche geben Einblick

Schicksalsnacht: Darum stehen Merkel, Seehofer und Schulz unter massivem Druck

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In der Nacht zum Freitag enden die Sondierungen zwischen Union und SPD. Dass es für die drei Parteichefs dabei um mehr geht, ist nicht erst seit den nach außen gedrungenen Gesprächen zwischen Merkel, Seehofer und Schulz klar.

Die Bundestagswahl im September hat in Deutschland ein politisches Beben verursacht, dessen Nachwirkungen noch heute zu spüren sind. Schon am Freitag könnte der politische Globus der Bundesrepublik erneut erschüttert werden und eine neue Zeitrechnung anbrechen. Für den Fall, dass die Sondierungsparteien zu keiner Lösung kommen. Die Gespräche sollen in der Nacht enden.

Denn nicht nur CDU-Parteichefin Merkel ist angezählt. Auch ihren Chef-Kollegen Horst Seehofer (CSU) und Martin Schulz (SPD) könnte ein trauriges Aus in der Politik drohen. (News-Ticker zu den Sondierungen)

Es sind zwei kurze Sätze, die in Deutschland in den vergangenen Wochen Schlagzeilen gemacht haben, und die zeigen, wie es in diesem Trio rumort. Nach den gescheiterten Jamaika-Verhandlungen war es Merkel, der laut Bild schnell klar war, dass der Rückzug der FDP ihr galt: „Die wollen mich weghaben“, soll die CDU-Chefin in kleiner Runde gesagt haben. Wenig später spekulierte die FDP-Prominenz tatsächlich über eine Koalition mit der CDU - aber ohne Merkel.

GroKo-Sondierungen: Merkel, Seehofer und Schulz steht Schicksalsnacht bevor

Erst in der vergangenen Woche enthüllte die Bild einen weiteren Satz, der tief blicken lässt. Diesmal in das Innenleben des SPD-Vorsitzenden. Bei einem Gespräch zwischen Schulz, Merkel und Seehofer sagte Erstgenannter demnach: „Wenn das (die GroKo; Anm. d. Red.) schiefgeht, ist meine politische Karriere zu Ende.“ CSU-Chef Horst Seehofer habe daraufhin erwidert: „Nicht nur deine." Bestätigt ist das nicht, zu glauben wäre es aber.

Martin Schulz:

Man benötigt nicht viel Fantasie um zu erkennen, dass Schulz unter Druck steht.

Nach seinem rasanten Aufstieg zum SPD-Parteichef mit 100-prozentiger Zustimmung und Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl hat sich Schulz nun gleich mehrfach vergaloppiert. Nach den verlorenen Wahlen legte er sich allzu rasch auf eine Oppositionsrolle der SPD fest, ehe er die Rolle rückwärts machte und doch Bereitschaft zeigte mitzuregieren. Klar wollte Schulz „ergebnisoffen“ in die Sondierungen gehen, ein Scheitern der GroKo-Verhandlungen, würde aber wohl Schulz' letzte Option aufbrauchen. Denn eine Minderheitsregierung wird die Union wohl nicht mitmachen. Bei Neuwahlen dürfte wohl nicht Schulz erneut an der Spitze die Wahlschlappe aus dem September ausmerzen.

GroKo-Sondierungen: Deutsche glauben laut Umfrage an verfrühtes Regierungsende Merkels

Und selbst, wenn er die Sondierungen erfolgreich abschließt: Schulz muss das Papier noch durch den SPD-Parteitag und später durch die Mitgliederbefragung bringen. Vor allem die Jusos machen ihm das Leben bei einer Einigung auf eine große Koalition schwer. Schon jetzt werben sie allerorts mit #NoGroKo.

Hinzu kommt, dass sich Schulz im Umfragetief befindet, ja sogar zum Verlierer des Jahres 2017 gewählt wurde. Seine Ausgangslage ist denkbar schlecht. Schwer vorstellbar, dass er das Scheitern der Sondierungen politisch überleben würde.

Angela Merkel:

Laut einer neuen Umfrage glaubt nun auch die Mehrheit der Deutschen an einen vorzeitigen Merkel-Abschied. In Kanzleramtschef Peter Altmaier und Thomas de Maizière stünden demnach schon die passenden Nachfolger parat. Doch auch dem aufstrebenden Jens Spahn werden Chancen eingeräumt.

Scheitert die GroKo, scheitert wohl auch Merkel. Auch wenn echte Alternativen zu ihr in der CDU fehlen. Zwar hat Merkel angekündigt, im Falle von Neuwahlen wieder antreten zu wollen, doch das darf eher als notwendige Aussage angesehen werden, um die eigene Position nicht schon im Vorfeld der Verhandlungen zu schwächen.

GroKo-Sondierungen: Seehofer wäre ein Parteichef ohne Mandat

Laut Bild ist eine Minderheitsregierung mit ihr nicht zu machen. Getriebene von wechselnden Mehrheiten im Parlament zu sein, sei nicht ihre Vorstellung einer stabilen Regierung, heißt es in ihrem Umkreis. Es würde Deutschlands Position in Europa wohl zudem erheblich Schaden zufügen.

Horst Seehofer:

Der CSU-Chef hat sich im Machtkampf mit Markus Söder über Jahre und speziell seit September aufgerieben. Er hat ihn nun verloren und gibt sein Amt des Ministerpräsidenten Anfang 2018 ab. Seehofer lehnt sich für die GroKo sehr weit aus dem Fenster, will sie unbedingt. Auch weil es seine letzte Chance auf ein Spitzenamt in Berlin ist?

Doch nicht nur das. Ohne GroKo wäre er ein Parteichef ohne Amt – und ohne Mandat. Denn auch seinen Stimmkreis für den Bayerischen Landtag wird er in diesem Jahr aufgeben.

Dazu haben die miesen Umfragewerte dem Christsozialen geschadet. Der Bayerntrend ließ Seehofer in der Beliebtheitsskala der Bürger abstürzen, die CSU befindet sich im 20-Jahrestief.

Ein zähes Ringen, an dessen Ende so manche Politikkarriere scheitern könnte.

Bis spätestens Freitagnacht soll klar sein, ob die Parteispitzen ihren Gremien Koalitionsverhandlungen empfehlen. Bis dahin gilt: Bei allen persönlichen Schicksalen werden die Forderungen und Vorstellungen der Parteien im Vordergrund stehen. Es wird ein zähes Ringen, an dessen Ende so manche Politikkarriere scheitern könnte.

Rubriklistenbild: © dpa

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