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Vor dem Karrieresprung? Die CSU-Politiker und Emmi Zeulner und Thomas Silberhorn.

Vor Karrieresprung?

GroKo: Welche CSU-Politiker sind im Kommen?

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Berlin - Im Schatten der Kabinettsbildung hoffen mehrere Bayern auf die Beförderung. Diese Politiker von CSU und SPD werden für Höheres gehandelt:

Das Schaumsüppchen war noch nicht gereicht, erst recht nicht die gebratene Gans, da sahen die Abgeordneten schon: Einer wird dieser Abend besonders schmecken. Am Kanzlerintisch der großen Weihnachtsfeier in der Unionsfraktion, zwei Stühle von Angela Merkel entfernt, war ein neues Namensschild platziert, das kaum einer kannte: Nadine Schön. Gut informierte Gäste fragten: Wer? Besser informierte Gäste fragten: Wieso die?

Die Antwort folgte anderntags. Schön, 30 Jahre jung und Bundestagsabgeordnete aus dem Saarland, erlebt eine Raketen-Beförderung. Die völlig unbekannte Hinterbänklerin wird zur Vizechefin der Unionsfraktion gemacht, 311 Abgeordneten vorgesetzt. Als eine der Stellvertreterinnen von Fraktionschef Volker Kauder soll Schön künftig die Familien- und Jugendpolitik koordinieren. Am Kanzlerintisch durfte die Diplom-Juristin in die neue Machtnähe reinschnuppern. Die erheblich angegraute CDU-Mannschaft hatte gezielt nach einem jungen Gesicht gesucht.

Der steile Aufstieg ist ein Beispiel für mehrere interessante Personalien. Sie werden in diesen Tagen im Schatten der Kabinettsbildung verhandelt – teilweise mit spitzen Ellbogen. Alle Fraktionen fechten intern aus, wer hohe Posten in Ausschüssen und Fachgremien bekommt. Die haben alle keine wohlklingenden Titel wie Minister oder Staatssekretär, sind aber oft die Führungsreserve für die nächste Wahl.

Auf einen vergleichbaren Schön-Sprung hoffen auch einige Bayern. In der CSU werden Thomas Silberhorn und Georg Nüßlein als Vizes für die Unionsfraktion gehandelt. Die meiste Neugier unter den Neulingen im Parlament zog Emmi Zeulner (26) auf sich: Die bescheiden und herzlich auftretende Krankenschwester ist Guttenberg-Nachfolgerin im Stimmkreis. Sie dürfte Vizechefin der Jungen Gruppe werden, wo alle Unionsleute unter 35 netzwerken.

Schwerer tun sich die Bayern in der SPD. Die Abgeordneten kürten neun Stellvertreter von Neu-Chef Thomas Oppermann – darunter keinen einzigen Bayern. Der Verteidigungsausschuss, für die Wirtschaft im Freistaat ein eminent wichtiges Politikfeld, ist nach dem Ausscheiden von Susanne Kastner auch nicht mehr bayerisch geführt. Eine der letzten Hoffnungen: Mit dem Franken Martin Burkert vielleicht auf die Spitze des Verkehrsausschusses im Parlament zu kommen.

Senkrechtstarter: Grüner Janecek

Einen Senkrechtstart bei den Grünen legt indes Landeschef Dieter Janecek hin. Der Neuling wurde auf Anhieb zum wirtschaftspolitischen Sprecher der Fraktion gewählt, eines der ganz großen Politikfelder, auf denen die Opposition laut sein will. „Ich will das Thema ökologischen Wandel der Wirtschaft vorantreiben“, sagt Janecek. „Das bundesweit federführend zu machen, ist spannend.“ Gleichzeitig gelang ihm der Sprung in den begehrten neuen Internet-Ausschuss, obwohl die Grünen dort nur zwei Plätze haben.

Für Aufsehen bis hin zur New York Times sorgt ein bayerischer Nicht-Politiker: Merkel persönlich hat den Franken Klaus-Dieter Fritsche als Staatssekretär zu sich ins Kanzleramt geholt. Der 60-Jährige, früher Büroleiter des bayerischen Innenministers Beckstein, soll die Geheimdienste besser beaufsichtigen – Konsequenz aus der Schnüffel-Affäre um die NSA. Fritsche, gebürtiger Bamberger, ist durchsetzungsstark. Und offenbar zäh. Die SPD hatte 2012 nach einem kernigen Auftritt des Beamten in einem Untersuchungsausschuss noch wütend geurteilt, in diesen Mann könne man „kein Vertrauen mehr haben".

Von Christian Deutschländer

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