+
86 Prozent der erwachsenen Bundesbürger halten den Mindestlohn für richtig. Foto: Ralf Hirschberger/Archiv

Große Mehrheit für Mindestlohn sogar bei Preissteigerungen

Berlin (dpa) - Eine große Mehrheit der Bürger in Deutschland ist für den gesetzlichen Mindestlohn - selbst wenn dieser zu Preissteigerungen führt. Das geht aus einer Umfrage von infratest dimap im Auftrag des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hervor.

86 Prozent der erwachsenen Bundesbürger halten die Einführung der gesetzlichen Lohnuntergrenze in Höhe von 8,50 Euro für richtig. 94 Prozent der Befragten, die den Mindestlohn befürworten, würden sich auch bei teurer werdenden Waren und Dienstleistungen immer noch für eine gesetzliche Lohnuntergrenze aussprechen.

Die Zustimmung ist bei den SPD-, Grünen- und Linken-Anhängern am größten. Vier von fünf Anhängern von CDU und CSU (79 Prozent) finden den gesetzlichen Mindestlohn richtig. Unter den FDP-Anhängern unterstützen 63 Prozent die gesetzliche Lohnuntergrenze.

3 Prozent gaben an, sie seien persönlich betroffen von Versuchen von Arbeitgebern, den Mindestlohn zu umgehen. 15 Prozent sagen, sie seien nicht betroffen, wüssten aber von Betroffenen. 81 Prozent kennen den eigenen Angaben zufolge keine Betroffenen und sind dies auch selbst nicht.

SPD-Fraktionsvize Carola Reimann sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Unsere Befürchtungen waren berechtigt, dass es zu Umgehungen kommt. Wir müssen in den kommenden Monaten differenziert und genau hinsehen, ob die gegenwärtigen Kontrollen überall reichen." Die Ergebnisse zu den Umgehungen zeigten, "dass die Forderungen der Union nach einer Aussetzung von Kontrollen in die völlig falsche Richtung zielen".

DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell sagte der Zeitung: "Die Bürger lassen sich offensichtlich nicht davon irritieren, dass Teile der Wirtschaft und der CDU/CSU die Bürokratie-Keule aus der Ecke geholt haben und versuchen, völlig normale Vorgänge - wie die Dokumentation von Arbeitszeiten - zu diskreditieren."

Teile der Union und der Wirtschaft verlangen seit Wochen eine möglichst schnelle Entbürokratisierung der Regelungen. Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD), ihre Partei und die Gewerkschaften pochen darauf, dass die am 1. Januar eingeführte Lohnuntergrenze nicht verwässert werden dürfe. Nun will die Koalition bis Ostern eine Bestandsaufnahme praktischer Probleme machen.

Informationen der Bundesregierung zum Mindestlohn

BDA-Positionen

Nahles am 2.2. zum MiLohn

Tarifautonomiestärkungsgesetz - Mindestlohn

DGB-Umfrage

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Trump verurteilt Nordkoreas Raketentest als „Respektlosigkeit“
US-Präsident Donald Trump hat den jüngsten Raketentest von Nordkorea scharf kritisiert und vor militärischen Optionen gewarnt. 
Trump verurteilt Nordkoreas Raketentest als „Respektlosigkeit“
NSU-Prozess: Neues Gutachten über Beate Zschäpe wird vorgelegt
Nach der Kritik an seiner bisherigen Einschätzung wird der psychiatrische Gutachter im NSU-Prozess erneut vernommen. 
NSU-Prozess: Neues Gutachten über Beate Zschäpe wird vorgelegt
Nach Anschlag in Manchester: Polizei weitet Ermittlungen aus
Die Ermittlungen nach dem Terror in Manchester gehen zügig voran. Die Polizei in Großbritannien nimmt einen Verdächtigen im Süden fest und durchsucht drei weitere Häuser …
Nach Anschlag in Manchester: Polizei weitet Ermittlungen aus
Warum Merkel Trump jetzt die Stirn bietet
Es ist keine Abkehr der Kanzlerin von den USA. Dafür ist Angela Merkel die Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten viel zu wichtig. Aber sie löst sich von dem neuen …
Warum Merkel Trump jetzt die Stirn bietet

Kommentare