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Von der Vorsitzenden zur Referatsleiterin: Theresa Schopper arbeitet jetzt in Stuttgart für Winfried Kretschmann.

Theresa Schopper (Grüne)

Der große Schritt in die zweite Reihe

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München - Sie war Parteivorsitzende und Abgeordnete. Jetzt rückt Theresa Schopper in den Beamtenapparat. Freiwillig. Denn in Stuttgart darf die Münchnerin das tun, was sie schon immer wollte: regieren.

So gehört sich das für eine Grüne. Mit dem Zug ist Theresa Schopper gestern in ihr neues Leben aufgebrochen. Sie fuhr bis zum so umstrittenen Stuttgarter Hauptbahnhof, nahm die Tram nach Sillenbuch, wo sie eine kleine Wohnung gefunden hat. Und heute Morgen geht es ins Staatsministerium, die Zentrale der schwäbischen Macht. Dort wird die 52-Jährige künftig das Grundsatzreferat leiten. Als „Arbeitsmigrantin“, wie sie es lachend nennt.

Die zweite Karriere der Theresa Schopper ist aus vielerlei Gründen bemerkenswert. Zunächst einmal ganz menschlich. Denn viele jener Abgeordneten, die im Herbst unerwartet aus dem bayerischen Parlament gekegelt wurden, tun sich schwer, eine geeignete Anschlussverwendung zu finden. Etliche sind noch auf der Suche. Schopper dagegen konnte auswählen. Das Angebot, Nachfolgerin von Steffi Lemke als politische Bundesgeschäftsführerin ihrer Partei zu werden, schlug sie aus. Zur Einordnung: Lemke war nach Wahlen immer diejenige, die die Grünen in den Elefantenrunden im Fernsehen vertrat. Vor Millionenpublikum!

In der eitlen Kaste der Berufspolitiker hat Theresa Schopper schon immer eine eher unauffällige Rolle vorgezogen. Das verschaffte ihr über die Parteigrenzen hinweg Anerkennung, im vergangenen Jahr aber auch einen Karriereknick. Noch vor zwei Jahren hatte sie erwogen, in München als Oberbürgermeisterin zu kandidieren. Dann zog sie zurück und entschied sich für eine Landtagskandidatur in ihrer schwäbischen Heimat. In der Partei schütteln sie immer noch den Kopf, weil die Landesvorsitzende den sicheren Münchner Stimmkreis aufgab und die Provinz vorzog. Einen der kleinsten Stimmkreise (das ist im bayerischen Wahlsystem wichtig) mit einem der schwächsten grünen Ergebnisse. Als ihr der schwäbische Bezirksverband dann auch noch die Spitzenkandidatur auf der Liste verwehrte, wusste Schopper schon bei der Aufstellungsversammlung: „Das war’s.“

Umso aufgeräumter sitzt Schopper am Freitagmittag in einem Kaffee am Münchner Viktualienmarkt. Der Schock ist überwunden. Sie freut sich jetzt aufs Regieren. Endlich mal keine Konzepte schreiben, die hinterher entweder von der CSU kopiert werden oder gänzlich im Mülleimer landen. Ab Montag ist sie Teil des spannendsten Projektes, das die Grünen zu bieten haben. „Einen Ministerpräsidenten bringen wir wahrscheinlich nicht mehr so schnell z’amm“, sagt Schopper und lacht.

2016 wird in Baden-Württemberg wieder gewählt. In Umfragen liegen die Grünen noch immer vor der SPD – es ist also nicht gänzlich ausgeschlossen, dass der beliebte Winfried Kretschmann im Amt bleibt. Ihren neuen Chef kennt Schopper schon seit Mitte der 1990er-Jahre, damals saß man gemeinsam im Parteirat. Nun wird die Diplomsoziologin ihn bei großen Entscheidungen beraten, die wichtigen Reden schreiben und den Kontakt nach Berlin halten. Auch die wiederentdeckte Südschiene nach München könnte sie durch einen direkteren Draht zu den Bayern verstärken.

Vor Weihnachten war Schopper bereits für zwei Wochen im neuen Büro. Amtsübergabe. Schon immer bekleideten Alphatiere den Posten – der spätere Stuttgarter Oberbürgermeister Manfred Rommel und Gerhard Mayer-Vorfelder, der Landesminister und DFB-Präsident wurde. Sie habe großen Respekt vor der Aufgabe, gibt Schopper zu. Es klingt nicht nach Floskel. Vor allem die Befindlichkeiten müsse sie erst verstehen lernen. Schließlich verstehen sich Baden und Schwaben mindestens so gut wie Oberbayern und Franken.

Unter der Woche will sich Schopper nun voll ins Zeug legen. Freitagabends geht dann der Zug nach München. Denn die Wochenenden sind frei im Ministerium. „Für eine Politikerin ist das eine völlig neue Erfahrung.“ Geht gut los, das neue Leben.

Mike Schier

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