+
Kurz und Kerry - Der amerikanische Außenminister und John Kerry und sein österreichischer Kollege Sebastian Kurz. In Wien kommen die Außenminister und Vertreter der UN-Vetomächte sowie etlicher regionaler und internationaler Akteure zusammen um über die andauernde Gewalt in Syrien zu beraten.

Wie kann der Krieg beendet werden?

Große Syrien-Runde tagt in Wien

Wien - Seit etwa viereinhalb Jahren tobt in Syrien der Bürgerkrieg. Vor einem Treffen in Wien keimt vorsichtiger Optimismus auf. Kann die Tagung einen Lösungsansatz aufzeigen?

Angesichts der andauernden Gewalt in Syrien tagen am Freitag Außenminister und Vertreter der UN-Vetomächte sowie etlicher regionaler und internationaler Akteure in Wien. Fast 20 Spitzendiplomaten werden zu den Verhandlungen erwartet. Neben den USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien werden unter anderem die Türkei, Saudi-Arabien und Ägypten vertreten sein. Erstmals wird auch der Iran an umfassenden Gesprächen zum Syrien-Konflikt beteiligt. Experten werten zudem die Teilnahme des Oman als wichtiges Signal, dem Land kommt demnach eine bedeutende Vermittlerrolle beim Versuch zu, den Bürgerkrieg in Syrien einzudämmen oder zu beenden.

In Syrien tobt seit etwa viereinhalb Jahren ein blutiger Konflikt zwischen dem Regime von Präsident Baschar al-Assad und aufständischen Gruppen. Die Kämpfe forderten mindestens 250 000 Tote. Etwa 4,2 Millionen Syrer sind bislang ins Ausland geflohen. In Deutschland stellen Syrer die größte Gruppe unter den ankommenden Flüchtlingen.

Nach Aussage der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini soll das Treffen einen politischen Wandel in Syrien anstoßen. Es sei bereits ein bedeutender Kompromiss und Erfolg, dass alle regional und international relevanten Akteure zusammenkämen, sagte Mogherini am Donnerstagabend nach einem Treffen mit dem iranischen Außenminister Mohammed Dschawad Sarif in der österreichischen Hauptstadt.

Auch aus Moskau und Berlin kamen positive Signale. „Endlich ist es gelungen, alle wichtigen Akteure ohne Ausnahme (...) um einen Verhandlungstisch zu versammeln“, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow am Donnerstag.

Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) sah nach einem Treffen mit Präsident Wladimir Putin auf russischer Seite Bereitschaft für eine politische Lösung. Putin habe deutlich gemacht, dass er an einem dauerhaften militärischen Engagement in der Region kein Interesse habe, sagte Gabriel nach einem Gespräch mit dem Kremlchef in dessen Residenz bei Moskau.

„Wir dürfen nicht erwarten, dass sich über Nacht all die Probleme und handfesten Interessengegensätze auflösen lassen. Dazu braucht es viel mehr als ein Wiener Treffen. Aber es wäre ein wichtiger Schritt vorwärts, einen Einstieg in weitere Gespräche und Verhandlungen zu schaffen“, sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Freitag).

Bei einem Besuch von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in Peking versicherte Chinas Regierungschef Li Keqiang, sein Land wolle zur Lösung der Syrienkrise einen konstruktiven Beitrag leisten. Auch die Vereinten Nationen seien dabei „ein guter Weg“. Er versprach mehr humanitäre Hilfe für die Länder in der Region, die viele Flüchtlinge versorgen müssen.

Die Kanzlerin begrüßte, „dass es jetzt Anzeichen für Gesprächsformate gibt“. Vorbild könnten die Verhandlungen über den Atomkompromiss mit dem Iran sein, bei dem China eine konstruktive Rolle gespielt hat. China verfolgt im Nahen Osten starke Energieinteressen und fürchtet eine Destabilisierung in der Region durch Syrien und die Ausbreitung der Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

UNHCR zu Lage der syrischen Flüchtlinge (Englisch)

Auswärtiges Amt zu Syrien

Auswärtiges Amt zu Syrern in Not

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

"Gegen Hass und Rassismus im Bundestag": Demo in Berlin
Das Ziel der Veranstalter schien äußerst ehrgeizig, dann aber übertrifft die Beteiligung an ihrer Demonstration sogar ihre Erwartungen. Der Einzug der AfD in den …
"Gegen Hass und Rassismus im Bundestag": Demo in Berlin
Trump hat keine Einwände gegen deutsche Geschäfte mit dem Iran
Trotz seines Konfrontationskurses in der Iran-Politik hat US-Präsident Donald Trump keine Einwände gegen die wachsenden Iran-Geschäfte der deutschen Wirtschaft.
Trump hat keine Einwände gegen deutsche Geschäfte mit dem Iran
Tausende demonstrieren nach Journalisten-Mord auf Malta
Malta ist vielen nur als schöne Urlaubsinsel bekannt. Ein Journalisten-Mord rüttelt die Gesellschaft nun auf. Denn Korruption und mafiöse Geschäfte rücken das EU-Land …
Tausende demonstrieren nach Journalisten-Mord auf Malta
Bundesanwaltschaft zunehmend mit Terrorverfahren beschäftigt
Verfahren wegen Terrorismusvorwürfen lasten die Bundesanwaltschaft einem Medienbericht zufolge immer mehr aus. Der Trend ist nicht neu. "In all unseren Geschäftsfeldern …
Bundesanwaltschaft zunehmend mit Terrorverfahren beschäftigt

Kommentare