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AKW-Zoff: Grüne im Stresstest? Partei-Altmeister vermutet bereits „organisierte Kampagne“ für Söder

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Von: Franziska Schwarz

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Die Grünen scheinen in der Energiekrise ihre Atomkraft-Standpunkte aufzuweichen. Für Jürgen Trittin sind die Anstifter dafür klar: FDP und Union.

München - Das Wort „Streckbetrieb“ ist für Jürgen Trittin offenbar ein rotes Tuch. Etwa, wenn es in der Energie-Krise in Deutschland um das Atomkraftwerk Isar 2 in Niederbayern geht, einen der drei noch aktiven Atommeiler. Die Münchner Grünen wollen ihn länger laufen lassen. Er rate dazu, dass „dieses bayerische Problem in Bayern gelöst wird“, sagte der Ex-Grünen-Umweltminister dem Spiegel.

Doch es ist nicht so, als stünden die Grünen-Lokalpolitiker allein auf weiter Flur. Trittins Parteifreundin und Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckart hatte sich im ARD-Talk „Anne Will“ für einen Streckbetrieb von Isar 2 zumindest offen gezeigt. Auch Robert Habeck als Wirtschaftsminister, Vizekanzler und Aushängeschild der Grünen zeigt sich angesichts eines aktuellen „Sonderszenarios“ kompromissbereit.

Dann gibt es auch noch Druck in der Bundesregierung: Die FDP, Partner in der Ampel-Koalition, wie auch die Union plädieren mit weniger Schmerz für längere AKW-Laufzeiten. Doch bei der früheren Anti-Atomkraft-Partei der Grünen zeigen sich in der Laufzeiten-Debatte nun eben auch Risse.

Was bedeutet „Streckbetrieb“?

Die Betreiber lassen ein AKW länger am Netz, verzichten aber auf neue Brennelemente. Das geht allerdings nur, indem sie eine verminderte Produktivität in Kauf nehmen: Der Reaktor verliert in diesem Prozess laufend 0,5 Prozent seiner Leistung pro Tag.

Streit um AKW-Laufzeiten: Habeck macht den Stresstest

Abhilfe könnte ein Schwung neuer Erkenntnisse liefern. Habecks Ministerium will ein mögliches „Sonderszenario“ mit einem „Stresstest“ ermitteln: prüfen, ob die Versorgungssicherheit selbst unter schwierigen Bedingungen gewährleistet ist. Im Frühjahr war das Ergebnis noch positiv. Das zweite wird erst für die nächsten Wochen erwartet.

Bild-Montage: links Robert Habeck und Annalena Baerbock, rechts das AKW Isar II in Bayern
Im Bild: Robert Habeck und Annalena Baerbock sowie das AKW Isar II (Montage) © Michael Kappeler/Armin Weigel/dpa/Montage: merkur.de

Für Trittin jedoch ist schon vor dem Ergebnis klar: Selbst wenn sich ein Problem in Bayern zeigen sollte, werde man das ohne AKW-Laufzeitverlängerung lösen können. „Alles andere bezweifle ich, genauso wie alle seriösen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler“, betonte der Grünen-Politiker.

„Grüner Konsens“ bei Atomkraft vorbei? Trittin pocht auf Koalitionsvertrag

Auf Nachfrage ob diese Meinung „grüner Konsens“ sei, pochte Trittin auf Ampel-Schriftwerk: „Das ist die Beschlusslage dieser Koalition. Wir reden ja nicht nur über eine Veränderung des Atomgesetzes, sondern auch über eine Abänderung des Koalitionsvertrages, dem über 80 Prozent der Grünen zugestimmt haben.“

Droht jetzt die Spaltung? Die FAZ beschwichtigte in einem Kommentar und meinte, dagegen spreche, dass sich Grünen in den vergangenen Jahren bemüht hätten, „als Partei des Pragmatismus aufzutreten“. 

Trittin zur AKW-Debatte: „Organisierte Kampagne zur Wiederwahl von Söder“

In der AKW-Laufzeiten-Debatte sah Trittin einen „Schulterschuss von Union und FDP“. Diese würden sich über die aktuell hohen Umfragewerte von Habeck und Grüne-Außenministerin Annalena Baerbock ärgern, glaubte Trittin und vermutete eine „organisierte Kampagne“ zur Wiederwahl von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). 

Und in Sachen Verzicht war Trittin im Spiegel-Interview dann doch wieder bei Habeck und riet Industrie und Haushalten: „Dafür zu sorgen, dass dort Netzstabilität herrscht, heißt sparen“. Bei den hohen Verbräuchen in Bayern gehe das „locker“. In neun bayerischen Städten liege der private Stromverbrauch bei „bis zu einem Fünftel über dem Bundesschnitt“, führte Trittin aus. FDP-Chef Christian Lindner hingegen hielt zuvor Tipps wie „kürzer Duschen“ - inzwischen eng mit Habeck assoziiert - für „ulkige Hinweise“. (frs)

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