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Spiegel-Nachfolgerin gesucht: Fünf Grünen-Frauen im Gespräch - auch eine aus Bayern

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Von: Florian Naumann

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Grünen-Klausur in Husum: Omid Nouripour als Türöffner für eine neue Frau im Ampel-Kabinett?
Grünen-Klausur in Husum: Omid Nouripour als Türöffner für eine neue Frau im Ampel-Kabinett? © Frank Molter/dpa/picture-alliance

Die Grünen suchen nach Anne Spiegels Abgang eine neue Ministerin. Unerwartete Lösungen scheinen nicht ausgeschlossen - ebenso wie erneute Flügelkämpfe.

Berlin - Unter großen Turbulenzen hatten die Grünen im Dezember ihre Minister-Riege zusammengestellt - es ging um Fundis und Realos, um Geschlechterverhältnisse und wohl auch um Diversität. Und, so rügten einige Beobachter, nicht durchgängig um die größtmögliche Kompetenz. Nun muss die Partei erneut ran: Familienministerin Anne Spiegel hat nach einem Eklat um einen Urlaub im rheinland-pfälzischen Flutkatastrophen-Sommer das Handtuch geworfen.

Offen ist nun eine Frage, die in politisch weniger unruhigen Zeiten hohe Wellen schlagen würde. Wer wird Nachfolgerin in Spiegels bisherigem Ressort? Klar scheint nur: Es soll schnell gehen. Und natürlich kursieren auch erste Namen durch das politische Berlin.

Grüne Spiegel-Nachfolgerin gesucht: Neue Frau muss ins Ampel-Kabinett - Entscheidung soll schnell fallen

Grünen-Chefin Ricarda Lang kündigte am Montagmorgen eine Entscheidung in den kommenden zwei oder drei Tagen an. Sie denke nicht, „dass wir noch über Ostern hinweg uns mit dieser Frage beschäftigen werden“, sagte Lang in der ntv-Sendung „Frühstart“. Ob wieder eine Frau auf Anne Spiegel folgen wird, beantwortete die Grüne nicht direkt. Sie gab aber dennoch einen klaren Fingerzeig.

Die Partei habe festgelegt, dass Ministerposten paritätisch besetzt würden. „Bei diesem Grundsatz bleiben wir natürlich auch.“ Die Grünen haben im Bundeskabinett fünf Ministerposten: Bisher waren drei mit Frauen und zwei mit Männern besetzt. Heißt: Würde ein Mann nachfolgen, müsste in einer Kabinettsumbildung ein anderer Mann gehen - Robert Habeck oder Cem Özdemir. Eine Ablösung des Vizekanzlers und Grünen-Vordenkers Habeck ist nahezu undenkbar, die Özdemirs wäre nach dem Streit aus dem November eine massive Überraschung. Ohnehin ist das Familienministerium seit Jahrzehnten in weiblicher Hand.

Familienminister seit 1982: 13 Frauen und ein Mann - Spiegel erste Grüne im Amt:

Grünen suchen Nachfolgerin für Anne Spiegel - über fünf Frauen wird spekuliert

Die Grünen-Spitze weilt zurzeit auf Klausur in Husum. Dabei dürften Lang und ihr Co-Chef Omid Nouripour alle Hände voll mit der Personalfrage zu tun haben. Gesucht wird im Idealfall also eine Frau - und zwar eine aus dem linken Parteiflügel. Spiegel war neben Umweltministerin Steffi Lemke eine von nur zwei eher linken Vertreterinnen im Grünen-Ministerpaket.

Eine erste Option wäre wohl Fraktionschefin Katharina Dröge. Die 37-Jährige erfüllt beide Voraussetzungen. Auch Lang schloss diese Variante nicht aus. Erfahrung sei keine Frage des Alters, betonte sie.

Theoretisch ebenfalls denkbar: Ein Wechsel von Ricarda Lang höchstpersönlich ins Bundeskabinett. Über diese Lösung spekulierte unter anderem die WAZ. Allerdings hätte diese Option Folgen - die Grünen müssten ihre Parteispitze umbauen. Die Parteistatuten erlauben das gleichzeitige Amtieren als Minister/in und Parteichef/in nur für eine Übergangszeit. Aus diesem Grund hatten Habeck und Annalena Baerbock als Parteichefs den Rückzug angetreten.

Zwei andere prominente Grüne-Frauen schienen aus unterschiedlichen Gründen für den Posten prädestiniert. Allerdings könnten ihnen der „Realo“-Status den Weg ins Kabinett verbauen. Katrin Göring-Eckardt war schon im Herbst heiß gehandelt worden. Die Thüringerin mit starker Kirchenbindung ist für Grünen-Verhältnisse aber alles andere als links. Dröges Co-Fraktionschefin Britta Haßelmann steht ebenfalls seit Jahren an vorderer Front und ist gar ausgebildete Sozialarbeiterin. Dem Fundi-Flügel gehört aber auch sie nicht an.

Spekuliert wird aber auch über eine durchaus realistische „ministeriumsinterne“ Lösung: Die bayerische Grüne Ekin Deligöz ist bereits Parlamentarische Staatssekretärin im Familien-Ressort - und könnte Chancen auf mehr haben, wie die Augsburger Allgemeine spekuliert. Sie wäre dann einzige Bayerin im Kabinett. Fachkenntnis hätte die Neu-Ulmerin. Sie ist unter anderem Vizepräsidentin des Kinderschutzbundes. Interessant könnte für die Grünen auch der Migrationshintergrund Deligöz‘ sein - der Ampel-Sondierungstrupp der Partei war im Herbst als „divers wie Weißwurst“ verspottet worden. Allerdings ist auch Deligöz „Reformerin“ oder „Reala“.

Grüne-Minister: Besetzung „vom Amt ausgehend“? Womöglich geht es eher um „links“ und „rechts“

Eine schlechte Nachricht ist all das wohl für Anton Hofreiter. Der Abgeordnete aus dem Münchner Umland war überraschend bei der Ministerien-Verteilung leer ausgegangen. Eine Frage zu Hofreiter blockte Lang am Montag ab. „Ich hoffe, Sie haben Verständnis, dass ich nicht anfangen werde, Personalverhandlungen mit Namen im Fernsehen zu führen“, erklärte sie.

Lang betonte zugleich, die Partei besetze den Posten vom Amt ausgehend. Auch dieser Satz könnte Hofreiter in den Ohren geklingelt haben. Der frühere Grünen-Fraktionschef gilt (auch) als Experte für Landwirtschaftsfragen. Agrarminister wurde letztlich aber Özdemir - die Chefredakteurin der grünnennahen taz, Ulrike Winkelmann, hatte damals eine andere These parat.

Die Logik hinter der Besetzung sei gewesen, „dass ein Mann vom rechten Flügel nicht einen Mann vom linken Flügel ersetzen kann, ohne dass eine rechte Frau durch eine linke Frau ersetzt wird“, kommentierte sie die komplizierte Grünen-Arithmetik. Auch deshalb sei nach der Entscheidung für Özdemir Spiegel anstelle von Katrin Göring-Eckardt Familienministerin geworden. Nun sind die Grünen fast wieder am Ausgangspunkt der Debatte. (fn mit Material von AFP)

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