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Hofreiter bei den Grünen ausgebootet - War‘s das mit seiner Politik-Karriere?

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Von: Marcus Mäckler

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Anton Hofreiter, Bundesagsfraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, sitzt alleine auf einem Stuhl
Anton Hofreiter muss seinen Minister-Traum begraben. © Kay Nietfeld/dpa

Bei den Grünen tobte zwischen Anton Hofreiter und Cem Özdemir ein Kampf um das Landwirtschaftsministerium. Ersterer verlor, ihm droht der politische Absturz.

München – Man mag es kaum glauben, aber Anton Hofreiter weiß, was existenzielle Erfahrungen sind. Im südamerikanischen Urwald stürzte er mal fast einen Felsvorsprung hinab – ein Strauch, in dem sich sein Bein verhakt hatte, rettete sein Leben. Ein anderes Mal schreckte er einen Angreifer mit seinem Pflanzenschneider ab. Besonders wild ist die Geschichte, in der er sich tagelang mit gebrochenem Fuß durch den Dschungel schleppte, eine Grenzerfahrung. Noch heute hat er Narben am Knöchel.

Gegen all das ist die neueste Wendung im Leben des Toni Hofreiter Pipifax. Schmerzhaft ist sie trotzdem. Der 51-jährige Grünen-Politiker hatte fest damit gerechnet, als Minister im neuen Kabinett der Ampel-Koalition zu sitzen. Vieles war denkbar: das Verkehrsressort oder – für den promovierten Biologen mit Grenz- und Felderfahrung – alles von Umwelt bis Agrar. Er galt als gesetzt. Doch im internen Machtkampf zog der Sauerlacher den Kürzeren. Seit Donnerstag (25. November) ist klar, dass er leer ausgeht. Nun gut, bleibt ihm noch der Fraktionsvorsitz – dachte man.

Grüne: Hofreiter wird auch als Co-Fraktionschef der Partei abtreten

Aber die Dinge liegen anders. Hofreiter wird das Amt, das er seit 2013 innehat und in dem er zum linken Aushängeschild der Grünen wurde, abgeben. Weder er noch Co-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt träten bei der Wahl nächste Woche erneut an, heißt es aus Fraktionskreisen. Dazu passt, dass die Wirtschaftspolitikerin Katharina Dröge ihre Kandidatur für den mächtigen Posten erklärt hat. Sie wolle das Team „gerne in den nächsten Jahren leiten, als eine von zwei Fraktionsvorsitzenden“, steht in einem Schreiben, das dem Münchner Merkur vorliegt. Dröge gehört wie Hofreiter dem linken Flügel an. Heißt also: er oder sie.

Laut Spiegel ist die Sache zwischen beiden abgesprochen. Umso mehr stellt sich die Frage: Hat sich Hofreiter in der Annahme, Minister zu werden, verkalkuliert? Er halte nichts davon, die Sache noch groß zu besprechen, erklärt Hofreiter auf Anfrage. Ein Fraktionsmitglied schätzt die Sache so ein: „Es wäre ohnehin zum Wechsel gekommen.“ Nach acht Jahren sei das auch angezeigt.

Grünen-Politiker Hofreiter: Traum vom Ministeramt geplatzt – auch Trittin konnte nicht helfen

So oder so: Für Hofreiter ist all das bitter. Statt das Land an entscheidender Stelle umkrempeln zu helfen, rutscht der Bayer in die zweite Reihe der Fraktion ab. Das Ministeramt wollte er unbedingt. Als es – auf Wunsch der Parteichefs Robert Habeck und Annalena Baerbock – stattdessen auf den Realo Cem Özdemir zulief, soll Hofreiter noch ein kleines Team um seinen Förderer Jürgen Trittin losgeschickt haben, um die Sache zu drehen. Ohne Erfolg.

Seither ist das linke Lager der Grünen, vorsichtig gesagt, verärgert. Nicht wenige glauben, dass der Machtkampf wie ein dunkler Schatten auf der ersehnten Regierungsbeteiligung liegen wird. Hofreiter selbst zeigte Größe. Am Tag der Niederlage lobte er den Koalitionsvertrag und das Verhandlungsgeschick der Chefs. Seither ist er ruhig.

Auch bei alten Wegbegleitern herrscht Enttäuschung. „Er hätte das sicher gut gemacht“, sagt Susanna Tausendfreund, die grüne Bürgermeisterin von Pullach. In ihrer Zeit als Landtagsabgeordnete arbeitete Hofreiter für sie. Beide sind gut befreundet, Tausendfreund traute ihren ehemaligen Mitarbeiter standesamtlich. Der Toni, sagt sie, sei immer zielstrebig gewesen und habe stets klar seine Meinung gesagt. „Vielleicht ist er als Fraktionschef etwas diplomatischer geworden.“

Ministerposten in Ampel-Regierung – Grüne ziehen Özdemir Hofreiter vor

Aber nicht diplomatisch genug? Manche im linken Lager meinen, Hofreiter sei den beiden Realo-Parteichefs dann doch zu unangepasst, zu wenig kompromissfähig, zu provokant. In einem Interview gestand FDP-Mann Wolfgang Kubicki mal, der Bayer mache ihn so aggressiv, dass er kaum in einem Raum mit ihm sein könne. Schlechte Voraussetzungen fürs Koalieren.

Und nun? Das linke Lager werde sich beruhigen, heißt es, keiner wolle lange Kämpfe. Hofreiter könnte zum Trost einen Ausschussvorsitz übernehmen, das immerhin wäre nicht ohne Ironie. Als Özdemir Hofreiter 2019 den Fraktionsvorsitz streitig machen wollte und verlor, blieb ihm auch „nur“ der Vorsitz im Verkehrsausschuss. Das Comeback glückte. Warum sollte der Bayer das nicht auch schaffen, irgendwann? *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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