Robert Habeck am Strand - beim Wahlkampf ohne Annalena Baerbock.
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Zurück nach Westerland: Robert Habeck am Strand - beim Wahlkampf ohne Annalena Baerbock.

Weg aus der Umfrage-Delle?

Strand statt „Tüddelkram“: Habeck steht ohne Baerbock wieder ganz vorne - und erhält seltsames Lob

  • Florian Naumann
    VonFlorian Naumann
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Ist es Urlaub von der Baerbock-Debatte? Robert Habeck arbeitet im Wahlkampf auch am Strand. Von „Tüddelkram“ will er nichts hören. Und muss doch eigenwilliges Lob erdulden.

Westerhever/München - Grüne-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock ist im Urlaub - und vielleicht kommt ihrer Partei nach den letzten Wirren das ganz gelegen: Zeit, Co-Chef Robert Habeck wieder in das Rampenlicht zu rücken, das er im Mai demonstrativ verlassen hatte.

Habeck hat sich in dieser Woche selbst auf Wahlkampftour begeben. In Husum beispielsweise sind laut einem Bericht der Husumer Nachrichten 300 Menschen zum Auftritt des Norddeutschen in die Fußgängerzone gekommen. Und haben den Inhalten gelauscht, die die Grünen - zuletzt eher weniger als mehr - beharrlich in die Vordergründe rücken wollen: Klima, Energie, Gesundheit. Allerdings: So ganz ungetrübt ist der Fokus auf die harte politische Arbeit auch bei Habecks Tour nicht.

Grüne: Baerbock im Urlaub - Habeck steht wieder im Rampenlicht, aber will von „Tüddelkram“ nichts hören

Passenderweise weist eine neue Umfrage Habeck als den derzeit beliebteren Teil der Grünen-Spitze aus, als den wohlgelitteneren Kanzlerkandidaten sogar. Genau diese Debatte liegt nach verschiedenen Medienberichten bei Habecks Norddeutschland-Tour als eine Art Schatten über den Wahlkampfbemühungen: Die Frage nach „Habeck oder Baerbock“. Nicht zu vergessen: Zuletzt war sogar geraunt worden, eine einflussreiche „Gruppe“ habe mithilfe von auf Baerbock angesetzten Plagiatsjägern Habeck doch noch zum Kanzler-Anwärter der Grünen machen wollen.

Die Süddeutsche Zeitung protokollierte den Umgang Habecks mit den entsprechenden Fragen auf der Insel Amrum. Ob der Grünen-Wahlkampf fehlgestartet sei? Habeck verwies auf die „Sinuskurve“; „wenn man unten ist, kommt man wieder hoch“. Ob er den Posten Baerbocks übernehmen wolle? „Alles Tüddelkram. Da muss man nicht mehr drüber reden.“

Video: Annalena Baerbock bleibt Spitzenkandidatin

Die Bild wiederum beobachtete Habeck beim Hintergrund-Gespräch mit Journalisten: Im Schneidersitz am Strand von Westerland. Ein schönes Fotomotiv - gerade die waren dem Grünen in der Vergangenheit allerdings auch schon zum Bumerang geraten. Davon ist aktuell noch nichts zu spüren. Dafür bekommt Habeck aber Lob von den seltsamsten Stellen. Aus eher seltsamen Gründen. Und womöglich als ungenehme Ablenkung der Öffentlichkeit vom Wesentlichen: Dass Habeck im Anzug T-Shirt statt Hemd trage, sehe auch „ganz gut aus“, ließ sich ausgerechnet Armin Laschets Sohn, der bisweilen Corona-Skandal-umwitterte Modeinfluencer Joe Laschet, von der Bild zitieren.

Grüne: Habeck taucht wieder auf - mit Kritik an der Union

Dennoch: Mit einem Wechsel an der Grünen-Wahlkampfspitze ist nicht zu rechnen. Die Entscheidung, Annalena Baerbock zur Kanzlerkandidatin zu machen, sei wohlüberlegt gewesen, sagte Habeck schon zum Auftakt seiner Wahlkampftour durch Schleswig-Holstein am Montag in Klixbüll, Kreis Nordfriesland. Jetzt gehe es darum, im Team gemeinsam Erfolg zu haben.

Kaum zu übersehen ist jedenfalls, dass sich Habeck in Baerbocks Abwesenheit wieder prominenter zu Wort meldet, auch zu aktuellen politischen Lagen. So nahm er am Wochenende in einem Interview mit der Süddeutschen die Steuerpolitik der Union ins Visier; sie mache „Reiche reicher“. Und so begrüßte er im Örtchen Westerhever auf der Halbinsel Eiderstedt am Mittwoch das frisch vorgestellte EU-Klimapaket - mit einer kräftigen Schelte für SPD und Union.

Die Bundesregierung habe zwar ambitioniertere Ziele beschlossen, aber dann sei nichts nachgekommen, rügte er. „Die Bundesregierung hat also gepennt, während die EU-Kommission einen Vorschlag vorgelegt hat, wie es gehen kann.“ Sie habe durchaus ambitionierte Instrumente vorgelegt. „Insofern: Die Bundesregierung hat die Arbeit eingestellt, in Brüssel wird noch gearbeitet.“ Es sei auch richtig, dass die EU den Emissionshandel auf Mobilität und Heizen ausweiten wolle, sagte Habeck. An dieser Stelle sei aber dringend ein sozialer Ausgleich erforderlich, da die Erhöhung der Verbraucherpreise sonst erhebliche soziale Probleme auslösen würde. Einen solchen haben die Grünen in ihrem Wahlprogramm vorgesehen. (fn mit dpa)

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