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Ist der echt so gelb? Ein Maiskolben auf einem Feld. Künftig können die Regionen selbst festlegen, ob sie sich als „gentechnikfrei“ bezeichnen wollen.

Grüne Gentechnik

Gentechnik: Der große Kuhhandel ums Gemüse

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  • Carina Zimniok
    Carina Zimniok
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München - Als „Durchbruch“ feiern Politiker den Brüsseler Gentechnik-Kompromiss. Jahrelang wurde gestritten. Experten zweifeln dennoch, ob die regionalen Anbau-Verbote zu weniger Zulassungen führen werden.

Horst Seehofers Lieblingsgemüse? Nicht überliefert. Aber es gab eine Zeit, da dürfte folgendes Grünzeug gewiss nicht in der engeren Auswahl gewesen sein: Mais. Er war Bundesagrarminister, Deutschland diskutierte hitzig über grüne Gentechnik. Immer wieder hielten ihm Naturschützer überdimensionierte Maiskolben unter die Nase. „Genhofer“, schimpften sie ihn – weil Seehofer den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen nicht verbot. „Das wäre ein Verstoß gegen EU-Recht“, argumentierte Seehofer damals.

Genau dieses EU-Recht könnte jetzt kippen: Mitgliedsstaaten könnten schon bald einfacher den Anbau genmanipulierter Pflanzen verbieten. Darauf einigten sich Unterhändler der Länder und des Europaparlaments nach zähem Ringen in Brüssel. Der Kern: Künftig sollen die Länder den Anbau der gentechnisch veränderten Pflanzen auch aus politischen Gründen ablehnen können – bisher müssen sie dazu neue wissenschaftliche Erkenntnisse vorlegen, was relativ schwierig und auch juristisch nicht ganz einfach ist.

„Ein Durchbruch“, jubelte eine österreichische Abgeordnete, die mit am Verhandlungstisch saß. „Eine kleine Revolution“, sagt ein Experte aus einem bayerischen Ministerium, allerdings hinter vorgehaltener Hand – denn er sagt auch: „Durch die Regelung werden in Europa insgesamt mehr gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut werden.“ Auch die Grünen in Europa sind enttäuscht. Sie fürchten, europaweite Zulassungen würden in Zukunft leichter erteilt, da die Staaten ja hinterher nationale Verbote aussprechen könnten.

Tatsächlich war die Einigung, die noch endgültig abgesegnet werden muss, wohl ein Kuhhandel. In Europa gibt es nicht nur Länder wie Deutschland, die sich wegen drohenden Bürgerprotests gegen grüne Gentechnik positionieren – und selbst hier ziehen sich Gegner und Befürworter durch alle Parteien, selbst die CSU. Portugal und Spanien zum Beispiel bauen den berüchtigten Monsanto-Mais in großem Stil an, um ihr gewaltiges Problem mit dem Maiszünsler, einem aggressiven Schädling, in Griff zu kriegen. Auch die Regierungen in Großbritannien, Niederlande und Tschechien gelten als Gentechnik-Befürworter. Die stimmten der nationalen Verbotsmöglichkeit zu, im Gegenzug sollen die Gegner keine Zicken machen, wenn Konzerne Zulassungen für Genpflanzen beantragen.

Denn Firmen wie der US-Agrarkonzern Monsanto müssen bei der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit für jede neue Sorte eine Art Freigabe beantragen. Stellt das Amt fest, dass der gentechnisch veränderte Organismus („GVO“) weder Gesundheit von Mensch und Tier noch die Umwelt negativ beeinflusst, darf der Konzern die Sorte EU-weit verwenden. Voraussetzung: Die Kommission stimmt zu. Allerdings bildete sich in den vergangenen Jahren ein Antragsstau, es wurden kaum Sorten freigegeben – die Kommission weiß ja, dass die große Mehrheit der Bürger gegen Gentechnik in der Landwirtschaft ist. „Die haben die Sache sehr verschleppt“, sagt ein Experte.

Das soll künftig fixer gehen – die Konzerne können damit in Ländern auf den Markt gehen, die für den GVO-Einsatz sind. Das Problem, das Experten sehen: Es wird immer unübersichtlicher, in welchen Produkten gentechnisch verändertes Material steckt. Mit der bisherigen Kennzeichnungspflicht erkennt der Verbraucher nicht zuverlässig, ob Tiere zum Beispiel mit Genpflanzen gefüttert wurden, oder ob in Nahrungsergänzungsmitteln, Kosmetika oder Kleidung belastetes Material enthalten ist. Die Bundesregierung verspricht, bei der Kennzeichnung noch nachzulegen. „Verbraucher müssen frei entscheiden können“, sagt der zuständige Minister Christian Schmidt.

Im Mai 2013 hatte Monsanto übrigens angekündigt, keine weiteren Feldversuche in Europa zu planen, auch keine Anträge auf Zulassung neuer Sorten zu stellen. „Wir machen keine Lobbyarbeit mehr für den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in Europa“, sagte ein Sprecher. Man habe verstanden, „dass das im Moment nicht die breite Akzeptanz hat“. Doch mit der neuen Regelung dürften die Konzern-Strategen das nochmal überdenken.

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