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Nach Hofreiter-Eklat: Möglicher Habeck-Nachfolger kündigt schon neuen Kurs an - „Hat Vertrauen zerstört“

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Von: Florian Naumann

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Die Ära Habeck und Baerbock endet an der Grünen-Spitze. Nachfolge-Anwärter Nouripour sieht große Aufgaben - und will kein zweiter Habeck werden.

Berlin - Die Grünen bekommen noch in diesem Monat eine neue Parteispitze: die neuen Ampel-Minister Robert Habeck und Annalena Baerbock treten ab, die Statuten der Partei machen es nötig. Als Nachfolgeanwärter gelten vor dem Parteitag am letzten Januar-Wochenende Omid Nouripour und Ricarda Lang.

Nouripour hat nun schon einmal ein leicht verändertes Auftreten für den Fall seiner Wahl angekündigt. Auch sachte Kritik an den innerparteilichen Wirren der letzten Wochen ließen sich aus seinen Äußerungen in einem Interview mit den Zeitungen der Funke Mediengruppe herauslesen.

Grüne: Habeck-Nachfolgeanwärter sieht große Aufgaben - „Das hat Vertrauen zerstört“

Kernaufgabe der künftigen Parteiführung sei es, zerstörtes Vertrauen wiederherzustellen, erklärte der Hesse. Bei der Vergabe der Kabinettsposten seien Wunden entstanden, sagte er mit Blick auf den Flügel-Streit der Grünen und wohl auch die Ausbootung des Parte-Linken Anton Hofreiter aus der Kabinettsliste.

Zugleich habe es „Liveticker aus den jeweiligen Sitzungen“ gegeben, sagte Nouripour. Ein Problem, mit dem in den Koalitionsverhandlungen eher die Union Schlagzeilen gemacht hatte. „Das hat Vertrauen zerstört. Dieses Vertrauen wieder aufzubauen, ist unsere zentrale Aufgabe.“

Omid Nouripour im Bundestag - hier in einer Debatte um einen AfD-Antrag zum Thema Islam (Archivbild).
Omid Nouripour im Bundestag - hier in einer Debatte um einen AfD-Antrag zum Thema Islam (Archivbild). © Fabian Sommer/picture-alliance

Grüne im Flügel-Zoff? Nouripour möchte „Laden zusammenhalten“ - und will kein zweiter Habeck sein

Die Parteiflügel hätten „eine gewisse Berechtigung, aber sie dürfen Lösungen nicht im Wege stehen“, betonte Nouripour. Ricarda Lang und er kandidierten nicht für den linken oder den Realo-Flügel, sondern für den Parteivorsitz von Bündnis 90/Die Grünen. Die größte Herausforderung sei es, „den Laden zusammenzuhalten“. „Es ist nicht überraschend, dass es Wunden gibt, wenn man mehr gute Leute hat als Jobs zu vergeben sind“, betonte er zugleich.

Nouripour machte deutlich, dass er andere Akzente setzen will als seine Vorgänger an der Parteispitze. „Ich kann das gar nicht so machen wie Robert Habeck“, sagte er mit Blick auf den bisherigen Ko-Parteichef und jetzigen Klimaschutzminister. „Die Situation ist eine komplett andere.“ Die Grünen wollten „als Partei mit einem eigenen Profil sichtbar sein - trotz notwendiger Kompromisse innerhalb der Koalition“.

Omid Nouripour: Grüner Chef-Anwärter bekommt schon erste Konflikte zu spüren

Dass die Rolle als Regierungspartei Konflikte mit alten Verbündeten ergeben könnte, hatte Nouripour schon in den vergangenen Tagen zu spüren bekommen - beim Dauerkonfliktthema Nord Stream 2. Die „grundsätzlichen politischen Entscheidungen“ seien bereits von der Vorgängerregierung gefällt worden, sagte Nouripour vor dem Jahreswechsel der Passauer Neuen Presse - und kassierte Kritik von Umweltschützern.

Die Grünen dürften sich „nicht aus der Verantwortung stehlen“, die Pipeline könne sehr wohl noch gestoppt werden, twitterte Energie-Experte Constantin Zerger von der Deutschen Umwelthilfe unter Verweis auf das laufende Zertifizierungsverfahren und die Energieversorgungsunsicherheit für Deutschlands Nachbarn. Nouripour antwortete persönlich: Zu „versprechen, die Fehlentscheidungen der letzten Jahre alle reparieren zu können, wäre nicht lauter“, erklärte er.

Nouripour kündigte nun in den Funke-Blättern auch eine Aufarbeitung des zurückliegenden Bundestagswahlkampfs an. Dieser habe zwar „historische Ergebnisse“ gebracht, sei aber doch „hinter den Erwartungen zurückgeblieben“. Am Montag machte der Grüne dann seine Bewerbung offiziell - und attestierte gleich zwei konkrete Probleme. (AFP/fn/dpa)

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