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Neue Grünen-Gerüchte: Bis zu fünf Minister - zwei Promis auf der Kippe

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Von: Florian Naumann

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Die Grünen-Politiker Anton Hofreiter und Cem Özdemir
Anton Hofreiter und Cem Özdemir: Zwei, die gerne im neuen Ampel-Kabinett sitzen würden - mit unterschiedlich großen Chancen. © Michael Kappeler/dpa/picture-alliance

„Alles sortiert sich von oben herab“: Die Grünen haben einige Ampel-Nöte - doch intern wird das neue Personaltableau diskutiert. Eine große Rochade steht an.

Berlin - Die Grünen haben zuletzt Ampel-Alarm geschlagen: Die Partei sieht sich bei den Koalitionsverhandlungen vor allem in Sachen Klima in der Defensive - aus Baden-Württemberg ertönte deshalb erstmals das böse Wort „Neuwahlen“. So oder so droht der ambitionierte Zeitplan ins Wanken zu geraten. Am Mittwoch wollten SPD, Grüne und FDP erste Ergebnisse ihrer 22 Koalitions-Arbeitsgruppen sammeln. Intern. Ohne öffentliche Statements.

Trotzdem wird auch in Reihen der Öko-Partei schon kräftig von einer Zeit nach den Verhandlungen geträumt: Intern gibt es offenbar recht konkrete Überlegungen zur Postenverteilung - von Ministerposten bis zu den Partei- und Fraktionschefs. Mehreren Berichten zufolge rechnet man in Reihen der Grünen mit vier bis fünf Ministerposten. Das Resultat könnte nach Beachtung aller parteiinternen Wünsche eine ziemlich große Rochade sein.

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Es gelte die Regel „alles sortiert sich von oben herab“, schreibt am Mittwoch etwa die als grünen-nah geltende taz. Heißt: Die Pläne folgen einer Art Erstzugriffsrecht der Spitzen Robert Habeck und Annalena Baerbock. Den wohl kommenden Ampel-Vizekanzler Habeck bringt das Blatt weiterhin mit dem Finanzministerium in Verbindung. Sollte sich hier - was zuletzt wahrscheinlicher schien - FDP-Chef Christian Lindner durchsetzen, könne der Grünen-Chef gerüchtehalber Interesse am Innenministerium haben.

Baerbock wird ebenfalls mit zwei möglichen Ressorts in Verbindung gebracht: Neben einem neuen, großen Klimaministerium auch mit dem Auswärtigen Amt. Die letztlich gescheiterte Kanzlerkandidatin hatte sich in den vergangenen Monaten immer wieder pointiert zu außenpolitischen Themen geäußert - etwa auch zum Umgang mit China oder der umstrittenen Gaspipeline Nord Stream 2.

Grüne: Hofreiter mit „Drittzugriff“? Linker Parteiflügel fordert noch mehr

Angesichts der Parteiarithmetik könnte dann ein „Fundi“ den „dritten Zugriff auf ein Ministeramt“ haben, meint auch die taz: Fraktionschef Anton Hofreiter etwa. Der Abgeordnete aus dem Wahlkreis München Land habe mit dem Verkehrsministerium bereits eine „Präferenz“ für ein Tätigkeitsfeld. Auch Landwirtschaft oder Umwelt lägen aber in seinem Kenntnisbereich. So viel war auch bislang schon in groben Zügen bekannt. Doch die aktuellen Spekulationen reichen noch etwas weiter.

Denn mit einem Platz für Hofreiter am Kabinettstisch wären die Begehrlichkeiten noch nicht gestillt: Nach den Posten für die beiden „Realos“ Habeck und Baerbock und dem linken Mann Hofreiter müsse auch noch eine parteilinke Frau zum Zuge kommen, zitiert das Blatt eine Stimme aus dem linken Grünen-Flügel. Mögliche Kandidatinnen demnach: Die Abgeordneten Agnieszka Brugger und Katharina Dröge, beispielsweise für die Ressorts Entwicklung beziehungsweise Wirtschaft. Anderenorts wurde auch Ex-Ministerin Renate Künast als Kandidatin genannt.

Das komplizierte Personal-Tableau der Grünen bei einer Ampel-Koalition - die aktuellen Spekulationen:

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Eine andere Variante sei eine Frau aus der Landespolitik - etwa die rheinland-pfälzische Vizeministerpräsidentin Anne Spiegel. Auch um dem Klischee der Besserverdiener-Partei entgegenzuwirken liebäugele man bei den Grünen mit einem sozial orientierten Ressort, heißt es in dem Bericht. Eine Familienministerin Spiegel könne eine Lösung sein. Erst nach zwei „Fundi“-Politikern könnten dann im Falle eines fünften Grünen-Ministeriums andere Parteipromis an der Reihe sein: Etwa Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt - die gleichwohl immer wieder auch mit dem Bundespräsidentenamt in Verbindung gebracht wird.

Das Tableau ist freilich eher unübersichtlich groß. Weitere Medien nennen andere Politiker: So schreibt etwa die Heilbronner Stimme der baden-württembergischen Abgeordneten Franziska Brantner - Ex-Partnerin des umstrittenen Tübinger Oberbürgermeisters Boris Palmer - Chancen auf einen Platz im Kabinett zu.

Habeck und Baerbock gehen wohl: Neues Grünen-Spitzenduo schon bereit? „Kommt Zeit, kommt Rat“

Klar ist indes, dass im Falle einer Regierungsbeteiligung Habeck und Baerbock die Parteispitze räumen würden. Für die Co-Chef-Posten nennt die taz ebenfalls Anwärter: Ricarda Lang, Ex-Sprecherin der Grünen Jugend werde schon „seit Längerem“ für den Chef-Posten gehandelt. Als männlicher Parteivorsitzender sei Außen-Experte Omid Nouripour denkbar. Er dementierte die Spekulationen auf Anfrage der Zeitung zumindest nicht. „Kommt Zeit, kommt Rat“, sagte er. Ähnliches hatte zuletzt auch Zeit Online berichtet: Lang und Nouripour „denken sehr ernsthaft“ über die Ämter nach, erfuhr das Portal aus Parteikreisen.

Omid Nouripour
Omid Nouripour, Bundestagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen. © Kay Nietfeld/dpa

Blieben noch die Ämter als Köpfe der Fraktion. Auch hier nennt das Blatt konkrete Optionen: Etwa die Parlamentarische Geschäftsführerin Britta Haßelmann und - einmal mehr - Brugger oder Dröge. Erkennbar sind auch hier die besonderen Gemengelagen bei den Grünen: Dass just Nouripour und Lange als Parteichefs gehandelt werden, liegt auch an der speziellen Parteiarithmetik: Eine Linke, ein Realo, eine Frau, ein Mann - und ein Politiker mit Migrationshintergrund. Vor den Ampel-Sondierungen war grünenintern mangelnde Diversität im parteieigenen Team gerügt worden: „Divers wie Weißwurst“ hieß es damals. (fn)

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