Ludwig Hartmann hat ernsthaftes Interessean einer Spitzenkandidatur

Vor dem Parteitag

Grüne: Mit „Rückenwind“ in den Landtagswahlkampf

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Am Mittwoch wird der Grünen-Landesvorsitzenden Sigi Hagl klar, dass ihr Stuhl wackelt. Das gilt allerdings wirklich nur für das Möbelstück, auf dem sie gerade zur Pressekonferenz in der Münchner Partei-Zentrale platzgenommen hat.

München – Bei den Grünen sitzt Hagl dagegen ziemlich fest im Sattel. Zwar muss sie sich am Wochenende auf dem Parteitag in Deggendorf als weiblicher Teil der bayerischen Doppelspitze bestätigen lassen. Eine Gegenkandidatin gibt es aber nicht. Und auch der männliche Landesvorsitzende Eike Hallitzky stärkt seiner Ko-Chefin vor dem Parteitag den Rücken. Hagl habe „Super-Wahlerfolge“ zu verantworten, lobt er. Hallitzky selbst steht erst in rund einem Jahr wieder zur Wahl.

Bayerns Grünen-Führung wirkt entspannt. Die Partei hat bei der Bundestagswahl 8,9 Prozent geholt – trotz schlechter Umfragewerte bis zum Schluss. Im Freistaat sprangen sogar 9,8 Prozent raus. Nun gehe es „mit Rückenwind“ in Richtung Landtagswahl, sagt Hagl. Ein zweistelliges Ergebnis ist das erklärte Ziel im Herbst 2018.

Davon, dass Hagl und Hallitzky bis dahin auf Landesebene die Partei führen, kann man ausgehen. Zu klären ist aber noch, wer im Wahlkampf das Zugpferd gibt – oder besser: die Zugpferde. Denn auch in Bayern setzen die Grünen auf zwei Spitzenkandidaten, von denen mindestens (aber nicht zwangsläufig nur) einer weiblich ist.

Wer diese beiden sind, bestimmen alle Mitglieder der Partei in einer Urwahl. „Wir wissen von mehreren Kandidaten“, sagt Hallitzky. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Landtagsfraktion, Thomas Gehring, gilt als sehr wahrscheinlicher Bewerber, ebenso die Fraktionschefs Katharina Schulze und Ludwig Hartmann.

„Meine Entscheidung fällt nach dem Parteitag“, sagt Hartmann gestern unserer Zeitung. Er bestätigt aber ernsthaftes Interesse. Sollte es bei diesen drei Bewerbern bleiben, wäre Schulze als Frau quasi gesetzt, Hartmann und Gehring stünden im direkten Duell.

Noch aber ist Zeit für weitere Anwärter, ihren Hut in den Ring zu werfen. Die Bewerbungsphase beginnt im November. Im Dezember und im Januar sollen sich die Kandidaten der Basis vorstellen. „Roadshow“ nennt Hallitzky das. Danach sind die Mitglieder zur Abstimmung aufgerufen. Am politischen Aschermittwoch sollen die frisch gekürten Spitzenkandidaten dann „erstmals den Saal rocken“, sagt Hallitzky in bestem Grünen-Deutsch.

Dass Deutschland bis dahin schon eine neue Regierung hat, ist wahrscheinlich, aber keinesfalls sicher. Genausowenig, ob es mit einer schwarz-gelb-grünen Koalition im Bund etwas wird. Das beschäftigt natürlich auch die bayerischen Grünen. Man werde aber unabhängig von Jamaika-Entwicklungen in den Landtags-Wahlkampf ziehen, sagt Hallitzky.

Tatsächlich haben die bayerischen Grünen durchaus noch ihre eigenen offenen Baustellen. Bei der Bundestagswahl gab es nämlich auch Gegenden im Freistaat, in denen die Partei unter fünf Prozent landete. In den Kreisen Deggendorf (4,7 Prozent), Straubing (4,6) oder Schwandorf (4,5) sei es „nicht gelungen, zu vermitteln, dass wir die Lösungskompetenz haben“. Erkennen lasse sich zudem „ein starkes Stadt-Land-Gefälle“, bilanziert Hagl. 

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