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Viel Beifall: das grüne Spitzenduo Katharina Schulze und und Ludwig Hartmann in Regensburg. 

Landesparteitag

Grüne nach gescheiterter Sondierung mit der CSU: Angriff der neuen Opposition

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Auf ihrem Landesparteitag in Regensburg bereiten sich die bayerischen Grünen auf die Oppositionsrolle im Landtag vor. Viele sind erleichtert, dass sie jetzt nicht Kompromisse mit der CSU machen müssen.

Regensburg – Ja, es gibt ihn noch: den typischen Grünen von früher. Voller unumstößlicher Ideale, mit Lederkette um den Hals und Armband um den Arm: Dietmar Hasse. Er sitzt in den hinteren Reihen des Saales. Vor ihm poltern Ludwig Hartmann und Katharina Schulze auf der Bühne über Markus Söder und Hubert Aiwanger: „Europe united statt Bavaria first“. Die beiden Spitzenkandidaten des Landtagswahlkampfes mit Sakko und Kleid hätten gerne regiert mit der CSU – mit Kompromissen. Und genau das ist die große Frage an diesem Samstag. Wäre das richtig gewesen?

Hasse ist Delegierter aus Nürnberg und am Samstag in den Osten von Regensburg gereist. Früher wurden in dem Viertel Schweine abgestochen. Heute halten die Grünen hier ihren Landesparteitag ab. Im ehemaligen Schlachthofviertel, in einem neuen mit Holz verzierten Tagungssaal, sitzen 300 Delegierte.

Froh,  dass es mit der CSU und Söder nicht geklappt hat

Dietmar Hasse ist froh, dass es mit der CSU und Söder nicht geklappt hat. „Die Lage beim Klimawandel lässt keine Kompromisse zu“, sagt er selbstbewusst. Die hätten die Grünen in der Regierung eingehen müssen. Auch Lydia Winberger aus dem Kreisverband Fürstenfeldbruck sagt: „Ich wäre kein Freund einer Koalition mit der CSU.“

Ludwig Hartmann auf der Bühne ist laut, redet schnell, sagt, dass man beim Thema Umwelt und Klima nicht zusammengekommen wäre mit der CSU. Anders als Söder. Der hatte nach der Sondierung gesagt: Es sei nicht an der Ökologie gescheitert.

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Die Laune ist nach den 17,5 Prozent noch immer gut. In dem Holzsaal herrscht Aufbruchstimmung. Die Grünen seien angekommen: Von 20 Prozent und mehr in der Zukunft wird geredet. Eine stabile Stammwählerschaft soll her. Joachim Linse aus dem Kreisverband Memmingen zählt zur neueren Generation in der Partei: jung und kompromissbereit. Nur wenn die Grünen mitregieren, könnten Themen umgesetzt werden, meint er. Über die Oppositionsrolle jetzt ist er „nicht erleichtert, aber auch nicht froh“.

Klar hätte man gerne mitregiert, sagen nicht wenige an diesem Tag. Denn alles was jetzt komme, sei „eine Koalition zweier Regionalparteien, was nichts anderes heißt als weiter so“, ruft Sigi Hagl, Grünen-Landesvorsitzende, in die Menge. Es gibt viel Applaus und stehende Ovationen für solche Stiche in Richtung CSU und Freie Wähler. Die Partei stachelt sich an für ihre Rolle als stärkste Oppositionskraft im Landtag. Die Schlagkraft sei mit 38 Abgeordneten gewaltig, heißt es. Los geht es heute mit einer dreitägigen Klausur in der Katholischen Akademie. Zum Auftakt tagen alte und neue Abgeordnete gemeinsam.

Thomas von Sarnowski, Delegierter aus dem Kreisverband Ebersberg, ist überzeugt, dass genau diese Stärke der Fraktion die CSU drängen könnte, Wahlversprechen einzulösen – wie das 365-Euro-Ticket für München. Währenddessen schimpft vorne Hartmann: „Eher werde ich Schweinebauer, als Hubert Aiwanger Umweltschutzpolitiker wird. Und bevor Söder etwas gegen den Flächenfraß unternehmen wird, hänge ich mir Franz Josef Strauß über mein Bett.“ 

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