Kommentar

Die Grünen auf 15-Jahres-Tief: Uncool und vorlaut

  • schließen

Eine aktuelle Umfrage sieht die Grünen auf einem historischen Tiefstand. Für die ehemalige Protest-Partei ist das ein Problem. Und zwar aus mehreren Gründen. Ein Kommentar von Georg Anastasiadis.

Kaum einer mag die Grünen (mehr), hat das Meinungsforschungsinstitut Allensbach kürzlich herausgefunden. Die Wähler hielten die Partei für „uncool, vorlaut und unsympathisch“. Und dann wird’s sogar richtig gemein: Die Grünen seien der Opel unter den deutschen Parteien: solide, aber aus der Mode gekommen. Unsexy eben.

Doch die Grünen hatten auch Glück. Solange die Gabriel-SPD den Charme einer Verliererpartei versprühte und die Flüchtlingskrise Deutschland in „gut“ und „böse“ teilte, machten viele Wähler immer noch brav ihr Kreuz bei der Ökopartei – trotz Veggieday, penetranter Verbots-Rhetorik und der merkwürdigen Fixierung auf Gender-Exzentrik. Damit ist es nun vorbei: Die Merkel-Verdruss-Stimmen heimsen neuerdings Martin Schulz und seine Genossen ein. Und die Asylkrise ist zwar noch immer in den Köpfen, aber seit Köln und Berlin denken viele Bürger zuerst an ihre Sicherheit. Und da sind die Grünen blank. Sie regieren zwar in elf der 16 Bundesländer mit. Aber den Innenminister wollten sie nirgendwo stellen, weil sie dann nicht mehr mit derselben Inbrunst wie bisher weitgehend sinnfreie Slogans wie „Obergrenze für Schadstoffe statt für Menschlichkeit“ herunterbeten könnten.

Die Grünen haben einiges zu verlieren

Fünf Monate vor der Wahl ist es, als seien die Grünen im falschen Film: Während die Kanzlerin rastlos zwischen der Türkei und Nordafrika hin- und herfliegt, um das Asylrecht in Zeiten der modernen Völkerwanderung zu retten, und sei es um den Preis von Auffanglagern, sind die Simone-Peter-Grünen nie über gesinnungs-ethische Plattitüden hinausgekommen. Wer nicht bereit ist, mit sich zu ringen, um das Wünschenswerte mit dem Notwendigen zu versöhnen, wer Drittstaaten-Regelungen für Teufelszeug hält und dafür sogar seine Blockademacht im Bundesrat einsetzt, klinkt sich aus dem gesellschaftlichen Diskurs aus. Und er riskiert, bei Wahlen auf sein Kernklientel zurückgeworfen zu werden. Ob das für die Grünen bei sechs Prozent liegt, dem jetzt von Forsa gemessenen 15-Jahres-Tief, oder doch nur bei 4,9 Prozent, ist vor der Bundestagswahl eine durchaus spannende Frage.

Rubriklistenbild: © Haag

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Schröder: Meine Rosneft-Ambitionen schaden der SPD nicht
Die Freundschaft von Altkanzler Schröder zu Kreml-Chef Putin und seine Tätigkeit für russische Unternehmen ist seit langem umstritten. Die SPD hat bisher darüber …
Schröder: Meine Rosneft-Ambitionen schaden der SPD nicht
Bundeswehr arbeitet am Umgang mit ihrer Tradition
Rechtsextreme Umtriebe in der Bundeswehr haben der Verteidigungsministerin zugesetzt. Von der Leyen lässt daraufhin den Traditionserlass überarbeiten. Nun beginnt dazu …
Bundeswehr arbeitet am Umgang mit ihrer Tradition
AfD spricht von "entstellter Kunst" bei Kasseler Documenta
„Entartete Kunst“ ist ein diffamierendes Schlagwort aus der NS-Zeit. Ausgerechnet von „entstellter Kunst“ spricht nun ein AfD-Politiker mit Blick auf die Kasseler …
AfD spricht von "entstellter Kunst" bei Kasseler Documenta
Frauke Petrys Immunität soll aufgehoben werden
Seit über einem Jahr laufen die Meineid-Ermittlungen gegen AfD-Chefin Petry. Nun soll ihre Immunität als Abgeordnete aufgehoben werden - was sie selbst begrüßt.
Frauke Petrys Immunität soll aufgehoben werden

Kommentare