Annalena Baerbock (l), Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, und Robert Habeck, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, stehen vor einer riesigen Deko-Sonnenblume.
+
Grünen-Parteichefs Annalena Baerbock (l) und Robert Habeck: Wer wird Kanzlerkandidat:in der Partei?

Grüne bei der Bundestagswahl

Mit Umfrage-Rückenwind: Baerbock und Habeck vor fundamentaler Entscheidung - „kleiner Stich ins Herz“

  • Cindy Boden
    vonCindy Boden
    schließen

Sie müssen noch eine offene Frage klären: Wird Baerbock oder Habeck Kanzlerkandidat:in der Grünen? Die Parteichefs mit Details zu dieser Frage.

Berlin - Die Zeit zwischen Ostern und Pfingsten wird in Sachen „politisches Personal in Deutschland“ besonders spannend. Denn dann sollen zwei wichtige Entscheidungen fallen: Wer wird Kanzlerkandidat der Union - Armin Laschet oder Markus Söder? Und wer wird Kanzlerkandidatin beziehungsweise Kanzlerkandidat der Grünen - Annalena Baerbock oder Robert Habeck? Beides noch offen, beide Parteien haben die besten Chancen, nach Angela Merkel ins Kanzleramt einzuziehen.

Der Spiegel hat kurz vor den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz mit den Grünen-Parteichefs über die Kanzlerkandidatur gesprochen. Nach dem Superwahljahr-Auftakt ist die Strahlkraft der Grünen sogar noch mal etwas gestiegen, doch schon vorher war die Partei vorn dabei. Aufgrund ihres Aufstiegs in den vergangenen Jahren kommt es demnächst für die Grünen zu einer Besonderheit: Statt nur Spitzenkandidaten zu bestimmen, wollen sie sich 2021 neben Union und SPD behaupten und ebenfalls einen Kanzlerkandidaten nominieren.

Grüne bei der Bundestagswahl: Baerbock oder Habeck - Wer wagt sich auf den Weg ins Kanzleramt?

Aber wer wird es am Ende? Journalist:innen zerbrechen sich schon lange den Kopf über das Duo. Manche sehen in Kommentaren Habeck vorn, andere klar Baerbock. Zwischen den beiden selbst herrscht bisher nach außen hin viel Harmonie. Keine größeren Skandale, ordentliche Absprachen, gleichberechtigte Rollenverteilungen bei Auftritten, etwa der Präsentation des Wahlprogramms für die Bundestagswahl. Wie es mit dieser Einigkeit nach der Kanzlerkandidaten-Entscheidung weitergeht, bleibt abzuwarten.

Denn ganz leicht dürfte es den beiden nicht fallen. Auch wenn sie im Spiegel-Gespräch selbst sagen: „Ich glaube, keinem von uns fällt es schwer zu sagen: Du bist der oder die Richtige“, so Baerbock. „Aber natürlich ist es am Ende ein kleiner Stich ins Herz.“ Sie ergänzt: „Wenn man Ehrgeiz hat, will man natürlich zeigen: Ich kann das.“ Damit das klar ist: „Diesen Ehrgeiz haben wir natürlich beide.“

Annalena Baerbock muss sich immer mal wieder anhören, dass es für sie ohne Regierungserfahrung schwer werden würde. Dem hielt sie Ende 2020 selbstbewusst entgegen: „Ja, ich traue auch mir das Kanzleramt zu.“ Andere geben ihr den „Frauenbonus“, weil ihre Nominierung aufgrund des Geschlechts neben Olaf Scholz und Laschet oder Söder herausstechen würde. Solle sie daher aus Prinzip antreten? Habeck bekommt diese Frage häufig gestellt. Dem Spiegel sagte er: „Ich finde das eine relevante Frage, eine richtige Frage. Und ich finde es völlig legitim, dass es ein Kriterium ist, ein starkes Kriterium.“ Baerbock hakt ein und stellt klar: Die Frau müsse deswegen aber nicht antreten. Begründung: „Weil wir schon auf dem Weg hierher mit etlichen Regeln gebrochen haben“, sagt sie.

Habeck und Baerbock: Ähnliche Beliebtheitswerte - Die Grünen sind der Union in Umfragen auf den Fersen

Bei den Beliebtheitswerten zwischen den beiden sind in einer aktuellen Umfrage des ZDF-“Politbarometers“ keine großen Unterschiede erkennbar. Die Forschungsgruppe Wahlen ermittelte, dass Habeck auf einer Umfrage-Skala von +5 bis -5 bei im Schnitt +0,8 landet, Baerbock bei +0,7. Zum Vergleich: Der Wert der amtierenden Kanzlerin liegt bei +1,7. Söder kommt auf +1,2, Scholz auf +0,8 und Laschet auf +0,1.

Die aktuellen Prozentwerte der sogenannten Sonntagsfrage sind da deutlicher: Wenn am nächsten Sonntag wirklich Bundestagswahl wäre, landet die Union in der Projektion bei 28 Prozent und verliert damit sieben Prozentpunkte. Die Grünen werden zweitstärkste Kraft und können vier Prozentpunkte zulegen, womit sie bei 23 Prozent landen. Die SPD kommt auf 15 Prozent (minus einen Prozentpunkt). Während über mehrere Umfragen betrachtet die Linie der Union sinkt, steigt die der Grünen.

Habeck als Parteivorsitzender der Grünen: Wunschkonzert „Koalition“ würde er mit der SPD spielen

Mit den Erfolgen bei den Landtagswahlen Mitte März katapultierten sich die Grünen in eine noch besser Lage. In beiden Bundesländern sind sie bei Sondierungsgesprächen dabei. Die SPD sprach nach rheinland-pfälzischem Vorbild schon von einer möglichen Ampelkoalition im Bund. Wahrscheinlich ist nach Umfragen aber wenn eine solches Bündnis unter Grünen-Führung.

„Wir werden die Partei sein, die maßgeblich darüber bestimmt, welches Bündnis eingegangen wird“, sagte Habeck jedenfalls im „Hauptstadt“-Podcast des Nachrichtenportals ThePioneer. Auf die Frage, welches sein liebstes Bündnis wäre, entgegnete Habeck: „Wenn es ein Wunschkonzert wäre, mit der Sozialdemokratie.“ Für eine solche Zweikoalition braucht es jedoch noch mehr Stimmen. Einen der potenziellen dritten Bündnispartner, die Linkspartei, kritisierte Habeck hingegen als momentan „außenpolitisch sicherlich nicht regierungsfähig“. (cibo/dpa)

Auch interessant

Kommentare