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Betretene Gesichter am Wahlabend: (v. li.) Katharina Schulze, Theresa Schopper, Dieter Janecek, Toni Hofreiter und Margarete Bause bei der Verkündung der Hochrechnungen für die Landtagswahl in München.

Nach der Landtagswahl

Grüne schieben sich den schwarzen Peter zu

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München - Im Bund haben die Grünen mächtig aufgeräumt. Auf Landesebene beginnt die Partei am Montag mit der Wahlanalyse. Die Partei sucht einen neuen Fraktionschef – und vielleicht auch eine neue Vorsitzende.

Die Worte in der Presseeinladung sind fett gedruckt: „Nicht öffentlich“ sei die dreitägige Klausur der Grünen ab Montag in Fürstenfeldbruck. Hinter verschlossenen Türen will die Landtagsfraktion mit dem Landesvorstand das unbefriedigende Wahlergebnis aufarbeiten. Es dürfte deutliche Worte geben, viel Kritik – und auch einige personelle Weichenstellungen.

Es gärt hinter den Kulissen, jeder macht einen anderen Schuldigen aus. Tatsache ist: Eine Woche vor der Bundestagswahl hatten sich die Bayern dem bundesweiten Abwärtstrend (Veggie-Day, Pädophilendebatte) nicht entziehen können. Einig sind sich die meisten zudem, dass das Steuerkonzept im eher gut verdienenden, aber teuren Münchner Speckgürtel schlecht zu verkaufen war. Doch es gibt auch handwerkliche Vorwürfe: „Die Kampagne wurde viel zu spät geplant und viel zu spät den Mitgliedern kommuniziert“, sagt Ex-Fraktionschef Sepp Dürr. Die Kritik richtet sich gegen Landeschef Dieter Janecek, der seinerseits der Fraktion Versäumnisse vorwirft. Janecek, frisch in den Bundestag gewählt, fordert Konsequenzen: „Die Zeichen stehen klar auf Erneuerung. Das gilt auch für die Landtagsfraktion.“ Dürr kontert: „Es wäre gut, wenn jeder vor seiner eigenen Tür kehren würde.“

Es ist also Pfeffer drin. Das Wahlergebnis im Freistaat liefert Stoff für Diskussionen: In allen Bezirken legten die Grünen zu, nur in Oberbayern ging es stark nach unten. Sicher: Viele Wähler machten dort ihr Kreuz bei Christian Ude, außerdem verstarb während der Legislaturperiode der grüne Zweitstimmenkönig Sepp Daxenberger. Ob es noch weitere Gründe gibt, ist umstritten.

Neben der Vergangenheitsbewältigung wird auch die neue Aufstellung schwierig: 18 Abgeordnete umfasst nun die Fraktion – die Hälfte davon kommt neu ins Maximilianeum. Die Decke fürs Spitzenpersonal ist also dünn: Bause tritt wieder an. In der Partei vermuten einige, dass ihre alte Rivalin Claudia Stamm eine Gegenkandidatur plant. „Da wissen die anderen mehr als ich“, sagt Stamm. Fügt aber an: Wenn sie anträte, „wäre Margarete die erste, die ich darüber informieren würde“. Zuvor hatte sie getwittert: „Müssen jetzt sogar über Gesamtaufstellung in Bayern reden – personell wie auch inhaltlich.“ In der Fraktion hätten viele auch Ulrike Gote den Sprung an die Spitze zugetraut – doch die bisherige Fraktionsgeschäftsführerin will lieber Vizepräsidentin des Landtags werden.

Sicher neu gewählt wird der zweite (männliche) Fraktionschef, nachdem Martin Runge überraschend bei der Wahl scheiterte. Zwei Namen kursieren: Ludwig Hartmann (Landsberg) und Thomas Gehring (Kempten). Bislang hat keiner offiziell seinen Hut in den Ring geworfen, eine Kampfkandidatur gilt in der Fraktion als wahrscheinlich.

Hinzu kommen inhaltliche Baustellen: Es gibt diverse Experten für Landwirtschaft (gleich drei Biobauern schafften den Sprung) oder Energie, aber keinen, der sich mit innerer Sicherheit auskennt oder in den Verfassungsausschuss strebt. Bitter wiegt der Verlust von Susanna Tausenfreund, die es nicht mehr in den Landtag schaffte.

Gleiches gilt für die Landesvorsitzende Theresa Schopper – in der Partei erwarten einige, dass die 52-Jährige deshalb nach zehn Jahren an der Spitze im Oktober abtritt. Schopper selbst gibt sich so zurückhalten wie vielsagend: „Es ist selbstverständlich, dass ich eine solch wichtige Entscheidung erst innerhalb der Partei kommunizieren will.“ Auch hier kursiert bereits ein Name für die Nachfolge: Sigi Hagl, eine eher unbekannte Kommunalpolitikerin aus Landshut.

Mike Schier

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