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Trittin verspricht „fairen Prozess“

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Jürgen Trittin will Spitzenkandidat der Grünen werden. © dapd

München - Im Oktober stimmen 60.000 Mitglieder üder den Spitzenkandidaten der Grünen ab. Dabei wirbt Bayerns Landesvorstand nicht für Claudia Roth.

Die Grünen proben den modernen Sechskampf. Am Wochenende wird der kleine Sonderparteitag in Berlin voraussichtlich formal eine Urwahl der Spitzenkandidaten beschließen. Alle 60.000 Parteimitglieder dürfen dann im Oktober per Post abstimmen, wer die Partei ein Jahr später in die Bundestagswahl führen darf. Bisher haben sich sechs Bewerber gemeldet.

Üblich ist bei den Grünen eine Doppelspitze aus Mann/Frau, linkem Flügel/Realos. Diese Konstruktion wird aber kniffelig. Antreten wollen die Fraktionsvorsitzenden Renate Künast (56) und Jürgen Trittin (58), Parteichefin Claudia Roth (57), Bundestags-Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (46) sowie zwei unbekannte Kommunalpolitiker, darunter Neumitglied Franz Spitzenberger (63) aus Sonthofen im Allgäu. Ausmachen werden das Rennen wohl die vier Promis untereinander.

Politiker und ihre Affären

Die rund 100.000 Euro teure Urwahl ist nötig, weil sich die grüne Spitze nicht auf eine Zweier- oder sogar Team-Konstellation geeinigt hatte. Hinter den Kulissen geht es um die Macht in der Partei, um Posten bis hin zum Vizekanzler in einer möglichen Bundesregierung. „Im Wolfsrudel“, analysierte jüngst der „Spiegel“. Zum Vergleich: Die heutigen Rivalinnen Göring-Eckardt und Künast teilten vor zehn Jahren noch einträchtig eine WG in Berlin.

Trittin und Roth gelten als Parteilinke. Die Realos bundesweit unterstützen Göring-Eckardt. Das führt zur ungewöhnlichen Situation, dass sogar die Spitze von Roths Heimat-Verband Bayern offen für Göring-Eckardt warb. „Ich bin immer eingetreten für eine Teamlösung, die verschiedene Generationen sichtbar macht und das grüne Wählerpotential in der Breite anspricht“, sagt Grünen-Landeschef Dieter Janecek. Er wolle keine Namensempfehlung geben, sagt er, verweist aber darauf, dass man mit der 46-jährigen Erfurterin durchaus eine junge Generation ansprechen könne. Co-Landeschefin Theresa Schopper hätte sich ein Trio (mit Roth und Trittin) gewünscht. Janecek vergleicht Göring-Eckardts Stil mit dem des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Kretschmann.

Die Partei hofft, zwei Drittel der Mitglieder zur Urwahl zu bewegen. Zum Vergleich: Bei der Abstimmung jüngst über den OB-Kandidaten in München machte rund die Hälfte mit. Nach München will Janecek auch eine der Regionalkonferenzen holen, auf denen sich die Kandidaten vor mehreren hundert Mitgliedern vorstellen sollen.

Nach der Urwahl wollen die Grünen die leidige Personaldebatte los sein. Trittin kündigt an, „dass das fair ablaufen wird“. Er rechnet mit einem „spannenden und relativ kurzen Prozess“.

Der Prozess beschäftigt auch die Evangelische Kirche. Göring-Eckardt ist Präses der Synode. Sollte sie zur Spitzenkandidatin gewählt werden, muss sie das überparteiliche Ehrenamt wohl abgeben. Womöglich rückt dann der Politiker nach, der 2009 knapp gegen sie verlor: Ex-Ministerpräsident Günther Beckstein.

von Christian Deutschländer

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