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Beamte der Sondereinheit GSG 9 der Bundespolizei. Foto: Ralf Hirschberger

Interview mit Kommandeur

GSG-9-Chef zum Kampf gegen Terror: "Wir sind bereit"

Die GSG 9 wurde in den 1970er Jahren mit dem spektakulären Einsatz bei einer Flugzeugentführung im somalischen Mogadischu berühmt. Der islamistische Terrorismus stellt die Eliteeinheit vor neue Probleme.

Berlin (dpa) - Sie wird gerufen, wenn es richtig gefährlich wird, wenn Kriminelle mit Waffen und Sprengstoff drohen, wenn das Leben von Geiseln auf dem Spiel steht: die Spezialeinheit GSG 9 der Bundespolizei.

1977 stürmte sie die von palästinensischen Terroristen gekaperte Lufthansa-Maschine "Landshut" im somalischen Mogadischu und befreite alle Geiseln unversehrt.

Mit dem islamistischen Terror muss sich die Polizeielite wandeln, mobiler und flexibler werden. Die GSG 9 erhält neben ihrem Sitz in Sankt Augustin bei Bonn einen zweiten Standort bei Berlin - um schneller auf Bedrohungen reagieren zu können. Der Kommandeur der Spezialeinheit GSG 9, Jerome Fuchs, erzählt im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur von alten und neuen Herausforderungen.

Frage: Die GSG 9 hatte jahrzehntelang mit Geiselnehmern und "gewöhnlichen" Schwerkriminellen zu tun. Ist man gewappnet für den islamistischen Terror?

Antwort: Selbstverständlich sind wir bereit, uns dieser Herausforderung zu stellen und da auch unser Bestes zu geben. Wir müssen permanent am Ball bleiben, trainieren und uns austauschen mit anderen Einheiten, die vergleichbare Lagen schon bewältigt haben, und von deren Erfahrung lernen. Ich würde niemals sagen, wir sind da jetzt bei 100 Prozent. Aber wir versuchen uns bestmöglich für diese Lagen aufzustellen.

Frage: Hätte die GSG 9 beim Anschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz Schlimmeres verhindern können? Zivilisten retten, den Attentäter aus dem Verkehr ziehen?

Antwort: Mit Sicherheit hätten wir Möglichkeiten gehabt, wenn wir rechtzeitig vor Ort gewesen wären. Möglichkeiten, die über die Möglichkeiten eines Streifenbeamten, der mit dieser Situation konfrontiert ist, hinausgehen. Das ist keine Frage. Ob wir alles hätten verhindern können, ist reine Spekulation und wäre hier völlig fehl am Platz.

Frage: Sie wollen ihr Personal um ein Drittel aufstocken. Wieso tun Sie sich so hart, Nachwuchs zu finden?

Antwort: Es liegt zum einen daran, dass wir die Anforderungen nicht senken. Das heißt, wir haben unsere Standards und die müssen die Bewerber bewältigen. Zum anderen gibt es auch innerhalb der Bundespolizei unendlich viele interessante Bereiche. Und wenn jemand was Spezielles machen möchte, dann bieten sich heute andere Möglichkeiten, als es vielleicht noch vor 10, 15 Jahren der Fall war. Insofern ist das auch so ein bisschen Konkurrenz auch im eigenen Haus um die besten Bewerber.

Frage: Der Terror kennt keine Grenzen. Kann man damit als nationale Spezialeinheit noch alleine fertig werden?

Antwort: Da sind sicher Grenzen gesetzt. Aber aus dem Grund ist ja die GSG 9 sehr gut international vernetzt. Da ist zum einen europaweit der sogenannte Atlas-Verbund (Red.: Kooperation von Spezialeinheiten der EU), darüber hinaus kooperieren wir mit den weltbesten Spezialeinheiten, beispielsweise US-amerikanischen Einheiten oder auch polizeilichen Spezialeinheiten aus Israel. Insofern sehen wir das als eine Gemeinschaftsaufgabe an.

Frage: Wieso gibt es keine Frauen bei der GSG 9?

Antwort: Wir haben auch Frauen, allerdings nicht im unmittelbar operativen Bereich der Einsatzeinheiten. Die Anforderungen für Frauen im körperlichen Bereich sind die gleichen wie für Männer. Wir hatten aber auch die letzten Jahre keinerlei Frauen als Bewerberinnen bei der GSG 9.

ZUR PERSON: Jerome Fuchs tritt nicht allzu oft in der Öffentlichkeit auf. Die GSG 9 gilt als eher verschwiegener Verein. Fuchs kommt aus Karlsruhe und gehört seit mehr als 20 Jahren dazu. Seit 2014 steht er als Kommandeur an der Spitze der GSG 9.

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