Die Eisenbahnbrücke über den Westfluss in der südchinesischen Provinz Guangdong
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Die Eisenbahnbrücke in der südchinesischen Provinz Guangdong über den Westfluss: Die gute Verkehrsinfrastruktur fördert den Wirtschaftsboom in Guangdong.

Provinz Guangdong

Guangdong: Boomender High-Tech-Standort 

Guangdong ist eine aufstrebende Provinz im tiefen Süden Chinas, geprägt von Industrie und Hochtechnologie.

  • Die Provinz Guangdong ist wichtiger Technologie-Standort in China
  • Guangzhou, Shenzhen und Zhanjiang sind wichtige Hafenstädte in Guangdong
  • Der Flughafen von Guangzhou ist der drittgrößte in China

Guangdong: Geografische Lage der Provinz

Guangdong – Die Provinz Guangdong liegt im Südosten Chinas. Provinzhauptstadt ist die Metropole Guangzhou mit knapp über 15 Millionen Bewohnern. Gleichzeitig ist Guangzhou die größte Stadt im Delta des Perlflusses, in dem sich aus mehreren Städten eine gewaltige Megalopolis mit bis zu 60 Millionen Menschen gebildet hat. Die gesamte Provinz ist durch eine urbane Siedlungsstruktur geprägt. Bereits im Jahr 2010 hatte Guangdong über 10 Millionenstädte. Auf der administrativen Ebene unterteilt sich Guangdong in insgesamt 21 bezirksfreie Städte.

Aus topografischer Sicht ist etwa ein Viertel der Provinz durch eine ebene Landschaft des Perlflussdeltas geprägt. Vor allem auf die Küstenregionen trifft dies zu. Der restliche Teil der Provinz umfasst sanftes Hügelland. Guangdong grenzt im Süden an das Südchinesische Meer. In den nördlichen Teilen der Provinz dominieren hingegen Berge und Hochebenen wie etwa das Nanling-Gebirge, das eine natürliche Nordgrenze der Provinz bildet. .Mit einer Höhe von 1.902 Metern ist der Shikengkong an der Grenze zur Provinz Hunan die höchste Erhebung von Guangdong.

Wichtige Städte mit Einwohnerzahl in der Provinz Guangdong:

  • Guangzhou 15,31 Millionen (2019)
  • Shenzhen 12,9 Millionen (2019)
  • Foshan 7,5 Millionen (2019)
  • Shantou 4,9 Millionen (2019)
  • Dongguan 7,6 Millionen (2019)

Guangdong als Industriestandort

Bis heute spielt die Provinz Guangdong als Industriestandort eine wichtige Rolle innerhalb Chinas. Vor allem für Hongkong diente die Provinz seit Beginn der wirtschaftlichen Öffnung des Landes als eine „verlängerte Werkbank“: Hongkonger Firmen verlagerten ab den 1980er Jahren ihre Produktionen in die Provinz oder bauten dort Fabriken um zu expandieren. Grund hierfür waren maßgeblich die deutlich niedrigeren Lohnkosten. Guangdong profitiert zudem von den Sonderwirtschaftszonen, die seit 1980 in den Städten Shenzhen, Zhuhai und Shantou eingerichtet wurden, um mit der Öffnung zum Weltmarkt zu experimentieren.

Somit wurde Guangdong Standort vor allem für verschiedene Branchen der Leichtindustrie: Spielzeug, Möbel, Kleidung, Haushaltswaren, einfache Elektronikartikel. Durch das Aufkommen der Informationstechnologien kamen später auch Smartphones sowie moderne Haushaltsgeräte hinzu. Gefertigt wurde aber vorwiegend in Lizenz, für andere Marken.

Guangdong war mit diesem Modell enorm erfolgreich. Sie wurde zu einer der wohlhabendsten Provinzen Chinas. In den letzten Jahren aber gab man sich dort mit der Rolle der „Werkbank der Welt“ nicht mehr zufrieden: Guangdong will die Wertschöpfungskette emporklettern. Dort werden immer mehr komplexe technologische Produkte entwickelt und produziert. In der Metropole Shenzhen entwickelte sich eine Startup-Szene für Hightech. Guangdong ist unter anderem Standort der Telekommunikationsausrüster Huawei und ZTE sowie eines der weltgrößten Herstellers für zivile Drohnen DJI.

Wichtige Hafenstädte in der Provinz Guangdong

In Guangdong befinden sich gleich mehrere der wichtigsten Seehäfen Chinas. Vor allem die auf Containertransport ausgelegten Überseehäfen Guangzhou, Zhanjiang, Shantou und Shenzhen sind von erheblicher Bedeutung für die chinesische Wirtschaft. Vor allem die Häfen von Shenzhen und Guangzhou treten mehr und mehr in Konkurrenz zum Hafen von Hongkong.

Gemessen am reinen Containerumschlag ist Shenzhen heute viertgrößter Hafen der Welt, gefolgt von Guangzhou. Zahlreiche große Containerreedereien bieten regelmäßig Liniendienste zwischen der südostchinesischen Provinz und Europa an. Zu nennen sind hier vor allem Hapag-Lloyd oder auch die weltweit größte dänische Reederei Maersk Line.

Guangdong: Verkehrsinfrastruktur

Aufgrund des anhaltenden Wirtschaftsbooms wird stetig in den weiteren Ausbau der Verkehrsinfrastruktur investiert. Neben den Häfen an der Küste ist vor allem das Straßennetz der Provinz Guangdong von enormer Bedeutung für Handel und Warentransport. In keiner anderen chinesischen Region ist das Netz an Autobahnen dichter als in Guangdong. Zwischen den Städten Guangzhou und Shenzhen verkehren die modernsten Züge Chinas - es war die erste Strecke, auf der China die inzwischen durchs ganze Land rasenden Hochgeschwindigkeitszüge einsetzte.

In der Provinz befinden sich zwei große internationale Flughäfen in Shenzhen und Guangzhou. Der Guangzhou Baiyun International Airport war durch die Corona-Krise 2020 ist der Flughafen temporär sogar zum Flughafen mit dem höchsten Passagieraufkommen der Welt vor Atlanta (USA) aufgestiegen. Allein 2020 flogen noch über 40 Millionen Menschen von dort - die meisten allerdings im Inland. China bekämpfte die Corona-Pandemie schneller als andere Staaten; der internationale Reiseverkehr blieb aber auch 2021 noch stark eingeschränkt. Für die lokale Fluggesellschaft China Southern Airlines dient der Flughafen als wichtiges Drehkreuz. Knapp 30 % der Flugverbindungen entfallen auf die südchinesische Airline.

Neben Passagierverbindungen dient der Guangzhou Baiyun Airport auch als wichtiges Frachtdrehkreuz. Das US-amerikanische Unternehmen FedEx hat am Flughafen in Guangzhou mittlerweile ihren Asien-Pazifik-HUB eingerichtet. Neben FedEx bedienen auch zahlreiche weitere Frachtfluglinien den Airport.

Guangdong: Geschichte der Provinz

Guangdong wurde vor gut 2000 Jahren erstmals Teil des chinesischen Herrschaftsgebiets. Damals fiel die erste Kaiserdynastie der Qin in die Region ein. Guangzhou gehörte zu jenen Häfen, zu denen sich Großbritannien in den Opiumkriegen den Zugang erzwang. Maßgeblich wurde Guangdong auch durch die Kolonialgeschichte des nahen Hongkongs ab 1842 geprägt.

In der Zeit vor und nach dem Zusammenbruch des chinesischen Kaiserreichs Anfang des 20. Jahrhunderts war Guangdong vor allem wichtiges Zentrum der republikanischen Opposition. Diese wurde von Sun Yat-sen und der nationalistischen Partei Kuomintang angeführt. Sun und seine Mitstreiter gründeten Anfang des 20. Jahrhunderts die erste chinesische Republik.

Im Verlauf der nächsten Jahrzehnte aber kam es zu zwei Bürgerkriegen, aus denen 1949 zu einem Bürgerkrieg, aus denen die Kommunistische Partei als Siegerin hervorging. Guangdong verlor vorübergehend an Bedeutung.

Mit Beginn der Reformpolitik aber begann ihr Aufstieg. Die Sonderwirtschaftszonen entfesselten den Geschäftssinn der Menschen und ermöglichten ihnen als erste in China den Austausch mit dem Ausland. 1992 reiste Reformpatriarch Deng Xiaoping auf seiner berühmt gewordenen „Reise in den Süden“ nach Guangdong, um dort seinen wirtschaftlichen Reformkurs zu zementieren.

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