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Der ehemalige guatemaltekische Diktator Efrain Rios Montt vor Gericht im Jahr 2012. Foto: Rodrigo Abd, AP

"Ajatollah von Guatemala"

Ex-Diktator Ríos Montt im Hausarrest gestorben

Die Zeit seiner Herrschaft gilt als das düsterste Kapitel der guatemaltekischen Geschichte. Mit brutaler Gewalt ging der General gegen die indigene Landbevölkerung vor. Er selbst sah sich stets als Mann des Glaubens.

Guatemala-Stadt (dpa) - Der ehemalige guatemaltekische Diktator Efraín Ríos Montt galt vielen als grausamer Schlächter der indigenen Bevölkerung - er selbst sah sich bis zum Schluss als Retter der Nation vor den Kommunisten. Am Ostersonntag starb der Ex-General im Alter von 91 Jahren im Hausarrest.

"Das ist ein schwerer Moment für uns alle", sagte seine Tochter Zury Ríos, die im kommenden Jahr bei der Präsidentschaftswahl antreten will. Staatschef Jimmy Morales, der wegen seiner Nähe zu den Militärs immer wieder in der Kritik stand, äußerte sich zunächst nicht zum Tod von Ríos Montt. Allerdings bedauerte die Regierung auf Facebook den Tod des früheren Staatschefs und ehemaligen Kongresspräsidenten.

Gegen Ríos Montt lief noch immer ein Prozess wegen Völkermordes. Zuletzt litt er allerdings an seniler Demenz und nahm nicht an den Gerichtsverhandlungen teil. Ihm wurde vorgeworfen, während der von ihm angeführten Militärdiktatur (1982-83) für den Tod von 1771 Mitgliedern des Maya-Volks der Ixil im nordguatemaltekischen Departement Quiché verantwortlich gewesen zu sein.

Dafür war er bereits 2013 zu 80 Jahren Haft verurteilt worden. Aufgrund von Verfahrensfehlern wurde der Schuldspruch jedoch wenige Tage später wieder aufgehoben. Ein neuer Prozess kam immer wieder ins Stocken, wurde im Mai 2016 vorerst eingestellt und erst Ende 2017 wieder aufgenommen.

Ríos Montt betrieb eine systematische Vernichtungspolitik gegen die Landbevölkerung. Damit sollten die indigenen Gruppen daran gehindert werden, sich der linken Guerilla anzuschließen. Die Zeit seiner Herrschaft gilt als das düsterste Kapitel der guatemaltekischen Geschichte.

Ríos Montt selbst bezeichnete sich stets als Mann des Glaubens. Seine Ansprachen schmückte der Prediger der Pfingstkirche "Iglesia Verbo" gern mit Bibelzitaten und apokalyptischen Prophezeiungen aus. Das US-Magazin "Newsweek" beschrieb Ríos Montt einmal als "Ajatollah von Guatemala". Damit spielte das Magazin auf die religiös-politischen Führer im Iran nach der islamischen Revolution an, die meist für radikale Positionen stehen und laut Verfassung in allen strategischen Belangen das letzte Wort haben. Ríos Montt sagte einmal, ein guter Christ sei derjenige, der sich "mit Bibel und Maschinenpistole" zu helfen wisse.

Bericht Zeitung Prensa Libre, Span.

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