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Sie haben die Rollen getauscht: Frank-Walter Steinmeier und Guido Westerwelle

Amtsübergabe:

Guido und Frank tauschen die Rollen

Berlin - Es war eine Amtsübergabe im doppelten Sinne. Guido Westerwelle übernahm am Donnerstag bei einer feierlichen Zeremonie das Auswärtige Amt von Frank-Walter Steinmeier.

Im Gegenzug überließ der FDP-Chef dem SPD-Fraktionsvorsitzenden eine nicht minder wichtige Rolle in der deutschen Demokratie - die des Oppositionsführers. In den vergangenen vier Jahren trug Westerwelle als Chef der größten Oppositionsfraktion diesen inoffiziellen Titel.

Kein Bruch der politischen Laufbahn

Ab sofort ist Steinmeier der oberste Kritiker der Regierungsarbeit. Einen Bruch der politischen Laufbahnen wird der Ämtertausch nach Auffassung Westerwelles aber für beide nicht bedeuten. Er selbst werde zu dem stehen, was er in der Opposition gesagt habe, betonte der FDP-Chef. Und Steinmeier werde in der Opposition nicht vergessen, was er als Außenminister vertreten habe.

Bei der gut einstündigen Zeremonie im überfüllten Weltsaal des Auswärtigen Amts gab Steinmeier noch einmal ganz den Staatsmann und hatte auch einige nachdenkliche Worte parat. “Diese vier Jahre haben meinen Blick auf die Welt schon noch mal verändert“, sagte er. Der Zustand dieser Welt sei noch viel zerbrechlicher als die meisten annehmen. Er habe unter anderem gelernt, “wie kostbar Frieden ist“.

Seinen Nachfolger begrüßte Steinmeier als “sehr geehrter Außenminister, lieber Herr Westerwelle“. Mit auf den Weg gab er dem FDP-Politiker vor allem, dass die Aufgaben für das Auswärtige Amt nicht kleiner, sondern immer größer werden.

Noch keine programmatische Rede

Eine programmatische Rede war von Westerwelle an seinem ersten Arbeitstag als Außenminister noch nicht zu erwarten. Der FDP-Politiker machte vor allem deutlich, dass er wie alle seine Vorgänger auf Kontinuität in der Außenpolitik setzen werde.

Das sei nicht als Ideenmangel zu interpretieren, sondern hänge vielmehr damit zusammen, dass die deutsche Außenpolitik der vergangenen 60 Jahre eine Erfolgsgeschichte sei. Westerwelle ging es vor allem darum, sich bei seinen Mitarbeitern persönlich vorzustellen. “Ich freue mich auf diese Aufgabe, und ich verschweige nicht: Ich habe großen Respekt vor dieser Aufgabe“, sagte er.

Fliegen mit offener Tür

Mit dem Oppositionsführer wird der neue Außenminister weiterhin in engem Kontakt bleiben - so wie in den vergangenen vier Jahren in vertauschten Rollen. Westerwelle hat dabei zwar viel über außenpolitische Themen von Steinmeier erfahren, aber offenbar nicht besonders viel über die Arbeitsbedingungen eines Außenamtchefs. Steinmeier erzählte am Donnerstag, wie an einer seiner unzähligen Stationen der Frachtraum seiner mehr als 20 Jahre alten Regierungsmaschine in Flammen aufgegangen sei und er einmal sogar mit offener Türe fliegen musste.

“Manches haben Sie mir verschwiegen“, beschwerte sich Westerwelle anschließend mit einem Augenzwinkern. “Zum Beispiel, dass man fliegen muss mit offener Tür. Das ist eigentlich auch gut, dass sie mir das jetzt erst sagen.“

Erste Reise nur wenige Stunden nach Amtsantritt

Am Donnerstagnachmittag konnte Westerwelle schon mal einen der mehr als zwei Jahrzehnte alten VIP-Maschinen der Bundeswehr-Flugbereitschaft testen. Nur wenige Stunden nach der Amtsübernahme brach er zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zum EU-Gipfel nach Brüssel auf. Die nächsten Auslandsreisen werden voraussichtlich bereits in der kommenden Woche folgen.

dpa

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