Merkur-Kommentar

Zum Tod von Guido Westerwelle: Haltung bewahrt

München - Guido Westerwelle hat polarisiert wie kaum ein anderer Politiker der glatt geschliffenen Berliner Republik: Ein Kommentar zum Tod des Politikers von Georg Anastasiadis.

Er hat mit seiner ungestümen Rauflust, die an Franz Josef Strauß erinnerte, die Seinen euphorisiert und die Gegner mobilisiert – mehr als ihm am Ende gut tat. Und so wenig er im Leben die Menschen kalt ließ, so sehr berührt er sie nun auch im Tod.

Westerwelle hinterlässt eine Lücke, die auch viele jener wehmütig stimmt, die zu Lebzeiten mit ihm haderten. Sein steiler Aufstieg, der tiefe Fall, sein unbedingter und manchmal radikaler Glaube an den Markt, der in der Merkel-Republik so ganz aus der Zeit gefallen scheint, all das beschäftigte das Land. Westerwelle war ein politisches Ausnahmetalent. Doch nicht das war es, was ihm, dem stets eine Spur zu Extrovertierten, am Ende den Respekt und die Sympathie der Bürger verschaffte – sondern der bewundernswerte Umgang mit seiner Krankheit, die den oft Hochmütigen am Ende zurückwarf auf sein Menschsein.

Westerwelle hat, als Politiker und als Mensch, Haltung bewahrt: Als er den – damals für einen Spitzenpolitiker nicht selbstverständlichen – Mut aufbrachte, sein Schwulsein öffentlich zu machen. Wie er für die Idee des Liberalismus kämpfte, als dieser in Deutschland schon keine Lobby mehr hatte. Und im Umgang mit seiner Krebserkrankung. Deutschland hat einen großen Kämpfer verloren.

Rubriklistenbild: © Haag

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