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Putin feiert Geburtstag: Kim Jong-Un gratuliert – Lukaschenko preist „gut überlegte Entscheidungen“

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Von: Marcus Giebel, Bedrettin Bölükbasi

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Putin und Lukaschenko
Alexander Lukaschenko und Wladimir Putin, fotografiert im Jahr 2017. (Archivfoto) © Mikhail Metzel / AFP

Wladimir Putin wird 70 Jahre alt. Mitten im Ukraine-Krieg. An seinem Ehrentag lädt der Kreml-Chef zu einem Treffen mehrerer Staatschefs in seiner Heimatstadt St. Petersburg.

Update vom 7. Oktober, 10.15 Uhr: Russlands Machthaber Wladimir Putin feiert heute seinen 70. Geburtstag in seiner Heimatstadt St. Petersburg. Personen in seinem engen Umfeld sowie gleichgesinnte Staatschefs haben ihm bereits zum Geburtstag gratuliert. Darunter auch der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko. „Bitte akzeptieren Sie meine herzlichsten Glückwünsche an Ihrem Geburtstag“, zitierte die belarussische Staatsagentur BelTA aus Lukaschenkos Botschaft. „Als ein echter Anführer einer großen Macht treffen Sie gut überlegte und schwierige Entscheidungen, um die unabhängige Entwicklung der Russischen Föderation zu sichern und die Traditionen sowie Werte des russischen Volkes zu schützen“, hieß es von Lukaschenko zudem. Er lobte auch die „tiefgreifende Integration“ von Russland und Belarus.

Auch Nordkoreas Machthaber Kim Jong-Un beglückwünschte Putin zu seinem Geburtstag, wie die russische staatliche Nachrichtenagentur Ria Nowosti berichtete. „Ich bin zufrieden über das beispiellose Wachstum der gegenseitigen Unterstützung und der Kooperation zwischen den beiden Ländern“, schrieb Nordkoreas Staatschef demnach in seiner Botschaft zu Putins Geburtstag. Der Putin-treue Tschetschenenführer Ramsan Kadyrow gratulierte dem Kreml-Chef zum Geburtstag und lobte seine Führungsrolle. Putin habe Russland von „totaler Gewalt, internationalem Terrorismus und Banditentum“ befreit. Beim Schicksal der Tschetschenen habe der russische Staatschef zudem eine positive Rolle gespielt, so Kadyrow.

Von Denis Puschilin, dem pro-russischen Chef der von Russland besetzten Region Donezk, gab es ebenfalls Glückwünsche. „Für die Menschen des Donbass wird der Name des Anführers unseres Landes für immer mit dem wichtigsten Vorfall der nahen Geschichte assoziiert werden - die Rückkehr nach Hause“, erklärte Puschilin laut der staatlichen Nachrichtenagentur Tass. Er bedankte sich bei Putin für die „Befreiungsoperation“, die sich als eine „echte Rettung“ erwiesen habe. Ex-Präsident Dmitri Medwedew, der regelmäßig mit dem Einsatz von Atomwaffen droht, schloss sich den Glückwünschen an. Vor genau einer Woche (30. September) hatte Putin die Annexion von besetzten ukrainischen Gebieten verkündet.

Putins Geburtstag: Kreml-Chef feiert 70. Geburtstag - inmitten schwerer Kämpfe in der Ukraine

Erstmeldung vom 6. Oktober: St. Petersburg - Das hat sich Wladimir Putin sicher ganz anders vorgestellt, als er die Invasion am 24. Februar befehligte und den Ukraine-Krieg damit eröffnete. Eigentlich sollte alles ganz schnell gehen und das Nachbarland zum 70. Geburtstag des Kreml-Chefs längst nach seinem Willen regiert werden. Doch stattdessen spitzt sich der Konflikt zu Putins Ehrentag an diesem Freitag immer mehr zu.

Die ukrainische Armee erobert seit einigen Wochen Stadt um Stadt, Kilometer um Kilometer aus den Händen des Aggressors zurück. Für den mächtigen Mann in Moskau schien eine Teilmobilmachung unausweichlich, um die sich anbahnende Schmach zumindest hinauszuzögern. Offenbar zum Preis vieler Menschenleben. Obendrein wurden die vier ukrainischen Regionen Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja völkerrechtswiedrig annektiert, womit zumindest der heimischen Bevölkerung Erfolge verkauft werden konnten.

Putin feiert 70. Geburtstag: Kreml-Chef ist am Ehrentag in St. Petersburg

Ob Putin aktuell wirklich Lust verspürt, seinen Geburtstag - der womöglich sein letzter an der Macht werden könnte - groß zu feiern, sei mal dahingestellt. Jedenfalls zeigt sich: Das Leben ist auch für Machthaber kein Wunschkonzert. Geburtstage warten eben nicht auf bessere Zeiten.

Also bleibt Putin keine andere Wahl, als die Pleiten und Pannen mal wieder wegzulächeln, stattdessen in aller Öffentlichkeit Stärke und Entschlossenheit zu demonstrieren. Klar ist: Auch an seinem Feiertag wird Russlands Präsident arbeiten.

Wie Kreml-Sprecher Dmitri Peskow verriet, empfängt das Staatsoberhaupt in seiner Heimatstadt St. Petersburg im Konstantinpalast einige Staatsgäste, die ihn hochleben lassen dürfen. Offiziell handele es sich um einen „informellen Gipfel“ der Staatschefs der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS). Der Nachfolgeorganisation der zerfallenen Sowjetunion gehörte bis 2018 auch die Ukraine an, aktuell sind neben Russland auch Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Kasachstan, Kirgisistan, Moldau, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan Mitglieder.

Putin lädt zum 70. Geburtstag nach St. Petersburg: „Sehr wichtiger Termin vor GUS-Gipfel“

Für Putin bietet dieser Termin die Möglichkeit, nach außen hin den Eindruck zu erwecken, er stünde in diesem Konflikt bei weitem nicht alleine da. An seiner Seite taucht ansonsten vor allem der belarussische Diktator Alexander Lukaschenko auf, der es aber auch nicht zu verstehen weiß, in seinem Land breite Unterstützung für den Krieg zu entfachen.

Über eine Gästeliste gab Peskow keine Auskunft, es sei jedoch „ein sehr wichtiger Termin im Kontext der Vorbereitung des für nächste Woche geplanten GUS-Gipfels“. Gemeint ist ein Treffen am 14. Oktober in der kasachischen Hauptstadt Astana.

Gut gegessen wird in St. Petersburg sicher auch, denn das ist laut Vienna Online ein Faible des Kreml-Chefs. Zum Tagesprogramm von Putin an seinem 70. Geburtstag sollen auch mehrere Telefonate gehören. Ob mit anderen Staatschefs oder eher seinen Untergebenen blieb im Vorfeld offen.

Putin und der Geburtstag im Ukraine-Krieg: Früher Museumsbesuch oder Eishockeyspiel zum Wiegenfest

Wladimir Kaminer wird sicher nicht zu den Gratulanten zählen. In einem Kommentar auf t-online schrieb der in Moskau geborene Schriftsteller mit Blick auf Putins Geburtstag: „Seine Freunde sind bestimmt schon seit Wochen in Panik.“ Denn alle würden sich die Frage stellen: „Was schenkt man einem siebzigjährigen Diktator, der sich von der Realität verabschiedet hat?“ Bei früheren Geburtstagen sei er „noch jung, vernünftig und klarer im Kopf“ gewesen.

Auch da wusste er sich zu inszenieren. An seinem 50. Geburtstag habe Putin in Moldau das Museum des moldawischen Portweins in der Hauptstadt Chisinau besucht. Vor einem Jahrzehnt habe er zum Wiegenfest im Eishockey sieben Tore geschossen - anscheinend unter gütiger Mithilfe der Gegner. Fünf Jahre später wartete Silvio Berlusconi mit einem besonderen Geschenk auf: einem Chirurgen. Ob der bei Putin Hand anlegen durfte?

An manchen Geburtstagen seien zu Ehren Putins oppositionelle Journalisten getötet worden. Oder es hätten exotische Tiere auf dem Gabentisch gestanden. Aufgezählt werden etwa Tiger oder Krokodile. Ebenfalls tierisch: Von Angela Merkel gab es demnach einmal eine Kuckucksuhr mit Bundesadler, der in deutscher Sprache die Uhrzeit angesagt habe. Aber das wirkt wie aus einer anderen Zeit - angesichts der aktuellen Weltlage. (mg)

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