Guter Rundfunkrat ist teuer

- München - Die Damen und Herren Rundfunkräte sind nicht knausrig. Ihre Aufwandsentschädigung sei stets in Fünf-Euro-Schritten aufzurunden, heißt es in der WDR-Satzung, zahlbar im Voraus. Macht ja nicht viel aus bei den vierstelligen Nebeneinkünften, Reisekosten und Tagegelder aber bitte extra. In Bayern gibt es zum Ehrenamts-Antritt mal eben kostenlose Fernseher. Die vielen Rundfunk- und Verwaltungsräte, die über die öffentlich-rechtliche Medienlandschaft herrschen, werden reichlich entlohnt - gleichzeitig steigen die Rundfunkgebühren.

Um 88 Cent je Monat wachsen ab April 2005 die Abgaben, mit denen sich die Sender finanzieren. Viel zu wenig, klagen ARD und ZDF. Das "wertvolle gesellschaftliche und kulturelle Engagement des öffentlich-rechtlichen Rundfunks" werde leiden. Der Bayerische Rundfunk schafft sein Rundfunkorchester ab, der Bildungskanal "BR-Alpha" und die Nachrichtensendung "Rundschau" wackeln. BR-Intendant Thomas Gruber kündigt "noch ganz andere, schmerzhafte Vorschläge" an.

Schmerzfrei dürften die Verwaltungsgremien davonkommen - dabei wäre hier viel zu holen. Jeder einzelne ARD-Sender wird von je bis zu 74 Rundfunkräten beaufsichtigt. Über das ZDF wachen für monatlich 511,29 Euro plus Sitzungsgeld 77 Honorige vom Bundesminister bis zum Veterinärdirektor. Die Gremien sollen die Gesellschaft widerspiegeln, die evangelischen kirchlichen Frauenorganisationen ebenso wie DGB und Bauernverband. Vor allem sitzen in den Gremien Politiker.

So weit, so gut - jedoch ist das vermeintliche Ehrenamt oft üppig entlohnt. Hinter den monatlichen "Aufwandsentschädigungen" verstecken sich bis zu vierstellige Beträge, manchmal kommen noch Sitzungsgelder hinzu, oft Reisekosten, Tagegelder, Geschenke und Vergünstigungen. Beispiel WDR: Hier orientiert sich das Salär der 43 Rundfunkräte an den Diäten der Landtagsabgeordneten. Zwischen 20 und 25 Prozent der Diäten, das sind mindestens rund 1000 Euro monatlich, machen das Ehrenamt lohnend. Selbst die zweite Reihe ist weich gepolstert: Stellvertreter kassieren noch rund 500 Euro. Der Vorsitzende bekommt 3000. Hochgerechnet zahlt allein der WDR jährlich Millionen für die Räte, die schon in ihren Hauptberufen als Politiker, Lobbyisten und Funktionäre reichlich entlohnt sind.

Der BR (47 Rundfunkräte) schweigt offiziell über die Zahlungen. Es sei aber "deutlich weniger" als beim WDR, sagt Rats-Vorsitzender Bernd Lenze, eigentlich sogar "relativ bescheiden". Er selbst bekommt, so sagt man, 1200 Euro pro Monat, die meisten anderen 600 Euro, plus jeweils unter 100 Euro Sitzungsgeld und zum Einstand Fernseher, Radio und Satellitenschüssel. Mitkassierende Stellvertreter gibt es nicht.

Von den happigen WDR-Werten ist das ein Stück entfernt. In Zeiten drastischer Sparrunden solidarisch am eigenen Geldhahn zu drehen, liegt jedoch auch den bayerischen Räten fern. "Irgendwo muss man die Kirche im Dorf lassen", sagt Lenze, schließlich müsse man ja auch kompetente Leute finden, die das Ehrenamt übernehmen.

"Nicht üppig" sei die Entschädigung, sagt auch SPD-Medienpolitiker Peter Hufe, der nach eigenen Angaben 20 Prozent seiner Arbeitszeit auf den BR verwendet. Die Zusatzeinnahmen müsse er versteuern und zum Teil an die Genossen abführen, übrig bleibe gerade mal ein Drittel. Da noch zu kürzen, sagt Hufe, "wäre eine gute Geste, bringt aber effektiv nichts".

Angesichts der Gremienflut bei ARD und ZDF kommen trotzdem stattliche Summen zusammen, während die Sender auf der Einnahmenseite verbissen um jeden Gebühren-Cent ringen.

Noch dazu fallen die Rundfunkräte seit Jahrzehnten durch parteipolitisches Geschacher unangenehm auf: Ohne politische Rückendeckung wird kein Hauptabteilungsleiter benannt, sogar in Moderatoren-Besetzungen mischen sich die Räte ein. Bei ARD und ZDF sitzen sie in der ersten Reihe - ein allzu verlockender Platz.


 

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