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„Nobel“: Seehofer und Guttenberg in Niederbayern.  

Beim „Neufahrner Kreis“

Ein bisschen Rückkehr: Was bedeutet Guttenbergs Auftritt?

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In Niederbayern begegnen sich Horst Seehofer und Karl-Theodor zu Guttenberg bei einem Treffen junger CSU-Politiker, dem vor drei Jahren ins Leben gerufenen „Neufahrner Kreis“. Ein demonstrativer Auftritt.

Neufahrn – Die gepanzerte und bewachte Dienstlimousine des Ministerpräsidenten kommt gerade recht, um sich gemütlich darauf niederzulassen. Karl-Theodor zu Guttenberg lehnt sich also sehr lässig an den Kotflügel, streicht sich über den Dreitagebart und blickt seinen Parteichef an. Zur Schau gestellte größtmögliche Coolness prägt den Auftritt von Guttenberg mit Horst Seehofer am Samstag.

In Niederbayern begegnen sich beide bei einem Treffen junger CSU-Politiker, dem vor drei Jahren ins Leben gerufenen „Neufahrner Kreis“. Guttenberg ist einer der Co-Veranstalter, Seehofer ist erstmals als Gastredner eingeladen. Demonstrativ gemeinsam treten sie vor die Türe und die wartenden Kameras. Ihr Auftritt, schultertätschelnd, ist ein bewusstes Signal: Guttenberg kommt zurück. Der 2011 über eine Plagiatsaffäre gestolperte Ex-Minister wird im Bundestagswahlkampf für die Partei eintreten.

Der 45-Jährige will sich nicht um ein Bundestagsmandat bemühen, sondern weiter in den USA leben. Intern hat er aber, so ist zu hören, eine größere Wahlkampfveranstaltung in jedem Regierungsbezirk zugesagt. Er will dort schwerpunktmäßig über Außenpolitik reden. Die spiele ja eine immer größere Rolle, sagt er in Neufahrn: „Wenn ich dazu einen bescheidenen Beitrag leisten kann – gerne.“

Seehofer findet nicht jeden gut, der kein Bundestagsmandat anstrebt. Im Falle seines Finanzministers Markus Söder ärgert er sich sogar, dass der einen Wechsel nach Berlin ablehnt. Bei Guttenberg hält Seehofer das Engagement aber für „nobel“. Und: „Ich bin dem Karl-Theodor sehr dankbar.“ Die Reaktion aus der Partei sei positiv, aus der Bevölkerung noch stärker. Ausführlich lobt Seehofer den Gemeinschaftsgeist des Ex-Ministers. Spätere Ämter für ihn (vielleicht auch Außenminister) schließt er nicht aus: „Ach Gott, jetzt machen wir erst mal Wahlkampf.“

Bayerns SPD-Chef bei münchen.tv: Seehofer hat mit Merkel Spektakel veranstaltet

In der Partei sieht das nicht jeder so. „Zum fünften Mal wird die selbe Sau durchs Dorf getrieben“, sagt ein Abgeordneter gequält. Er meint Guttenbergs wiederholte Rückkehr-Andeutungen ebenso wie das stets aufgeregte Medienecho. Die Wahl 2013 habe man auch ohne ihn klar gewonnen.

In der internen Sitzung des Neufahrner Kreises kommen Seehofers Pläne aber gut an. Von langem Beifall wird berichtet, als er Guttenberg für seine außenpolitische Analysekraft als „Koryphäe“ bezeichnet. Seehofer argumentiert da, es sei sehr wichtig, im Wahlkampf mit „bekannten Gesichtern“ deutlich machen zu können, für welche Politik die CSU stehe.

Er kündigt zudem an, weitere Bedingungen für eine Koalition nach der Wahl zu formulieren. Bisher hatte er lediglich die Einführung einer Flüchtlings-Obergrenze als Bedingung genannt. Seehofer wirbt zudem vor den Parteifreunden für die Kanzlerkandidatin Angela Merkel, von der sich etliche CSUler mehr Aktivität wünschen würden. Der Wahlkampf werde „steinig“, sagt er. Im Miteinander liege die einzige Chance zum Erfolg. 

Einen Kommentar zum Thema lesen Sie hier.

Video: snacktv

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