„Erhebliche Summen“ stehen im Raum

Guttenberg verteidigt Merkel gegen alle Vorwürfe und feuert gegen Wirecard: „Einen derartigen Betrug“

Nach bald zehn Jahren hat Karl-Theodor zu Guttenberg wieder einen offiziellen Auftritt in Berlin. Der ehemalige Verteidigungsminister ist als Zeuge vor den Wirecard-Untersuchungsausschuss geladen.

  • Karl-Theodor zu Guttenberg ist als Zeuge vor den Wirecard-Untersuchungsausschuss des Bundestages geladen.
  • Seine Firma war in die Geschäfte von Wirecard verwickelt.
  • Zu Guttenberg soll seine Beziehung zu Bundeskanzlerin Angela Merkel genutzt haben.

Update vom 17. Dezember, 12.35 Uhr: Karl-Theodor zu Guttenberg hat die Bundesregierung im Skandal um den Bilanzbetrug bei Wirecard in Schutz genommen. Nach damaligem Kenntnisstand sei die Unterstützung von Kanzlerin Angela Merkel für das deutsche Fin-Tech richtig gewesen, sagte zu Guttenberg am Donnerstag im Untersuchungsausschuss des Bundestags. Der 49-Jährige war mit seiner Beratungs- und Beteiligungsfirma Spitzberg Partners vor der Insolvenz für Wirecard tätig und hatte den Kontakt ins Kanzleramt vermittelt. Merkel hatte sich daraufhin bei einer China-Reise im Jahr 2019 für Wirecard eingesetzt.

Im Ausschuss wies zu Guttenberg auch entschieden alle Vorwürfe zurück, er habe den mutmaßlichen Milliardenbetrug erahnen können. „Einen derartigen Betrug konnte man als Geschäftspartner - trotz gewisser Mutmaßungen in der britischen Financial Times - nicht erahnen“, betonte er. „Hätten wir gewusst, dass das Geschäftsmodell von Wirecard offenbar auf Betrug basiert, hätten wir dieses Dax-Unternehmen niemals beraten.“

Weder seine Firma noch er selbst hätten zu irgendeinem Zeitpunkt von Diskrepanzen in der Bilanzierung, von Geldwäsche oder anderen Straftaten gewusst, versicherte zu Guttenberg. Stattdessen habe man sich auf die offiziellen Bewertungen des Unternehmens und die staatlichen Prüfstellen verlassen.

Karl-Theodor zu Guttenberg vor dem Wirecard-Untersuchungsausschuss des Bundestages.

Guttenberg muss nach Berlin: Vorwürfe wegen Verhältnis zu Merkel - „Er wird uns gut erklären müssen ...“

Erstmeldung vom 17. Dezember: Berlin - Bald zehn Jahre sind vergangen seit dem Rücktritt von Karl-Theodor zu Guttenberg. Zu Guttenberg wurde im Februar 2011 beschuldigt, in seiner Doktorarbeit massiv plagiiert zu haben, kurz darauf legte er sämtliche politischen Ämter nieder. Einige Jahre lebte zu Guttenberg in den USA, in Deutschland zeigte sich der ehemalige Verteidigungsminister nur selten.

Zu Guttenberg ist jetzt Unternehmer, Berater und Lobbyist, hat mit „Spitzberg Partners“ eine eigene Firma gegründet, benannt nach dem 521 Meter hohen Hügel aus seiner oberfränkischen Heimat und mit Sitz in New York City. Die Firma versteht sich laut Eigenbeschreibung als „Unternehmensberatungs- und Investmentfirma“, arbeitet „an der Schnittstelle zwischen öffentlichem und privatem Sektor“ und will Kunden „zeitnahe Einblicke“ in geopolitische, interstrukturelle und internationale regulatorische Änderungen geben.

Guttenberg zurück in Berlin: Ehemaliger Verteidigungsminister sagt vor Wirecard-Ausschuss aus

Zu Guttenbergs Firma Spitzberg Partners war unter anderem darin involviert, Wirecard den Weg nach China zu ebnen. Im September 2019 gab es dazu ein Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel im Kanzleramt, wenige Tage später war Wirecard dann Thema auf Merkels China-Reise, obwohl damals schon schwere Vorwürfe gegen das Finanzunternehmen im Raum standen. Rund zwei Monate später gab Wirecard bekannt, Anteile an der chinesischen Firma AllScore Payment Services zu kaufen.

An diesem Donnerstag wird zu Guttenberg nun erstmals wieder nach seinem Rücktritt als Verteidigungsminister im politischen Berlin auftreten. Er ist als Zeuge vor dem Wirecard-Untersuchungsausschuss des Bundestages geladen. Das berichtet NTV.de. Florian Toncar, der die FDP im Gremium vertritt, sagte NTV.de: „Der Deal in China wurde damals gefeiert, weil bis dahin noch nie ein europäischer Konzern eine Mehrheit an einem chinesischen Finanzmarktunternehmen hatte.“ Er wirft Merkel „keine böse Absicht“ vor, trotzdem sei das ein folgenschwerer Fehler und Beleg fehlender Distanz zu Guttenberg gewesen.

Guttenberg vor Befragung in Berlin: Beziehung zu Ex-Wirecard-Vorständen Markus Braun und Jan Marsalek im Fokus

Für Wirecard und den Ex-Vorstandschef Markus Braun war das Geschäft in China ein wichtiger Meilenstein. Braun habe die „Wachstumsgeschichte seines Unternehmens“ weitererzählt und damit Investoren getäuscht. Vor allem der Zeitpunkt, zu dem Bundeskanzlerin Merkel eingegriffen hat, bewertet der FDP-Politiker als problematisch. „Da waren Spekulationen über Bilanzfälschungen und fragwürdige Deals mit Wirecard-Aktien schon bekannt, auch im Kanzleramt.“ Toncar vermutet, zu Guttenbergs Firma sei erst eingeschaltet worden, „nachdem Wirecard merkte, dass Dorothee Bär das Tor zur Kanzlerin nicht geöffnet kriegt.“ Bär, die im Kanzleramt als Staatsministerin die Digitalisierung voranbringen soll, hatte versucht, ein Gespräch zwischen Braun und Merkel zu vermitteln.

Für die Befragung zu Guttenbergs kündigte auch die große Koalition einen umfassenden Fragenkatalog an. SPD-Ausschussvertreter Jens Zimmermann sagte dazu: „Herr Guttenberg wird uns gut erklären müssen, wie die Anbahnung im Kanzleramt für sein Gespräch mit der Kanzlerin lief und wie viel er damit verdient hat.“ Es stünden „erhebliche Summen“ im Raum. Auch die Beziehung zwischen Braun, dem flüchtigen Ex-Vorstand Jan Marsalek und zu Guttenberg solle dieser erklären. „Da wird ja seit Wochen an der Legende gestrickt, das Kanzleramt habe von den Hintergründen nichts wissen können.“

Rubriklistenbild: © Michele Tantussi/dpa

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