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Karl-Theodor zu Guttenberg, 45, Ex-Minister.

Zu Gast in München

Guttenberg warnt Deutsche vor „Klugscheißerei“

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Der Ex-Minister, noch im US-Exil, tritt wieder häufiger in Bayern auf und warnt vor wachsendem Anti-Amerikanismus.

München – Neulich bekam Karl-Theodor zu Guttenberg einen Brief, der ihn ein gerüttelt Maß stolz machte. Der erzkonservative TV-Sender Fox News teilte mit, ihn bis auf Weiteres nicht mehr als Gast in Sendungen einzuladen. Er habe in einem Live-Gespräch Donald Trump mit einer Comic-Figur der Simpson-Reihe verglichen. „Den Brief werde ich mir irgendwann aufs Klo hängen“, erzählt Guttenberg heiter.

Die Anekdote, wie er sie schildert, taugt für einen Lacher beim Auftritt am Montag in München. Vor Unternehmern und Gästen der „Münchner Wirtschaftstafel“ um Heinrich Traublinger hält der Gast eine launige Rede. Seine Kernbotschaft illustriert das aber nur bedingt. Trotz allen Ärgers um Trump, trotz dessen „orgastischer Tweet-Ergüsse“ und seines „lange nicht gesehenen Ausmaßes an Inkompetenz“, dürfe man das transatlantische Verhältnis nie schleifen lassen, rät Guttenberg. Deutschland dürfe die enge Bindung an den „größten Wirtschaftsraum der Welt nicht opfern, weil einem der blonde Typ an der Spitze des Landes nicht passt“.

Guttenberg lebt mit seiner Familie seit nun rund sechs Jahren, also seit dem Abtritt als Bundesverteidigungsminister, an der Ostküste der USA. Er sieht in seiner alten Heimat Deutschland das Risiko eines bedenklich wachsenden Antiamerikanismus. „Für die Drecksarbeit haben wir die Amerikaner gelegentlich gerne. Aber sonst sind wir ihre ersten und schärfsten Kritiker.“ Er warnt seine Landsleute vor dem „Habitus der nicht untypischen deutschen Klugscheißerei – erhobener Zeigefinger, das können wir gut“. Damit erreiche man politisch aber nichts.

Guttenberg rät Europa, sich nicht zurückzulehnen und auf ein Ende der Trump-Zeit zu warten, sei es durch ein Amtsenthebungsverfahren oder wachsende Amtsmüdigkeit; beides seien mögliche, aber nicht wahrscheinliche Szenarien. Stattdessen sollten deutsche Akteure auf anderen Ebenen die Kontakte zu den USA stärken: bei Gouverneuren, bei Kongressmitarbeitern, „Kärrnerarbeit“ eben. Zudem dürfe man die Administration nicht ganz abschreiben: „Es gibt noch einige Vernunftbegabte in der amerikanischen Regierung.“ Auch wenn das Land einen „kastrierten Außenminister“ habe, weil 400 Diplomatenstellen unbesetzt seien.

Mit Ratschlägen an die Bundesregierung hält sich der Exil-Oberfranke zurück. Er empfiehlt lediglich einen genaueren Blick auf den Nordkorea-Konflikt. „Wir sagen gerne, mei, is’ weit weg. Aber sollte es zu einem militärischen Konflikt mit Nordkorea kommen, brennt die Welt.“ An Deutschland werde immer lauter die Forderung herangetragen werden, eine ausgleichende Rolle in diesem Konflikt zu übernehmen.

In die Innenpolitik mischt sich Guttenberg nicht ein. Ihm werden sich bessere Gelegenheiten bieten. Im Wahlkampf steht der Ex-Minister der CSU für mehrere Auftritte zur Verfügung, einer pro Bezirk ist vereinbart. Bisher bekannt ist sein Auftritt als Hauptredner im September auf dem Gillamoos in Abensberg. Ein dauerhaftes Wiederauftauchen in der deutschen Politik ist nach wie vor unwahrscheinlich. Wie bei fast jedem Besuch kokettiert er auch diesmal mit einer Rückkehr: „Was hält einen noch in einem Land, in dem man es mit einem twitternden Narzissten zu tun hat?“ Dennoch werde er nur „von Zeit zu Zeit“ nach München kommen.

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