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Lassen sich Zeit: Ministerpräsident Seehofer und sein Minister Spaenle (r.).

Spaenle

Gymnasium: Konzept erst nach Volksbegehren

München – Die Zukunft des bayerischen Gymnasiums wird sich frühestens Ende Juli entscheiden. Das Kabinett legte a, Dienstag den Fahrplan für die angestrebte Überarbeitung des G8 fest.

Pikant: Die Regierung will ihre Vorschläge erst vorlegen, wenn die Eintragungsfrist für das Volksbegehren der Freien Wähler am 16. Juli abgelaufen ist.

Bis dahin wird vor allem viel geredet, auch wenn die Argumente eigentlich längst bekannt sind: Den Auftakt macht am kommenden Dienstag ein öffentliches Dialogforum im Kultusministerium, bei dem eine Bestandsaufnahme erfolgen soll. Auch Hochschul- und Wirtschaftsvertreter berichten von ihren Erfahrungen mit dem heutigen G8. Nach diesem großen Aufschlag redet man in kleineren, nicht-öffentlichen Werkstattgesprächen über Details, ehe es am 21. Juli nochmals ein größeres Forum gibt. Dann – Ende Juli, Anfang August – will Kultusminister Ludwig Spaenle einen Zwischenbericht vorlegen. Der zeigt, wohin die Reise geht.

In diesem Procedere liegt vor allem viel Symbolik: Hinterher soll keiner mehr über das Gymnasium meckern dürfen. Zugleich stellt die Staatsregierung demonstrativ klar, dass sie sich nicht vom Volksbegehren der Freien Wähler unter Zeitdruck setzen lässt. Sie nimmt ihnen nur ein wenig den Wind aus den Segeln, indem Staatskanzleichefin Christine Haderthauer ankündigt, am Ende des Prozesses werde auf jeden Fall eine Reform des Gymnasiums stehen.

Wohin genau die Reise geht, lässt sich nur erahnen. Während sich die SPD am Wochenende klar zum neunjährigen Gymnasium bekannt hat, will sich die CSU noch nicht vom achtjährigen verabschieden. Spaenle möchte den Schulstoff für acht Jahre als Grundlage nehmen, den Schülern aber unterschiedlich lang Zeit dafür geben. Klingt eher nach G8 mit Wahlmöglichkeit. Nur: Dass alle Schulen, gerade auch auf dem Land, eine solche Wahlmöglichkeiten bieten, gilt eigentlich als nicht finanzierbar. SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher spricht von einem „gemeinsamen Kraftakt“. Und sagt: „Wir alle müssen uns bewegen.“

Bemerkenswert ist derzeit auch, wie die Parteien mit den Freien Wählern umgehen, die nach wie vor keine Unterstützer für ihr Volksbegehren haben. Die CSU bemüht sich um maximale Nichtbeachtung. Michael Piazolo, der die Federführung des Begehrens hat, spricht von „taktischen Spielchen“ und nennt Spaenles Zeitplan ein „Armutszeugnis“. Doch auch innerhalb der Opposition knirscht es gewaltig. SPD-Mann Rinderspacher geißelt den „Alleingang“ der Freien Wähler. Ihr Begehren richte sich „gegen den Willen der Betroffenen“. Ja, er spricht ihnen sogar die Kompromissfähigkeit ab: „Die Freien Wähler haben sich an ihren Gesetzentwurf gekettet.“

Es dürfte noch eine muntere Debatte werden. Bis Ende Juli.

Mike Schier

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