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Menschen legen nach dem Amoklauf Blumen am OEZ nieder.

Informationen des Finanzministeriums

Hackerangriff während des Amoklaufs in München

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München - Während des Amoklaufs am OEZ in München gab es einen Angriff auf das Behördennetz: Die Kommunikation der Polizei hätte massiv gestört werden können. Es gibt keine Hinweise auf eine direkte Verbindung zum Täter.

Der Amoklauf des 18-jährigen David S. forderte zehn Tote und versetzte am 22. Juli ganz München in Panik. Nach vielen Stunden gelang es der Polizei, mit einem Großaufgebot die unübersichtliche Lage in den Griff zu kriegen – auch dank polizeilicher Datenbanken und im Internet hochgeladenem Beweismaterial von Augenzeugen. Doch offenbar war der Zugriff auf die Computersysteme von Polizei und Staatsverwaltung im Laufe des Abends massiv gefährdet. Das geht aus Informationen des bayerischen Finanzministeriums hervor, dem auch die Stelle für die IT-Sicherheit der bayerischen Verwaltung unterstellt ist. Ein Papier mit einer Zusammenfassung der Ereignisse liegt unserer Zeitung vor.

Der Hackerangriff auf das Behördennetz begann demnach um 20:39 Uhr. Knapp drei Stunden, nachdem am Olympia-Einkaufszentrum die ersten Schüsse gefallen waren und lange bevor die Polizei um 1:26 Uhr schließlich Entwarnung geben konnte. Die Angreifer versuchten offenbar, den zentralen Internetübergang des Freistaats mit Datenpaketen zu „verstopfen“. Um 20:47 Uhr war der Datenverkehr laut Ministerium 3000 Mal höher als sonst üblich.

Dem Papier zufolge hätten durch den Angriff sämtliche Internetanwendungen der Verwaltung und der Polizei gestört werden können. Dazu gehören polizeiliche Datenbanken, auf die die Polizisten auch vom Handy aus zugreifen können. Auch die elektronische Kommunikation über E-Mail hätte nicht länger funktioniert. Die Handykommunikation der Einsatzkräfte und der Polizeifunk wären nicht betroffen gewesen.

Die Beamten hatten Augenzeugen dazu aufgerufen, Videos und Fotos hochzuladen, um den Täter zu identifizieren und mögliche weitere Täter zu ermitteln. Die eingerichtete Webseite war kurz nach 21 Uhr für einige Minuten gestört – offenbar eine direkte Folge des Hackerangriffs. Um 21:10 Uhr erklärten die IT-Experten den Angriff dann nach gut zwanzig Minuten für abgewehrt.

Über die Hintergründe des Angriffs wisse man nichts, sagte Finanzminister Markus Söder gestern gegenüber unserer Zeitung. Und das werde leider auch so bleiben. „Die Spuren im Netz sind nicht lesbar. Du hast nur die Chance, dich dagegen zu wehren.“ Man dürfe nicht unterschätzen, dass es auch Chaoten gebe, die Spaß daran hätten, Chaos zu stiften. Von gezielten Angriffen aus politischen Motiven will Söder in diesem Fall ausdrücklich nicht sprechen. Den Informationen des Ministeriums zufolge besteht auch kein direkter Zusammenhang zwischen dem Amoklauf und dem Hackerangriff. Die wahrscheinlichste Variante ist wohl, dass Hacker die unübersichtliche Situation nutzten, um in einem vermeintlich günstigen und unbeobachteten Moment einen erfolgreichen Angriff durchzuführen. „Darauf muss man sich als neue Gefahr einfach einstellen“, sagte Söder.

Das Behördennetz umfasst rund 300 000 Computer. Am Dienstag hatte der Finanzminister die Gründung eines eigenen Landesamts für die IT-Sicherheit mit 200 Spezialisten angekündigt. Söder zufolge waren die bisher kaum bekannten Ereignisse am 22. Juli ein wichtiger Grund für diese Entscheidung.

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