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Teure Modellautos, die teils 30 000 Euro kosteten, verkaufte das Paar Haderthauer an leidenschaftliche Sammler weltweit.

Es geht um möglichen Steuerbetrug

Haderthauer: Razzia wegen Modellautos

München - Steuerermittler haben in Straubing die Computer und Akten vom Ehemann von Christine Haderthauer beschlagnahmt. Im Fokus der Razzia: Die Produktion von sündhaft teuren Modellautos. Es geht um möglichen Steuerbetrug.

Die "Modellauto-Affäre" um den Ehemann von Christine Haderthauer (51), Chefin der Bayerischen Staatskanzlei, ist jetzt auch ein Fall für die Staatsanwaltschaft geworden. Wie die tz erfuhr, ließ die Behörde am vergangenen Mittwoch im Hochsicherheitstrakt des Bezirkskrankenhauses Straubing Computer und Akten sicherstellen und führte Vernehmungen durch. Genau dort, wo Mediziner Hubert Haderthauer lange seine Autos der Firma Sapor Modelltechnik herstellen ließ. Die geheimnisvolle Razzia – die Regierung von Niederbayern, die als Aufsichtsbehörde für das Bezirkskrankenhaus in Straubing zuständig ist, bestätigte gestern der tz: "Das Verfahren richtet sich nicht gegen die Klinik oder Klinikmitarbeiter. Es geht um die Modellautos", so eine Sprecherin. Die Fragen, die die Ermittler beschäftigten: Wie viele Autos wurden damals überhaupt gebaut? Und wie viele sind in Rechnung gestellt worden? Es geht also um möglichen Steuerbetrug!

Modellautos erzielten bei Sammlern zum Teil sechsstellige Erlöse

Die zuständige Staatsanwaltschaft München II wollte zu der Aktion, an der auch acht Steuerfahnder vom Zoll teilnahmen, keine Stellungnahme abgeben. Der knappe Kommentar des Behördensprechers: "Wir sagen nichts."

Zur Erinnerung: Im Straubinger Bezirkskrankenhaus, in dem gefährliche, psychisch kranke Straftäter untergebracht sind, wurden viele Jahre lang sündhaft teuere Modellautos gebaut. Die Federführung bei der Produktion der begehrten Flitzer, die im Einzelfall bis zu sechsstellige Erlöse auf dem Sammlermarkt erzielen, hatte ein handwerklich genialer Dreifachmörder. An der Firma Sapor Modelltechnik, die die Autos von den kranken Straftätern produzieren ließ und vermarktete, waren abwechselnd als Gesellschafter und Geschäftsführer Christine Haderthauer und dann ihr Mann Hubert (der Landgerichtsarzt in Ingolstadt ist) beteiligt.

Ex-Geschäftspartner fühlt sich von Haderthauers betrogen - Anzeige

Für die umstrittenen Geschäfte interessiert sich bereits die Landesanwaltschaft als oberste Disziplinarbehörde für Bayerns Beamte. Sie ermittelt seit fast einem Jahr gegen Hubert Haderthauer wegen möglicher Dienstverstöße in Zusammenhang mit außergerichtlichen Tätigkeiten, will sich aber zum Stand der Ermittlungen nicht äußern. Bei der Staatsanwaltschaft in Ingolstadt ist darüber hinaus eine Strafanzeige anhängig, die der frühere Geschäftspartner der Haderthauers, der Franzose Roger Ponton, vor wenigen Wochen erstattete. Er fühlt sich von dem Ehepaar betrogen und über den Tisch gezogen. Christine Haderthauer bezeichnet Pontons Vorwürfe als "absurd". Hader­thauer beteuert im Übrigen, die Firma bereits 2003 (damals zog sie als Abgeordnete in den Landtag ein) an ihren Mann übertragen zu haben, um keinen Interessenskonflikten als Politikerin ausgesetzt zu sein.

Die Strafanzeige, die den Aussagen von Ponton-Anwalt Malte Magold zufolge auch Hinweise auf mögliche Steuerdelikte liefere, hat aber mit der Razzia im BKH nichts zu tun. Der Sprecher der Ingolstädter Staatsanwaltschaft sagte: "Wir prüfen die Strafanzeige noch und haben bisher kein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Es besteht noch Fragen- und Aufklärungsbedarf, bevor das entschieden wird."

Anwalt: Präsentierte Umsatzzahlen haben mit der Realität nichts zu tun

In der Strafanzeige und den bereits laufenden Ermittlungen spielt die Zahl der produzierten Modellautos eine entscheidende Rolle. War es ein heimliches Millionengeschäft, worauf nach Aussage Magolds vieles hindeutet? "Sicher ist, dass die Umsatzzahlen, die meinem Mandanten von den Haderthauers präsentiert worden sind, mit der Realität nichts zu tun haben", wird der Anwalt deutlich. Sein Mandant Poton hatte bereits bei einer Vernehmung durch die Landesanwaltschaft in München im vergangenen Jahr diesbezügliche Vorwürfe erhoben. Stellt sich die Frage: Löste genau diese Aussage das Interesse der Finanzbehörden und der Staatsanwaltschaft aus? Wurden deshalb nun die Räume in Straubing durchsucht?

Wie die tz erfuhr, interessierten sich im Straubinger Bezirkskrankenhaus am vergangenem Mittwoch die unangemeldeten Besucher unter Leitung eines Oberstaatsanwaltes ausschließlich für die Produktion der Automodelle. Alle in Frage kommenden Akten und Daten wurden sichergestellt. Ausführlich vernommen wurde zudem der Konstrukteur der Modelle, der Serienmörder mit einem Intelligenzquotient von 150. Ihn hatte Hubert Haderthauer engagiert, um die Autos mit seinen filigranen Fingern zu basteln.

Und Hubert Haderthauer selbst? Dessen Anwalt Michael Regler bestätigte gestern der tz die Razzia: „Es geht bei diesen Ermittlungen um eine Steuersache, die meinen Mandanten Dr. Haderthauer betrifft“, so der Jurist. Und weiter: „Jetzt werden wir die Ergebnisse abwarten.“

Armin Geier, Helmut Reister

Der Fall Hubert Haderthauer

Eigentlich ist Hubert Haderthauer Mediziner: Er arbeitet als Landgerichtsarzt in Ingolstadt. Doch der Familienvater hat auch eine Leidenschaft für Modellautos. Aus diesem Grund entstand die Firma „Sapor Modellbautechnik“, an der zunächst Christine Haderthauer und später ihr Mann zur Hälfte beteiligt waren. Hubert Haderthauer war bis einschließlich 2008 Miteigentümer der Firma Sapor Modelltechnik. Zweck des Unternehmens war die Produktion und Vermarktung edler Modellautos, die von psychisch kranken Straftätern in den Bezirkskrankenhäusern Ansbach und Straubing hergestellt wurden und bei Sammlern hohe fünf- bis sechsstellige Preise erzielten. Das Zusammenbauen der Autos habe auch eine therapeutische Wirkung bei den gewalttätigen Gefangenen, betonte der Mediziner. Schnell stellte sich somit aber auch die Frage: Wie viel verdiente Haderthauer mit dem Modellgeschäft? Wurden hier gar Strafgefangene ausgenutzt, um Profit zu machen? Von „Ausnutzung oder Ausbeutung Schutzbefohlener“ sprach die Landtagsfraktion der Grünen in einem Dringlichkeitsantrag im vergangenen Jahr. Es wird noch immer ermittelt.

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