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Osama bin Laden wurde am 2. Mai 2011 vom US-Militär getötet.

Brisante und skurrile Einblicke

Trickfilme, Häkel- und Familien-Videos: Archiv zu Bin Laden veröffentlicht

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Fast eine halbe Million Videos, Tonaufnahmen und Dokumente – die CIA hat ein großes Archiv von Osama Bin Laden ins Internet gestellt. Gut sechs Jahre nach dessen Tod liefert es brisante und skurrile Einblicke.

München – Als meistgesuchter Terrorist der Welt, da war man sich bisher als Außenstehender sicher, führt man ein ungewöhnliches Leben. Der große Hass. Die vielen Gegner. Die ständige Furcht, aufgespürt zu werden. Nun aber hat der US-Geheimdienst CIA einen riesigen Datensatz aus dem Besitz Osama Bin Ladens veröffentlicht. Und siehe da, so ungewöhnlich scheint dessen Leben in seinem langjährigen Versteck in Pakistan meist nicht gewesen zu sein.

Trickfilme von „Ice Age“ bis „Tom und Jerry“, Tipps zum Häkeln von Figuren, Videos aus dem Familienalltag – die veröffentlichten Dateien lassen auf ein weithin gewöhnliches Privatleben schließen. Wären da nicht die zwei Meter hohen Mauern um das Anwesen unweit der pakistanischen Hauptstadt Islamabad. Wäre da nicht der immer enger werdende Fahndungsring der CIA, gipfelnd in der Erschießung Bin Ladens und anderer Familienmitglieder in der Nacht zum 2. Mai 2011.

Das alles mag Zeitgeschichte sein – aber die Figur Bin Laden ist weiter relevant. Deshalb ist der skurrile Teil der Veröffentlichung (auch eine kleine Porno-Sammlung sowie Dokus über Bin Laden selbst sollen darunter sein) der unwichtigere Aspekt. Wichtiger sind Erkenntnisse über die Strukturen von Bin Ladens Terrororganisation, die heute in bizarrer Konkurrenz zu den wohl noch brutaleren IS-Extremisten steht.

Live am Bildschirm, Mai 2011: Barack Obama (2.v.l.) und Hillary Clinton (2.v.r.).

Einige US-Forscher konnten das Archiv vorab einsehen. Stellvertretend sagt Thomas Joscelyn vom Politik-Institut Foundation for Defense of Democracies (FDD): „Diese Dokumente sind entscheidend für das Verständnis der Geschichte Al-Kaidas und liefern neue Erkenntnisse über die Geschichte des Islamischen Staates und dessen Vorgänger-Organisationen.“

Die Forscher gehen nun davon aus, dass Bin Laden bis zuletzt El-Kaida-Chef war. Aus seinem Versteck soll er Anweisungen an regionale Ableger-Gruppen in Somalia oder auf der Arabischen Halbinsel erteilt haben. Bisher hatte man vermutet, dass der Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001 die Verantwortung schon vor seinem Tod abgegeben hatte.

Eine wichtige Rolle soll inzwischen Bin Ladens wohl 1989 geborener Sohn Hamza spielen. Auch zu ihm liefert der Datensatz Neuigkeiten. Erstmals zeigt ihn ein veröffentlichtes Foto als Erwachsenen – bei Cola und Süßigkeiten während der eigenen Hochzeit. Pikanterweise wohl im Iran.

Teheran taucht auch an anderer Stelle auf. Interne Notizen sollen belegen, dass eine Verbindung zwischen dem schiitischen Iran und den sunnitisch geprägten Terrorgruppen Al-Kaida und IS bestanden hat. Das dürfte US-Präsident Donald Trump in seiner Strategie gegen den Iran bestärken. Auch wenn die finanzielle Unterstützung des Iran für Al-Kaida offenbar Jahre her ist. Und auch wenn im Anschluss einige Al-Kaida-Terroristen in iranischen Gefängnissen landeten.

Satelliten-Aufnahme von Abbottabad, in der Mitte der mutmaßliche Unterschlupf von Osama bin Laden (Foto von 2005).

Die kommenden Wochen werden weitere Schlagzeilen liefern, auch deutschsprachige Terrorismus-Experten wühlen sich nun durch die Datenmenge (550 Gigabyte). Britische Medien stützen sich derweil auf ein anderes Puzzlestück. In einer persönlichen Notiz erklärt Bin Laden, wo und wie seine radikale Ablehnung der westlichen Lebensweise ihren Anfang nahm. Auflösung: bei einem Besuch von Shakespeares vermutetem Geburtsort Stratford-upon-Avon. Dort sei ihm als 13-Jährigem die moralische Verkommenheit dieser Gesellschaft klar geworden.

Schon 2012 und 2015 hat die CIA Teile des Archivs veröffentlicht. Seinerzeit hatte sich das Bild eines vorsichtigen und ängstlichen Mannes festgesetzt. Allerdings wurden nur gut hundert Dokumente veröffentlicht. Nun sind es 470.000 Dateien.

Von Maximilian Heim

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