Diagnose da: So lange fehlt Müller dem FC Bayern

Diagnose da: So lange fehlt Müller dem FC Bayern
+
Es werde Licht - Leuchten und Bewegungsmelder gegen Einbrecher.

Alle drei Minuten steigen Kriminelle in Deutschland in Wohnungen ein

Härtere Strafen für Einbrecher: Reicht das?

  • schließen

Alle drei Minuten steigen Kriminelle in Deutschland in Wohnungen ein. Künftig werden Einbrecher härter bestraft! Reicht das als Abschreckungseffekt?

Der Bundestag verabschiedete ein Gesetz, wonach die Kriminellen künftig mit einer Mindeststrafe von einem Jahr Haft rechnen müssen. Zudem sollen Ermittler zusätzliche Möglichkeiten bei der Verfolgung bekommen, denn die Aufklärungsquote ist mit nur 16,9 Prozent bisher erschreckend niedrig. Was sich genau ändern soll – doch, reicht der Abschreckungseffekt durch härtere Strafen aus?

Was ändert sich?

Bislang ist bei Wohnungseinbrüchen eine Strafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren vorgesehen – in „minder schweren Fällen“ sind es bisher drei Monate bis fünf Jahre. Künftig soll der Strafrahmen zwischen einem und zehn Jahren liegen. „Minder schwere Fälle“ soll es bei Einbrüchen gar nicht mehr geben.

Welche zusätzlichen Möglichkeiten soll die Polizei bekommen?

Einbrüche in Privatwohnungen sollen mit auf die Liste der Delikte kommen, bei denen Ermittler die Vorratsdatenspeicherung nutzen dürfen – bei denen sie also unter bestimmten Bedingungen auf Daten zurückgreifen dürfen, die Telekommunikationsanbieter für bis zu zehn Jahre speichern müssen. Den Abruf der Informationen muss ein Richter erlauben.

Allerdings! Nur drei Tage vor Inkrafttreten der Pflicht zur Vorratsdatenspeicherung hat die Bundesnetzagentur am Mittwoch den Speicherzwang für Internet-Provider und Telefonanbieter vorläufig ausgesetzt. Nach einem Urteil im Eilverfahren des Oberverwaltungsgerichts NRW, wonach die Regelung nicht mit europäischem Recht vereinbar sei, soll jetzt erst die juristische Entscheidung im Hauptverfahren abgewartet werden. Das heißt: Auch die besseren Ermittlungsmöglichkeiten gegen Einbrecher liegen vorerst auf Eis.

Vielen Experten reichen die beschlossenen Maßnahmen nicht. Was könnte die Regierung noch tun?

Rainer Wendt, der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), fordert: „Jetzt müssen die Länder ran und das Personal bei der Polizei aufstocken!“ Andernfalls bleibe der gewünschte Abschreckungs-Effekt aus. Außerdem meinte Wendt, dass für Neubauten die Bauvorschriften geändert werden und einbruchssichere Türen und Fenster vorgeschrieben werden müssten. Jörg Radek, Vize der Gewerkschaft der Polizei, forderte, dass die Bürger beim Einbau von Sicherungstechnik für Wohnungen und Häuser finanziell mehr unterstützt werden müssten. Denkbar sei die steuerliche Absetzbarkeit von entsprechenden Baumaterialien wie Fenster, Schlösser und Beschläge. SPD-Fraktionsvize Eva Högl fordert zudem verbindliche Vorgaben im Baurecht, um Neubauten von Beginn an einbruchsicher zu machen.

Wie oft schlagen in Deutschland Einbrecher zu?

Im Schnitt wird alle drei Minuten irgendwo in Deutschland von Kriminellen versucht, eine Wohnungstür aufzuhebeln! Die Zahl der Einbrüche stieg 2015 um fast zehn Prozent auf den Rekordwert von gut 167.000. 2005 waren es noch 109.736 Fälle, 2016 dann 151.000. In Bayern wurde 2016 knapp 7500-mal in Wohnungen eingebrochen. Umgerechnet auf die Einwohnerzahl kommen auf 100.000 Einwohner in Bayern 58 Wohnungseinbrüche, der niedrigste Wert in der Bundesrepublik.

Was tut Bayern gegen die Einbrecher-Banden?

Bayern hat vor einem Jahr mit Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz eine Allianz zur länderübergreifenden Verfolgung von Einbrechern geschmiedet. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) setzt auf erhöhten Fahndungsdruck sowie die Prognosesoftware Precobs, die mögliche Einbruchsziele vorherzusagen versucht. Haus- und Wohnungsbesitzer sowie Mieter können Zuschüsse zwischen 50 und 1500 Euro der KfW für Maßnahmen zur Sicherung gegen Wohnungs- und Hauseinbrüche in Anspruch nehmen.

Psychisches Leid am schlimmsten

Carola Wacker-Meister, Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer Weißer Ring:

Carola Wacker-Meister, Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer Weißer Ring.

Bei einem Einbruch geht es um etwas sehr Intimes: um die Verletzung der eigenen Privatsphäre. Fühlte man sich vor dem Einbruch in den eigenen vier Wänden noch sicher, ist dies nach dem Einbruch oft nicht mehr der Fall. Die damit verbundenen psychischen Belastungen machen Opfern oft mehr zu schaffen als der materielle Schaden. Wir sagen seit jeher, dass ein Einbruch alles andere als ein Bagatell-Delikt ist. Er kann durchaus psychische Folgen nach sich ziehen: zum Beispiel Unruhe, Angstzustände, Schlaflosigkeit oder auch Gereiztheit. 15 bis 20 Prozent aller Einbruchsopfer müssen mit langfristigen Ängsten und psychosomatischen Belastungen kämpfen. Und jeder Achte denkt nach einem Einbruch sogar über einen Umzug nach, weil er sich zu Hause nicht mehr sicher fühlt. 

Manche Einbruchsopfer quält der Gedanke, sie hätten den Einbruch verhindern können: zum Beispiel durch mehr Aufmerksamkeit oder durch anderes Verhalten im Vorfeld Und manche geben sich dann sogar eine Teilschuld am erfolgten Einbruch. Dass dem tatsächlich so ist, trifft allerdings höchst selten zu.

Ein Problem beim Thema Wohnungseinbruch ist die geringe Aufklärungsquote. Dementsprechend gravierend sind auch die Belastungen für Opfer, denn sie können mit der Tat und ihren Folgen nicht abschließen. Es ist wichtig, dass sich hieran etwas ändert. Opfer erwarten vom Staat ein konsequentes Vorgehen gegen die Täter, das heißt konkret: genaue Aufklärung der Straftat und angemessene Ahndung.

Klaus Rimpel

Das Polizeipräsidium München ist in 25 Inspektionsgebiete in der Stadt und im Landkreis München unterteilt – deren Nummern noch aus der Zeit vor der Neuordnung des Präsidiums stammen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Größer, männlicher, rechter: Zwölf Fakten zum neuen Bundestag
So stark wie diesmal hat sich der Bundestag seit Jahrzehnten nicht mehr verändert. Zwölf Besonderheiten des neuen Parlaments.
Größer, männlicher, rechter: Zwölf Fakten zum neuen Bundestag
Lebenslänglich wegen Polizistenmord für Reichsbürger
Im Morgengrauen schießt er auf Beamte einer Spezialeinheit. Ein Polizist stirbt, zwei weitere werden verletzt. Für seine Tat hat der „Reichsbürger“ aus Mittelfranken …
Lebenslänglich wegen Polizistenmord für Reichsbürger
Bericht: CDU will Mietpreisbremse auslaufen lassen
Berlin (dpa) - Die CDU will sich von der Mietpreisbremse verabschieden, berichten die "Stuttgarter Nachrichten" unter Berufung auf Unionskreise. Ziel sei es, sich bei …
Bericht: CDU will Mietpreisbremse auslaufen lassen
Parteien und Fraktionen bereiten erste Bundestagssitzung vor
Teures Jamaika? In der Union wird gerechnet. Die Forderungen der möglichen Partner könne die Schwarze Null in den roten Bereich drücken, heißt es laut einem …
Parteien und Fraktionen bereiten erste Bundestagssitzung vor

Kommentare