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Weingott auf dem Bierfest: Der Grüne Anton Hofreiter.

Politischer Frühschoppen

Gillamoos: Hagelsturm im Wasserglas

Abensberg - Politischer Frühschoppen  am Gillamoos in Abensberg: Grüne, SPD und Freie Wähler wettern gegen die Maut – manch einer, wie etwa der Grüne Anton Hofreiter - hat sich vorgenommen, so ziemlich alle Politik-Themen in seine Rede zu packen.

Anton Hofreiter hat sich offenkundig vorgenommen, fast alle politischen Themen dieser Tage in seiner Rede unterzubringen. Auf dem Gillamoos in Niederbayern spricht der Vorsitzende der grünen Bundestagsfraktion am Montag über die Ukraine, über den syrischen Bürgerkrieg, über die IS-Kämpfer im Nordirak. Schwere Kost. Aber natürlich lässt Hofreiter auch die Pkw-Maut nicht aus, die Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) gerade ein paar Meter weiter gegen alle Kritik verteidigt hat.

„Der Maut-Quatsch von Minister Dobrindt bringt ja nicht mal Geld ein“, ruft Hofreiter. Das ganze Projekt sei unsinnig und nur ein Wahlkampfthema, niemand habe an die Umsetzung gedacht. Dafür gibt es von den meisten Zuschauern Applaus, aber richtige Volksfeststimmung sucht man bei den Grünen vergebens. Das liegt nicht zuletzt am Ambiente. Hofreiter spricht im Weinzelt, über seinem Kopf rankt sich Grünzeug um einen Holzbalken. Nachdem er sich in Rage geredet hat, sieht er mit seinen geröteten Wangen ein bisschen aus wie Bacchus, der Weingott.

Bierseliger soll es eigentlich nebenan bei der SPD zugehen. Thorsten Schäfer-Gümbel ist gekommen, einer der stellvertretenden Bundesvorsitzenden. Aber die Bänke im großen Bierzelt bleiben zur Hälfte leer, anders als im vergangenen Jahr beim Auftritt des damaligen Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück. Ein Tisch älterer Herren auf die Frage, warum man gekommen sei: „Weil wir immer kommen.“

Schäfer-Gümbel gilt als fleißig und zielstrebig – ein mitreißender Redner ist er nicht. „15 von 16 Bundesländern wollen die Maut so wenig wie einen Hagelsturm im Sommer“, stellt er auf dem Gillamoos fest. Und der Landesvorsitzende der hessischen SPD fügt hinzu: „Solange es keine vernünftigen Vorschläge dazu gibt, wird es diesen Unfug nicht geben.“

Der bayerische SPD-Chef Florian Pronold ergänzt in seiner Rede: „Der Bundesverkehrsminister kommt mir vor, wie ein politischer Geisterfahrer.“ Und Pronolds Spott geht noch weiter. Eine Maut auf Modellautos bringe wohl mehr als die geplante Pkw-Maut, sagt er mit Verweis auf Christine Haderthauer (CSU), die zurückgetretene Leiterin der bayerischen Staatskanzlei. Das Publikum? Ab der dritten Reihe weitgehend desinteressiert.

Dagegen ist der Auftritt von Hubert Aiwanger gut besucht – was auch am Fassungsvermögen des Weißbierstadels liegt. Der Landes- und Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler wettert wie die anderen Oppositionsparteien gegen Dobrindts Maut-Pläne. Die Maut werde der mittelständischen Wirtschaft in den Grenzregionen schaden, sagt Aiwanger unter dem Applaus der weitgehend älteren Zuschauer. „Europa hat andere Aufgaben, als sich mit solchen Kleinigkeiten gegenseitig die Augen auszukratzen.“

Die ehemalige bayerische Regierungspartei FDP ist in diesem Jahr nicht direkt auf der Gillamoos-Wiese vertreten. Generalsekretärin Nicola Beers Auftritt in Abensberg, 350 Meter weiter, verfolgen rund 60 Leute. Auch die Bayernpartei hat im Ort zum Frühschoppen geladen.

Viele Gillamoos-Besucher verzichten auf die Reden der Politiker. Kabarettist Wolfgang Krebs parodiert zur gleichen Zeit im vollen Bierzelt Edmund Stoiber und Horst Seehofer. Lautes Gelächter an den Tischen. Volksfeststimmung am Gillamoos, endlich.

Maximilian Heim

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