Auch CDU fordert Reaktion

Erdogan macht Ernst: Hagia Sophia wird zu Moschee - Papst Franziskus reagiert: „schmerzt mich sehr“

Viele Staaten kritisieren den türkischen Schritt, die Hagia Sophia wieder in eine Moschee umzuwandeln, heftig. Jetzt hat auch Papst Franziskus reagiert.

  • Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan hat die Hagia Sophia wieder in eine Moschee umgewandelt.
  • Aus der internationalen Staatengemeinschaft hagelte es Kritik.
  • Griechenland und die CDU* forderten Konsequenzen.

Update vom 12. Juli, 14.04 Uhr: Nun hat auch Papst Franziskus auf die Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee reagiert. Er brachte sein Bedauern zum Ausdruck: „Ich denke an die Heilige Sophia, und es schmerzt mich sehr“, so der Pontifex nach dem traditionellen Angelusgebet am Sonntag in Rom. 

Näher äußerte sich das Katholiken-Oberhaupt nicht zu der international umstrittenen Entscheidung der Türkei.

Erdogan macht Ernst: Hagia Sophia wird zu Moschee - Internationale Entrüstung

Istanbul - Zahlreiche Länder haben die Umwandlung des Museums der Hagia (Aussprache: Aja) Sophia in Istanbul in eine Moschee verurteilt. Griechenland hat gar mit Konsequenzen gedroht. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan habe einen „historischen Fehler begangen“, erklärte der griechische Regierungssprecher Stelios Petsas am Samstag. Auf diese Beleidigung der christlichen Welt müsse es eine entsprechende Antwort geben. „Griechenland verurteilt dieses Verhalten Erdogans und wird alles, was es kann, tun, damit es Konsequenzen für die Türkei gibt“, so der Athener Regierungssprecher.

Hagia Sophia - Außenministerium der USA: „Wir sind enttäuscht“

Auch die USA haben die Ankündigung des türkischen Präsidenten kritisiert. "Wir sind enttäuscht über die Entscheidung der türkischen Regierung, den Status der Hagia Sophia zu ändern", erklärte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Morgan Ortagus, am Freitag in Washington.

Auch Frankreich hat die angekündigte Umwandlung kritisiert. Paris bedauere die Entscheidung der türkischen Regierung, den Status der Hagia Sophia zu ändern, erklärte der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian am Freitag. Die Integrität dieses "religiösen, architektonischen und historischen Juwels und Symbols der Religionsfreiheit, Toleranz und Vielfalt" müsse erhalten bleiben.

Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion fordert politische Antwort

Der europapolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Florian Hahn, fordert eine politische Antwort auf die Umwandlung. Sie sei „eine Provokation der gemeinsamen europäischen Kultur“ und zeige die „seit Jahren gewachsene Entfremdung der Türkei“ von der EU, erklärte der CSU-Politiker am Freitag. „Wir sollten daher die Konsequenzen ziehen und den Mut aufbringen, die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei zu beenden.“

Am Freitag hatte das Oberste Verwaltungsgericht der Türkei den Status der einstigen Kirche als Museum aberkannt. Kurz danach ordnete Präsident Erdogan an, das Gebäude für das islamische Gebet zu öffnen.

Die Hagia Sophia in Istanbul.

DieHagia Sophia (griechisch: Heilige Weisheit) wurde im 6. Jahrhundert nach Christus erbaut und war Hauptkirche des Byzantinischen Reiches, in der die Kaiser gekrönt wurden. Nach der Eroberung des damaligen Konstantinopels durch die Osmanen im Jahr 1453 wandelte Sultan Mehmet II. die Hagia Sophia in eine Moschee um und ließ als äußeres Kennzeichen vier Minarette anfügen. Auf Betreiben des türkischen Republikgründers Mustafa Kemal Atatürk ordnete der Ministerrat im Jahr 1934 die Umwandlung der Hagia Sophia in ein Museum an.

„Die Hagia Sophia ist Opfer des Größenwahns Erdogans geworden“

Weil die Hagia Sophia eine so große Bedeutung für die Orthodoxie hat, reagierten Griechenland und die russische-orthodoxe Kirche auf die Umwandlung besonders scharf. Der griechische Regierungschef Kyriakos Mitsotakis erklärte am Freitagabend, dass der Beschluss Erdogans Folgen für die Beziehungen der Türkei zur EU haben werde.

Die griechische Presse reagierte am Samstag mit Schlagzeilen wie „Die Hagia Sophia ist Opfer des Größenwahns Erdogans geworden“ (konservative Zeitung „Kathimerini“). „Unsinn ohne Ende“, hieß es in der konservativen Zeitung „Eleftheros Typos“. Griechische Kommentatoren meinten, Erdogans Türkei entferne sich mit großer Geschwindigkeit vom Laizismus, der Trennung von Staat und Religion, und sei auf dem Weg der vollen Islamisierung.

Um die Beziehungen zur Türkei soll es auch beim ersten Treffen der EU-Außenminister seit Corona gehen. (dpa/afp - merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks. Erfahren Sie hier alles zur CDU:Armin Laschet, Jens Spahn und Friedrich Merz.)

Rubriklistenbild: © AFP / OZAN KOSE

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