Ermordung des haitianischen Präsidenten

Haiti: Präsidentenwitwe schildert tödlichen Angriff – „Dachten, ich sei tot“

  • Anna-Katharina Ahnefeld
    VonAnna-Katharina Ahnefeld
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Die First Lady Haitis wurde bei einem Angriff schwer verletzt. Ihr Ehemann und haitianischer Präsident Moïse getötet. Jetzt berichtet sie erstmals von dem Anschlag.

Port-au-Prince – Es sind grausame Szenen, die die First Lady und Ehefrau des ermordeten haitianischen Präsidenten Jovenel Moïse, beschreibt. Erstmals nach dem Anschlag hat Martine Moïse öffentlich über die Nacht gesprochen, in der ein Mordkommando in das Präsidentenhaus in der Hauptstadt Port-au-Prince eindrang – und das haitianische Staatsoberhaupt erschoss. Martine Moïse selbst überlebte schwer verletzt und wurde zur Behandlung in die USA verlegt.

Gegenüber der renommierten New York Times hat sie ihre Erlebnisse nun rekapituliert. Und ihren ambitionierten Plan verraten. „Das einzige, was ich sah, bevor sie ihn töteten, waren ihre Stiefel“, sagte Moïse über den Augenblick, als ihr Ehemann neben ihr erschossen wurde. „Dann habe ich meine Augen geschlossen und nichts anderes gesehen.“

Haiti: Witwe schildert Angriff auf Präsidentenpaar – „dachten, ich sei tot“

Sie habe auf dem Boden gelegen neben ihrem Bett, den Mund voller Blut, der Ellbogen zersplittert, während die Angreifer den Raum durchsuchten. Und offenbar auch fündig wurden. Als die Eindringlinge das Schlafzimmer, in dem sich das Präsidentenpaar während des Angriffs befand, verließen, traten sie auf den Fuß der First Lady und leuchteten ihr in die Augen. „Als sie gingen, dachten sie, ich sei tot“, so Moïse gegenüber der New York Times.

Weiter gab sie an, dass sie nicht glaube, dass die zentrale Frage des Mordanschlags geklärt sei: Wer hat ihren Ehemann und den Präsidenten Haitis ermorden lassen? Wie viele andere Haitianer ist die First Lady davon überzeugt, dass jemand den Anschlag angeordnet und bezahlt hatte. Die Verdächtigen waren somit Moïse zufolge lediglich das ausführende Glied. Sie ist überzeugt: „Nur die Oligarchen und das System könnten ihn töten.“

Während des Interviews sei die Stimme der Präsidentengattin selten mehr als ein Flüstern gewesen, so die Zeitung. Von dem Geräusch der Schüsse geweckt, sei sie zunächst zu zwei ihrer sich im Haus befindenden Kinder gerannt und habe sie angewiesen, sich im Badezimmer zu verstecken. Gemeinsam mit dem Familienhund hätten sich die jungen Erwachsenen dort verschanzt. Ihr Ehemann habe gesagt, er hätte dem Sicherheitsteam Bescheid gegeben – doch statt ihnen hätten die Angreifer bereits das Haus betreten und ins Schlafzimmer gefeuert.

Haiti: Mordanschlag auf Präsidenten und Ehefrau – Staatsoberhaupt bei Angriff getötet

Die Mörder sollten wissen, dass sie keine Angst habe, so die 47-Jährige weiter. „Ich möchte, dass die Leute, die das getan haben, gefasst werden, sonst werden sie jeden einzelnen Präsidenten töten, der die Macht übernimmt“, sagte sie. „Sie haben es einmal gemacht. Sie werden es wieder tun.“ Weiter bekräftigte sie, darüber nachzudenken, selbst für die Präsidentschaft zu kandidieren.

Die Meldung des tödlichen Angriffs auf den Präsidenten Haitis am 7. Juli sorgte weltweit für Schlagzeilen. Nach Angaben der Polizei gehörten „26 Kolumbianer und zwei US-Bürger haitianischer Herkunft“ zu dem Kommando. Mehr als 20 Menschen wurden seither festgenommen. Auch das Security-Team des Präsidenten geriet ins Visier der Ermittlung. Bei dem Überfall wurde keiner der Wachleute verwundet oder getötet. Der Sicherheitschef Jean Laguel Civil stehe im Verdacht, an der Verschwörung zum Mord an Moïse beteiligt gewesen zu sein, sagte eine Polizeisprecherin Ende Juli. Drahtzieher soll laut Polizei ein 63-jähriger haitianischer Arzt aus Florida mit politischer Motivation sein.

Der Mord stürzte den von Instabilität und Armut geprägten Karibikstaat in eine noch tiefere Krise. Moïse hatte Haiti zuletzt per Dekret regiert, nachdem eine für 2018 geplante Parlamentswahl unter anderem wegen Protesten gegen ihn verschoben worden war. (aka mit Material aus Agenturen)

Rubriklistenbild: © Dieu Nalio Chery

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