Hammer: Tuchel bald Trainer in England?

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So nicht vorausgesagt: Die AfD jubelt am 13. März 2016 in Magdeburg über ihren überraschend großen Erfolg bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.

Probleme der Demoskopen

Der Haken bei den Umfragen

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    Sebastian Horsch
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Im Wahljahr wird die Politik überschwemmt von Umfragen. Zuletzt aber lagen die Demoskopen mehrmals deutlich daneben. Über die Probleme einer Branche.

München – Greift eigentlich noch der Schulz-Effekt? Glaubt man den Umfragen, hatten die Sozialdemokraten zuletzt ja noch starken Rückenwind. Infratest dimap sah sie Ende März auf Augenhöhe mit der Union und Ende Februar noch leicht vorne. Emnid sah das auf Bundesebene ganz ähnlich, Allensbach ein bisschen anders. Jetzt aber sieht Forsa die Union wieder 6 Punkte vorne, Insa dagegen nur 1,5. Und wie könnte sich das alles eigentlich auf die Landtagswahl in NRW auswirken?

Es ist eine Flut von Umfragen, die im Wahljahr über die Deutschen hereinbricht. Alle paar Tage gibt es neue Zahlen, neue Trends. Doch wie aussagekräftig ist das überhaupt? Lagen die Institute zuletzt nicht oft daneben? Brexit? US-Wahl? Saarland? Befindet sich die Branche der Demoskopen in der Krise?

Dem widerspricht Matthias Jung, Vorstandsmitglied bei der Forschungsgruppe Wahlen: „Die Ergebnisse waren nicht so schlecht. Umfragen bilden immer nur ein Meinungsbild ab und können deswegen zum Zeitpunkt ihrer Durchführung keine Prognose liefern. Das ist auch nicht unser Ziel, sondern wir wollen einen Entscheidungsprozess beschreiben.“ Die Erwartung, Demoskopen könnten Wahlergebnisse vorhersagen, hält er für übertrieben. Jung gibt aber zu: Vor allem an einem Termin lagen die Meinungsforscher wirklich falsch. Als am 13. März 2016 nämlich in drei Bundesländern gleichzeitig gewählt wurde und die AfD mit teils hohen zweistelligen Ergebnissen in drei Landtage einzog, habe man die Dunkelziffer der Sympathisanten unterschätzt. „Hier haben wir aber unsere Gewichtung angepasst.“

Gewichtung? Umfragen seien eben immer nur eine Stichprobe, die aus der Meinung der Befragten entsteht – und dann interpretiert wird, erklärt Hans-Bernd Brosius vom Institut für Kommunikationswissenschaft an der LMU. Gibt der Befragte etwa an, dass er sich in der Vergangenheit oft umentschieden habe, fließt das in das Ergebnis mit ein. Dadurch werde versucht, die tatsächliche Meinung annäherungsweise abzubilden. „Die genauen Gewichtungen sind das große Geschäftsgeheimnis der Institute.“

Handwerk der Demoskopen wird immer schwieriger

 Deren Handwerk wird schwieriger. Die Politik ist schnelllebiger, die Wähler sind wankelmütiger. Zudem sind laut Jung die Parteien programmatisch enger aneinandergerückt. Deswegen sei es möglich, dass langjährige Grünen-Wähler ihr Kreuz plötzlich bei der Union machen. „Das war in den 80er-Jahren zu Zeiten von Tschernobyl undenkbar“, sagt Jung.

Dazu kommt: Gerade diejenigen, die sich für die AfD, den Brexit oder Trump entscheiden, lassen sich nicht einfach bestimmten sozialen Gruppen zuordnen. Zum anderen haben sie laut Brosius oft „generell eine kritische Haltung gegenüber Journalisten, Professoren, Eliten und Umfrageinstituten und nehmen deswegen nicht an Umfragen teil“. Da die gleichen Wähler früher aber seltener oder gar nicht wählen gingen, war das in der Vergangenheit kein so großes Problem für die Demoskopen. Heute schon. Die Institute reagieren, indem sie die wenigen Teilnehmer aus umfrageunwilligen Lagern stärker gewichten.

Die schwindende Bereitschaft, an Umfragen teilzunehmen ist generell eine große Herausforderung. Während früher bis zu 80 Prozent der Befragten einverstanden waren, beantworten heute laut Brosius teilweise nur noch bis zu 20 Prozent die Fragen. Was auch daran liegt, dass das Prinzip Telefonumfrage teilweise missbraucht wird. Wer eigentlich mitmachen will, und nach dem zweiten Satz eine Lebensversicherung angedreht bekommt, überlegt es sich beim nächsten Mal.

Dass den Instituten die Teilnehmer an Telefonumfragen wegbrechen, können und wollen sie laut Jung über das Internet nicht kompensieren. „Die älteren Wähler haben meist sowieso kein Internet, weswegen sich über Online-Umfragen keine wirklich verlässlichen Aussagen treffen lassen.“ Ein Problem gibt es auch bei Handy-Nutzern – denn sie lassen sich keiner Adresse zuordnen. Bei einer Umfrage zur Bundestagswahl mag das keine so große Rolle spielen, geht es aber um Landtagswahlen, lässt sich kaum prüfen, ob derjenige im richtigen Bundesland lebt.

Trotz all dieser Schwierigkeiten sagt Jung für die Zukunft wieder genauere Umfragen-Ergebnisse voraus. Denn: „Erkenntnisfortschritt entsteht durch Fehler. Hinterher ist man aber immer schlauer.“

Xaver Bitz und Sebastian Horsch

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