Die SPD gewinnt die Bürgerschaftswahl in Hamburg.
+
Die SPD gewinnt die Bürgerschaftswahl in Hamburg.

AfD-Gegner sollten nicht voreilig jubeln

Kommentar: Die Lehren aus der Hamburg-Wahl

  • Christian Deutschländer
    vonChristian Deutschländer
    schließen

Klarer Wahlsieg für Rot-Grün - ein bitterer Abend für CDU und FDP. Die AfD musste um den Wiedereinzug bangen. Ein Kommentar von Christian Deutschländer, Leiter der Politik-Redaktion.

Das Land staunt und kann sich das Wahlergebnis von Hamburg kaum erklären. Da schafft die SPD trotz eigener Verluste einen unerwartet klaren Wahlsieg, die CDU dämmert der Fünf-Prozent-Hürde entgegen, die Zahl der Fraktionen in der Bürgerschaft sinkt vielleicht. Das ist nicht einfach und reflexartig mit Bundestrends zu begründen. Muss es auch nicht - es ist ja gut, wenn Ausstrahlung und Kompetenz von Kandidaten vor Ort Regionalwahlen entscheiden.

Hamburger SPD profitiert von Regierungschef Tschentscher

Für Peter Tschentscher, den SPD-Regierungschef, hat es sich sogar ausgezahlt, die Bundes-Genossen von seinem Wahlkampf fernzuhalten, aus Berlin kommen zurzeit keine roten Gewinner. Tschentscher mag bundesweit unbekannt sein, in seiner Hansestadt ist er geschätzt, gilt als kompetent. Gemaule, Wechselstimmung und Ängste hielt er gering – unter seiner SPD wurde Hamburg, von mäßigem Niveau kommend, spürbar und messbar sicherer. 

AfD-Gegner in Deutschland sollten nicht voreilig jubeln

Christian Deutschländer kommentiert das Ergebnis der Hamburger Wahl.

Auch diese Komponente half dabei, die AfD kleinzuhalten, vielleicht ein wenig unterstützt durch die Debatten um Erfurt und Hanau. Wobei keiner voreilig jubeln sollte, der AfD-Anstieg wäre jetzt bundesweit gebrochen.

Wahlkämpfer müssen das Lebensgefühl der Stadt aufgreifen - auch in München

Hamburg wird, Stichwort FDP, sicher Folgen haben. Zu lernen ist aus diesem Wahlabend aber eher, um wie viel unterschiedlich politische Milieus in wohlsituierten Großstädten inzwischen sind. Die Stadt ist nicht alles, aber es ist alles anders in der Stadt. Fast zwei Drittel der Hamburger wählen diesmal Rot und Grün – kaum aus beinharter Ideologie, denn dieselbe Stadt hatte für ein Jahrzehnt lang den liberalen CDU-Mann Ole von Beust gewählt. 

Wer mag, darf da Parallelen zu München erkennen: wie sehr es hier darauf ankommt, mit einem pragmatischen, grundpositiven Kurs das Lebensgefühl der Stadt aufzugreifen. Die Union beherzigt das nicht überall.

Auch interessant

Kommentare