Polizei und Absperrband vor dem Tatort einer antisemitischen Attacke, einer Synagoge in Hamburg.
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Vor einer Synagoge in Hamburg kam es zu einer brutalen Attacke auf einen jüdischen Studenten.

War er bei der Bundeswehr?

Mann in Militärkleidung attackiert Juden vor Synagoge mit Spaten - neue Details zum mutmaßlichen Täter

  • Thomas Eldersch
    vonThomas Eldersch
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Vor einer Synagoge in Hamburg kam es zu einen Angriff. Ein 29-Jähriger schlug auf einen jüdischen Studenten ein. Die Hintergründe der Tat sind noch unklar.

  • Ein Unbekannter hat einen Studenten in Hamburg angegriffen.
  • Der 26-Jährige verließ gerade eine Synagoge, als er attackiert wurde.
  • Der Angriff erinnert an das Attentat auf die Synagoge in Halle vor knapp einem Jahr.

Update vom 6. Oktober, 7.07 Uhr: Mit einem Klappspaten wurde ein Student (26) am Sonntag aus Judenhass vor einer Synagoge in Eimsbüttel Hamburg attackiert und schwer verletzt. Der mutmaßliche Täter habe einen „extrem verwirrten Eindruck“, laut Polizei bei der Festnahme gemacht. In der psychiatrischen Abteilung eines Krankenhauses, in dem der 29-Jährige am Montag auf richterliche Anordnung untergebracht wurde, soll sein Zustand begutachtet werden, wie die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Nana Frombach, sagte. Nach der Tat wurde in der Hosentasche des Mannes, der eine Militäruniform trug, ein Zettel mit einem Hakenkreuz gefunden. Dem Mann werden versuchter Mord und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

Antisemitsche Gewalttat auf Synagoge in Hamburg: Mutmaßlicher Täter absolvierte wohl Bundeswehr-Ausbildung

Update vom 5. Oktober, 21.03 Uhr: Der 29-Jährige, der an der Hamburger Synagoge in Militärkleidung einen jüdischen Studenten attackiert haben soll, war offenbar zeitweise bei der Bundeswehr. Wie der „Spiegel“ berichtet, habe der Mann 2016 freiwillig Wehrdienst geleistet, eine dreimonatige Grundausbildung an der Waffe absolviert und später als Sanitäter gearbeitet.

Die Sprecherin der Hamburger Staatsanwaltschaften, Nana Frombach, sagte dazu auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur, sie könne dies weder bestätigen noch dementieren. Es laufe derzeit dazu noch eine Anfrage bei der Bundeswehr. Es werde zudem geprüft, ob die Uniform, die der Tatverdächtige trug, eine echte Bundeswehruniform war.

Da der Angreifer offenkundig psychisch krank ist, ordnete eine Untersuchungsrichterin wegen des Verdachts des versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik an. Wie der „Spiegel“ weiter berichtet, soll es bei dem Verdächtigen schon länger Hinweise auf eine psychische Störung gegeben haben. Als der Mann, bei dem es sich um einen Deutsch-Kasachen handeln soll, 2015 in einem Übergangswohnheim für Spätaussiedler in Berlin gewohnt habe, sei er auch auf Menschen jüdischer Abstammung getroffen. Probleme soll es damals allerdings keine gegeben haben. Der Tatverdächtige machte keine Andeutungen in Richtung Antisemitismus.

Anschlag auf Synagoge in Hamburg: 200 Menschen solidarisieren sich mit Opfer

Update vom 5. Oktober, 18.38 Uhr: Mit einer Mahnwache vor der Hamburger Synagoge haben am Montagabend rund 200 Menschen ein Zeichen der Solidarität mit der Jüdischen Gemeinde gesetzt. „Diese Attacke zeigt, wie brisant die Lage im Moment ist“, sagte Andreas Brämer, stellvertretender Direktor des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden mit Sitz in der Hansestadt. „Ich würde mir wünschen, dass wir in der Zukunft in ganz Deutschland oder weltweit eine Situation haben, wo wir solche Mahnwachen nicht mehr organisieren müssen.“ Präventive Maßnahmen müssten weiter verstärkt werden. „Dass sie heute hier sind, zeigt, dass es auch eine Bereitschaft gibt, aktiv zu werden“, so Brämer weiter.

Aufgerufen zu der Mahnwache hatte das „Bündnis gegen Rechts“. Helga Obens vom Arbeitskreis „Bücherverbrennung - Nie wieder!“ verlas eine Grußbotschaft der Holocaust-Überlebenden Esther Bejarano. Diese forderte die Teilnehmer auf, nicht zu schweigen, wo auch immer Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit auftauche. Obens sagte: „Irgendwie haben wir gedacht, hier in Hamburg passiert das nicht. Und nun ist es auch hier passiert.“

Mit einer Mahnwache haben am Montagabend rund 200 Menschen ein Zeichen der Solidarität mit der Jüdischen Gemeinde gesetzt.

Hamburg: Anschlag auf Synagoge: Tatverdächtiger in Psychiatrie untergebracht

Update vom 5. Oktober, 16.50 Uhr: Der Tatverdächtige wurde nach der Attacke auf einen jüdischen Studenten vor einer Synagoge in Hamburg in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht. Einen entsprechenden Unterbringungsbefehl habe am Montag eine Untersuchungsrichterin erlassen, teilte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft mit.

Nach dpa-Informationen hatten Ermittler nach der Tat weitere Hinweise auf eine Erkrankung gefunden. Wie aus Sicherheitskreisen zu erfahren war, lebte der Mann im vergangenen Jahr noch in Berlin in einem Übergangswohnheim für Spätaussiedler, Flüchtlinge und jüdische Zuwanderer. Dort soll es angeblich einen Vorfall gegeben haben, bei dem ein Messer eine Rolle spielte.

Aus Judenhass? Angreifer in Militärkleidung attackiert 26-Jährigen mit Spaten - Staatsschutz ermittelt

Update vom 5. Oktober, 12.47 Uhr: Die Gewalttat am Sonntagnachmittag vor einer Synagoge in Hamburg stufen die Ermittler inzwischen als versuchten Mord ein - mutmaßlich Motiv sei Judenhass.  „Aufgrund der derzeitigen Einschätzung der Gesamtumstände ist bei der Tat von einem antisemitisch motiviertem Angriff auszugehen“, teilte die Polizei Hamburg mit. Wegen der Bedeutung der Sache und wegen eines möglichen extremistischen Hintergrundes habe die Zentralstelle Staatsschutz der Generalstaatsanwaltschaft die Ermittlungen an sich gezogen, so die Pressestelle.

„Nach aktuellem Ermittlungsstand liegen keine Hinweise auf Mittäter vor“, hieß es in einer Erklärung weiter. Der 29-Jährige sei bislang polizeilich nicht in Erscheinung getreten. Nach seiner Festnahme hatten die Ermittler einen Zettel mit einem handschriftlich aufgemalten Hakenkreuz in seiner Hosentasche gefunden. Auch die Ermittlungen zur Herkunft des Beschuldigten dauern weiter an. Zwar war der Mann in Berlin gemeldet, lebte aber wohl schon seit 2019 unangemeldet in einer Wohnung in Hamburg-Langenhorn. Bei einer angeordneten Hausdurchsuchung wurden dort laut Polizei Datenträger sichergestellt, die noch ausgewertet werden.

Update vom 4. Oktober, 21.04 Uhr: Inzwischen ist nach der brutalen Attacke am Sonntagnachmittag vor einer Synagoge in Hamburg mehr über den Täter bekannt. Eine Polizeisprecherin sagte, der Angreifer mache einen „extrem verwirrten Eindruck“. Es sei schwierig ihn zu vernehmen. Der Mann ist Deutscher mit kasachischen Wurzeln. Woher er den militärischen Tarnanzug hat und warum er den 26-jährigen Studenten angriff, ist bislang noch nicht bekannt.

Angriff auf jüdischen Studenten in Hamburg

(Erstmeldung) Hamburg - In fünf Tagen jährt sich das Attentat auf die Synagoge in Halle. Damals versuchte der Rechtsextremist Stephan B. in das Gotteshaus einzudringen und die anwesenden Gläubigen zu töten. Als ihm das nicht gelang, erschoss er zwei Menschen in der Nähe der Synagoge. Nun kam es in Hamburg erneut zu einer Gewalttat im Umfeld eines jüdischen Lehrhauses.

Attacke in Hamburg: Jüdischer Student bei Angriff verletzt worden

Am Sonntagnachmittag kam es nach Angaben der Süddeutschen Zeitung, des NDR und des WDR zu einem Angriff auf einen jüdischen Studenten in Hamburg. Der 26-Jährige kam gerade aus der Synagoge an der Hohen Weide im Stadtteil Eimsbüttel und trug noch seine Kippa, als der drei Jahre ältere Täter ihn attackierte. Der Angreifer soll militärische Kleidung getragen haben. Außerdem hatte er wohl einen Klappspaten dabei, mit dem er dem Studenten auf den Kopf schlug. Anschließend konnten ihn Sicherheitskräfte der jüdischen Gemeinde überwältigen und festnehmen. Die restlichen Besucher der Synagoge wurden derweil in Sicherheit gebracht.

Bei dem Angriff wurde der 26-Jährige schwer verletzt und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Dort wird seine erhebliche Kopfverletzung versorgt. Über den Täter und ob es sich um eine antisemitische Tat handelt, ist noch wenig bekannt. Er soll nach neusten Erkenntnissen aber einen Zettel mit einem Hakenkreuz in der Hosentasche mitgeführt haben, gab die Deutsche Presseagentur bekannt. An diesem Sonntag wurde in der Synagoge das Sukkot - das Laubhüttenfest, welches noch bis zum 9. Oktober geht - gefeiert. (tel)

In Marbach kam es heute zu mehreren Brandanschlägen - unter anderem auf eine Kirche und ein Polizeirevier.

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