BKA-Chef Münch gibt Statement ab
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BKA-Chef Münch gibt Statement ab

Abschlussbericht in Arbeit

Täter von Hanau nicht rechtsextrem? BKA-Chef meldet sich persönlich zu Wort

Die neun Menschen, die ein 43-Jähriger in Hanau tötete, hatten alle ausländische Wurzeln. Dennoch ist im BKA offenbar umstritten, ob der Täter aus Rassismus handelte.

  • In Hanau in Hessen ist es im Februar zu einer Bluttat mit elf Toten gekommen. 
  • Die Ermittler gingen zunächst vom einem rechtsextrem motivierten Anschlag aus. 
  • Das BKA sieht nun Rassismus nicht mehr als Hauptmotiv für Tat.

Update vom 31. März: Das Bundeskriminalamt (BKA) geht nach wie vor davon aus, dass der Anschlag von Hanau rassistisch motiviert war. "Das BKA bewertet die Tat als eindeutig rechtsextremistisch", teilte BKA-Präsident Holger Münch am Dienstag auf Twitter mit. "Die Tatbegehung beruhte auf rassistischen Motiven." Nord- und Westdeutscher Rundfunk sowie Süddeutsche Zeitung hatten zuvor berichtet, in einer Analyse der Ermittler zum Täter heiße es, der Täter sei in erster Linie nicht von einer rechtsextremen Gesinnung getrieben worden (siehe unten).

Münch erklärte dazu nun, einen Abschlussbericht zu der Tat gebe es nicht. Die Ermittlungen dauerten an. In dem Bericht war allerdings auch die Rede davon, dass die Ermittler an dem Abschlussbericht arbeiteten und dabei eine kontroverse These formuliert hätten.

Jetzt wurden bei einer Messer-Attacke in Hanau vier Männer verletzt.

Anschlag von Hanau: War Rassismus das Motiv? Ermittler haben neue These zur Weltanschauung des Täters

Erstmeldung: Karlsruhe - Ermittler des Bundeskriminalamts (BKA) stufen den Anschlag von Hanau nach einem Medienbericht nicht als Tat eines Rechtsextremisten ein. Tobias R. habe seine Opfer ausgewählt, um größtmögliche Aufmerksamkeit für seinen Verschwörungsmythos von der Überwachung durch einen Geheimdienst zu erlangen. Eine typisch rechtsextreme Radikalisierung habe er nach Ansicht der Ermittler nicht durchlaufen, berichteten WDR, NDR und Süddeutsche Zeitung. Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe wollte dies am Montag nicht kommentieren. Die polizeilichen Ermittlungen dauerten noch an.

Anschlag von Hanau: Neun Menschen mit ausländischen Wurzeln starben

Tobias R. war am 19. Februar spätabends durch das hessische Hanau gezogen und hatte neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschossen. Später wurden der 43-Jährige und seine Mutter tot in ihrer Wohnung gefunden. R. hatte im Internet wirre Gedanken und abstruse Verschwörungstheorien sowie rassistische Ansichten verbreitet.

Eine Szene vom Tatort des Anschlags von Hanau

Generalbundesanwalt Peter Frank hatte die Ermittlungen noch in der Nacht übernommen. Von Anfang an hatte es geheißen, es gebe „gravierende Indizien für einen rassistischen Hintergrund der Tat“.

Täter von Hanau soll Verschwörungstheoretiker sein: Litt er an Paranoia vor Geheimdiensten?

Das BKA ist von der Bundesanwaltschaft mit den weiteren Ermittlungen beauftragt. Den Medien zufolge soll die Einschätzung zu R. in einen Abschlussbericht einfließen, an dem derzeit gearbeitet werde.

Nach Auffassung der Ermittler sei Rassismus nicht der dominierende Aspekt in R.'s Weltanschauung gewesen, hieß es. Dieser habe sich vor allem in Verschwörungsmythen rund um Geheimdienste hineingesteigert und an Paranoia gelitten. Nachbarn und Bekannten sei R. nicht durch rassistische Äußerungen aufgefallen. Es seien auch keine Hinweise darauf gefunden worden, dass er sich mit rechter Ideologie oder mit Rechtsterroristen und deren Taten beschäftigt habe.

Nach dem Attentat von Hanau wanderte das Problem Ausländerfeindlichkeit bei den Prioritäten der Bundesregierung nach oben - Innenminister Horst Seehofer kündigt eine Kommission an. Die Bluttat von Hanau sorgt in Deutschland für Bestürzung. Experte Hajo Funke ist allerdings „nicht wirklich überrascht“. Im Interview benennt er Hintergründe des Falls.

Mehr zum Thema im Video: Anwohner filmen Tatort mit Handy

frs

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