Fahnen der USA und Chinas mit einem Strafzollstempel
+
Seit 2018 tobt ein Handelsstreit zwischen den USA und China

Konflikt zwischen China und den USA

Handelsstreit China-USA: Verlauf, Ursachen und aktuelle Entwicklung

Der Handelsstreit China-USA beeinflusst seit Jahren die globale Wirtschaft. Ein Überblick über die Chronologie eines Konflikts zweier Großmächte.

  • 2018 erließen die USA Strafzölle gegen China.
  • Der Streit schwächt die amerikanische Wirtschaft.
  • Bisher gibt es keine Lösung für den Konflikt.

Seit 2018 tobt ein Handelsstreit zwischen den USA und China. Auslöser war der Erlass von Strafzöllen gegen chinesische Einfuhren durch die USA. Diese sollten das Handelsdefizit der USA mit China ausgleichen.

Ein Handelsdefizit entsteht, wenn ein Staat mehr importiert als exportiert. Die USA haben seit vielen Jahren ein großes Defizit im Warenaustausch mit China. Das niedrige Lohnniveau und die sich stetig entwickelnde Industrie machen China zum idealen Wirtschaftsstandort, der Investitonen vieler Unternehmen anlockt - auch aus den USA. Seit Beginn der Öffnungspolitik der 1980er Jahre wurde China zur Werkbank der Welt. In letzter Zeit bemüht es sich, an der Wertschöpfungskette emporzuklettern, entwickelt eigene Technologieprodukte und Innovationen etwa in der Elektromobilität. Die Exporte sind weiter stark, da trotz steigender Löhne noch immer ein Gefälle zwischen China und westlichen Industriestaaten besteht. Zudem gibt es Vorwürfe, dass China seine Unternehmenin manchen Sektoren - etwa Stahl - stark subventioniert, so dass diese zu Dumpingpreisen auf den Weltkmärkten anbieten.

Der frühere US-Präsident Donald Trump erließ daher Strafzölle, wodurch für Importeure und Verbraucher:innen in Amerika die Preise für chinesische Waren anstiegen. Das Ziel war, dass der Bedarf nach Importware sinken und die amerikanische Wirtschaft profitieren würde. China antwortete ebenfalls mit Zöllen auf US-Waren. Woraufhin die USA - und auch wieder China - eine weitere Strafzollrunde einleiteten

Dieser Handelsstreit dauert noch heute an, und bisher existiert keine zufrieden stellende Lösung. Vor allem die USA brauchen dringend einen Kompromiss, da die Strafzölle die amerikanische Wirtschaft nicht wie erhofft stärken - sondern angesichts höherer Preise eher schwächen. Auch die erhoffte Rückverlagerung von Produktionen aus China in die USA ist nicht eingetreten.

Handelsstreit China-USA: Ursachen und Entwicklung

Der Handelsstreit basiert - neben politischen Differenzen - auf dem langjährigen Unmut in den USA über das Handelsdifizit mit China. Während die USA im Jahr 2017 Waren im Wert von 130,4 Milliarden US-Dollar nach China exportierten, importierten sie Waren im Wert von 505,6 Milliarden US-Dollar. 2018 erließ Trump deshalb seine Strafzölle - und der Handelskrieg nahm seinen Lauf.

Sowohl die Volksrepublik China als auch die USA erheben seit langem - ebenso wie die EU - reguläre Importzölle. Mit diesen haben die neuen Zölle nichts zu tun. Die USA bezeichneten sie explizit als Strafzölle. Strafzölle unterscheiden sich von normalen Zöllen nur durch die Begründung, mit der der Zoll erhoben wird. Die Zölle sollen einen strafenden Charakter haben und das Land, gegen das die Zölle verhängt werden, disziplinieren und zu einem bestimmten Verhalten bewegen. Strafzölle können zum Einlenken des betroffenen Staates, aber auch zu Vergeltungsmaßnahmen führen. Beispielsweise kann der von den Strafzöllen betroffene Staat seinerseits Strafzölle erheben. Dies kann, wie im Handelsstreit zwischen der Volksrepublik China und den USA, zu einem Handelskrieg ausarten, bei dem sich die konkurrierenden Staaten mit immer neuen Strafzöllen gegenseitig bestrafen.

Während die USA ihre Strafzölle gegenüber China unter anderem mit Dumping oder dem Diebstahl geistigen Eigentums durch chinesische Firmen begründeten, warf die Volksrepublik China den USA unfaire Zollpraktiken vor. China war nach eigenen Aussagen dialogwillig, fürchtete trotz hoher Exporte in die USA aber auch keinen Handelskrieg.

Ein Handelskrieg hat für beide Staaten gravierende wirtschaftliche Schäden zur Folge und zieht in der Regel diplomatische Maßnahmen nach sich. Die USA ordneten beispielsweise die Schließung des Generalkonsulats der Volksrepublik China in Houston an. In der Folge schloss China das US-Konsulat in Chengdu. Parallel wurden aber auch Verhandlungen zur Lösung des Problems geführt, in deren Verlauf ein Teilabkommen erzielt wurde. Weitere Runden mit Strafzöllen wurden ausgesetzt, erste Zölle gesenkt.

Handelsstreit China-USA: Ereignisse im Zeitstrahl

Der erste Schritt des laufenden Handelskonflikts waren amerikanische Strafzölle auf Waschmaschinen und Solarpanels aus Chona Anfang 2018. Am 22. März 2018 dann erließen die USA Strafzölle über eine ganze Reihe von Waren mit einem Importwert von rund 50 Milliarden US-Dollar. China reagierte im April 2018 mit Vergeltungszöllen in Höhe von 50 Milliarden Dollar.

Am 24. September führten die USA Strafzölle auf 50 Prozent aller Warenimporte aus China ein. China reagierte am 24. September mit Zöllen auf US-Waren mit einem Importwert von rund 60 Milliarden US-Dollar.

Daraufhin begannen Verhandlungen über eine Lösung des Konflikts. Zunächst wurde beim G20-Gipfel am 2. Dezember eine vorläufige Einigung erzielt. Doch am 10. Mai 2019 erhöhten die USA die Zölle wieder. China zog am 1. Juni nach. Im Januar 2020 wurde eine Teileinigung erreicht und einige Zölle wurden gesenkt.

Chronologie der Ereignisse:

  • Januar 2018: USA erheben erste Strafzölle, unter anderem für Waschmaschinen und Solarpanels
  • März 2018: Umfassendere US-Strafzölle gegen China
  • April 2018: Vergeltungszölle Chinas gegen die USA
  • September 2018: US-Strafzölle auf nun 50 Prozent aller Importe aus China
  • Dezember 2018: Erste Einigungsversuche beider Seiten
  • Mai-Juni 2019: Weitere Verschärfung des Konflikts
  • Januar 2020: Einigung und erste Lockerungen

Handelsstreit China-USA: Einfluss auf die Aktienmärkte

Der Handelsstreit hatte Auswirkungen sowohl auf den Aktienmarkt der USA als auch auf den Aktienmarkt der Volksrepublik China. Mitte Januar 2019 lag der Aktienindex SSE in China um fast ein Drittel niedriger als noch ein Jahr zuvor. Auch der amerikanische Aktienindex Dow Jones verlor zeitweise deutlich an Punkten. Besonders US-amerikanische Tech-Unternehmen und deren Zulieferer, die in China produzieren, verloren deutlich an Wert. Auch die Aktien amerikanischer Automobilhersteller schwächelten.

In China verloren vor allem Exportunternehmen an Wert - während chinesische Unternehmen, die sich auf den Binnenmarkt konzentrieren, weitestgehend stabil blieben. In China machten insbesondere große Technologieaktien Verluste. Besonders betroffen waren beispielsweise die Aktien von Xiaomi und Huawei.

Auch international übte der Handelsstreit Druck auf die Aktienmärkte aus. In Tokio gab der Nikkei 225 zeitweise deutlich nach. Der deutsche Leitindex DAX geriet ebenso kurzzeitig unter Druck, wurde aber durch den Handelsstreit nicht nachhaltig beeinträchtigt. Seit sich eine zumindest teilweise Einigung im Handelsstreit abzeichnete, erholen sich die Aktienmärkte.

Handelsstreit China-USA: Auswirkungen auf die chinesische und amerikanische Wirtschaft

Zahlreiche amerikanische Unternehmen haben ihre Produktionen in andere Werke verlegt. Die Hälfte aller US-Unternehmen will in naher Zukunft ihre Produktion in China einstellen und beispielsweise nach Malaysia, Thailand oder Vietnam ziehen. Hier ähnelt das Lohnniveau dem chinesischen. Wenn diese Verlagerung tatsächlich stattfindet, entsteht der Volksrepublik ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden. Einige Wirtschaftsexperten sehen den Konflikt dennoch als langfristig wenig folgenreich an. Sie prophezeien ein steigendes Lohnniveau in China, da der Lebensstandard stetig wächst. Dann würden ohnehin zahlreiche Firmen in günstigere Länder abwandern, auch wenn keine Strafzölle bestehen.

Anders als von Donald Trump angekündigt, profitiert die US-Wirtschaft nicht vom Handelsstreit. Die USA sind nun im Gegenteil, vor allem gegenüber Europa, weniger konkurrenzfähig. Für Verbraucher:innen steigen bereits die Preise für verschiedene Produkte. Besonders betroffen sind Konsumgüter, die von unteren Einkommensschichten gekauft werden. Diese könnten bis zu 7 Prozent teurer werden. Während Exporte nach China bis 2019 um 34 Prozent zurückgingen, blieben die Importe von China an die USA gleich. Das Handelsdefizit der USA ist also noch größer geworden.

Handelsstreit China-USA: Die Auswirkungen für Deutschland

In der modernen Wirtschaft haben Veränderungen in einzelnen Staaten schnell globale Folgen. Entsprechend groß sind die Folgen der Auseinandersetzungen auch für Deutschland. Das betrifft vor allem Lieferketten. Zahlreiche in China ansässige deutsche Unternehmen berichten von Problemen durch fehlende Waren und verlängerte Lieferzeiten, da die Kanäle von und in die USA in China nicht mehr reibungslos funktionieren. Bislang gibt es aber keine Abwanderungsbewegung deutscher Unternehmen aus China.

Handelsstreit China-USA: Konfliktlösung

Beide Parteien haben ein Interesse daran, für den Konflikt eine Lösung zu finden. Eine Möglichkeit dazu wäre ein Handelsabkommen. In diesem Abkommen können beide Staaten die Höhe von Zöllen und die Menge von Import und Export festlegen. Die USA wollen dabei vor allem das Handelsdefizit ausgleichen. Chinas Wirtschaft hat vor allem ein Interesse an verlässlichen Lieferketten.

Die Corona-Pandemie hat in den USA enorme wirtschaftliche Schäden angerichtet, von denen sich die Wirtschaft erst erholen muss. Währenddessen wächst Chinas Wirtschaft bereits wieder. Bei Verhandlungen um ein Handelsabkommen sitzt China daher zumindest kurzfristig am längeren Hebel.

Eine umfassende Lösung ist bisher aber trotz regelmäßiger Verhandlungen nicht in Sicht. Ein erstes Handelsabkommen im Januar 2020 legte den Grundstein. Seither wartet die Weltwirtschaft auf weitere Abkommen, die konkrete Lösungen für den Konflikt bringen sollen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare