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Hannelore Kraft.

SPD-Posten

Kraft schließt Kanzlerkandidatur aus

Düsseldorf  - Hannelore Kraft wird nicht erste sozialdemokratische Kanzlerin  der Bundesrepublik - sagt sie zumindest jetzt. Das aber in aller Deutlichkeit.

Nicht allein, weil der SPD  derzeit die Stimmen für den großen Sprung fehlen, hat ihre beliebteste Spitzenpolitikerin jetzt die Notbremse gezogen.

Oft war Kraft als Kanzlerkandidatin  der Herzen gehandelt worden. Oft war ihr unterstellt worden, sie kokettiere nur und wolle sich rufen lassen. Am Freitag legte sie sich in einer Sondersitzung der SPD-Landtagsfraktion in Düsseldorf fest: „Ich werde nie, nie als Kanzlerkandidatin antreten. Ich bleibe in Nordrhein-Westfalen. Darauf könnt ihr Euch verlassen“, sagte Kraft nach Angaben von Teilnehmern vor der Fraktion.

Gabriels Position gestärkt 

Das stärkt die Chancen des SPD-Bundesvorsitzenden Sigmar Gabriel, an der Basis für ein schwarz-rotes Bündnis zu werben und seine Position in einer solchen Regierung zu stabilisieren. Denn manch einer in NRW habe gehofft, ein Scheitern von Schwarz-Rot könnte eine Neuwahl-Option sein, „und dann tritt die Hannelore an“, berichten Genossen.

Diese Illusion soll nun aber beim SPD-Mitgliederentscheid über das Vertragswerk keine Nein-Stimmen befördern, und deshalb räumte Kraft gleich zum Start der bundesweit 32 Regionalkonferenzen solche Ideen ab. Ihre Vertrauten sind sicher, dass dies keine Taktik ist, sondern dass die bodenständige Politikerin aus dem Ruhrgebiet ihr Wort hält.

Dass sie zur Bundestagswahl 2013 und 2017 nicht als Kanzlerkandidatin antrete, hatte Kraft bereits mehrfach erklärt. Doch jetzt hat sie auch denen den Boden entzogen, die bisher spekulierten, Kraft könne von einem möglichen Scheitern Gabriels profitieren und dann möglicherweise aus Pflichtgefühl doch antreten. Krafts neuerliche Festlegung schließt eine solche Option sowohl für den Fall aus, dass die Basis den Koalitionsvertrag ablehnt, als auch für den Fall, dass Schwarz-Rot mit einem Spitzen-Duo Angela Merkel/Sigmar Gabriel vorzeitig scheitert.

Ihr oft bekundetes - und ebenso oft angezweifeltes - Desinteresse an einem Spitzenposten im Polit-Moloch Berlin ist seit jeher bei vielen auf völliges Unverständnis gestoßen. Doch Kraft hat sich nie als politisches Karrieretier verstanden und ihren Rest an Privatleben entschlossen verteidigt. Wer sie deshalb unterschätzte, musste nicht zuletzt nach dieser Bundestagswahl erleben, dass die Chefin des größten SPD-Landesverbands laut ihre Stimme erhebt und ihren Einfluss zur Geltung bringt.

Anfangs machte Kraft als eine der unerbittlichsten Kritikerinnen einer großen Koalition Schlagzeilen. In den Koalitionsverhandlungen band Gabriel sie aber an führender Stelle ein und zog sie in die Verantwortung, zum Gelingen der derzeit einzig möglichen Machtoption seiner SPD beizutragen.

Das sagt die Presse zum Koalitionsvertrag

Das sagt die Presse zum Koalitionsvertrag

Auf Kraft kommt es jetzt ganz maßgeblich an. Jedes vierte der rund 475 000 Mitglieder, die über den schwarz-roten Koalitionsvertrag abstimmen sollen, lebt in Nordrhein-Westfalen. Dort hatten Spitzen des Landesverbands nach der Bundestagswahl die Parole vorgegeben, die SPD tauge nicht zum „Steigbügelhalter“ für eine CDU-Kanzlerin Merkel.

Nun muss Kraft die Volte schaffen. Am Anfang des Einigungsprozesses mit der Union habe es „viele Unsicherheiten“ gegeben, sagt sie. Ihre Partei sei aber mit einem klaren Auftrag in die Verhandlungen gezogen. „Ich kann nur sagen: Mission erfüllt.“

dpa

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